Forschung Welche Medikamente könnten bei Covid-19 helfen?

Wissenschaftler auf der ganzen Welt suchen nach Medikamenten gegen die Atemwegserkrankung Covid-19, die durch das Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelöst wird.

Grafische Darstellung des Coronavirus Sars-CoV-2.

Coronaviren tragen ihren Namen, weil ihre Oberflächen von stachelartigen Protein-Spitzen, sogenannten Spikes "gekränzt" sind (lat. corona = Kranz). Die Spikes stecken in einer Lipid-Hülle, die den Virenkern vor schädlichen Einflüssen schützt. Diese Hüllmembran kann durch ausreichenden Kontakt mit Seife beim Händewaschen zerstört werden.

Durch Mund, Nase und Augen gelangt Sars-CoV-2 in den Körper und dockt in den Atemwegen mit dem Spike-Protein am sogenannten ACE2-Rezeptor an. Dadurch werden Virusmoleküle, vor allem das genetische Material, die RNA, aber auch die Proteine und Lipide der Virushülle in die Zelle eingeschleust.

Zwei bereits zugelassene Medikamente könnten hier möglicherweise einen Weg zur Bekämpfung des Erregers öffnen:

Camostat Mesilate, ein in Japan gegen Bauchspeicheldrüsenentzündung zugelassenes Medikament, hemmt die Aufnahme des Virus in die Zelle. Das haben Forscher des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen und der Berliner Charité an Zellkulturen gezeigt. Noch ist aber nicht klar, ob das Medikament Covid-19-Patienten wirklich helfen kann. Dafür muss es zunächst in klinischen Studien an Patienten erprobt werden.

Chloroquin wurde in den 1940er-Jahren von Bayer als Mittel zur Malariaprophylaxe und -behandlung entwickelt und ist vor allem unter seinem Handelsnamen Resochin bekannt. Aufgrund steigender Resistenzen der krankheitsauslösenden Parasiten wird es heute in der Malariatherapie kaum noch angewendet. Nun erscheint der Wirkstoff des Malariamittel-Methusalems in China womöglich als hilfreich in der Behandlung von Covid-19-Kranken, denn Chloroquin hemmt offenbar die Fusion des Virus mit der Zelle. Allerdings wurde dieser Effekt bisher nur "in vitro", also unter Laborbedingungen nachgewiesen und nicht "in vivo" also am lebenden Patienten. Derzeit sind vier Chloroquin-Studien im Zusammenhang mit Covid-19 geplant. Unter anderem soll getestet werden, ob eine Choloquin-Prophylaxe die Erkrankung von Ärzten und Pflegepersonal an Covid-19 verhindern kann.

Die Fusion der Virus-Lipidmembran mit den Außenhäuten der Körperzellen erlaubt es den Virus-Molekülen, ihre im Inneren gespeicherte RNA freizusetzen. Diese genetische Information sorgt dafür, dass die infizierte Körperzelle beginnt, neue Viren anhand der eingeschleusten Gen-Baupläne zu produzieren.  Die Virus-RNA wird millionenfach repliziert.

Die Substanz Remdesivir blockiert die Vervielfältigung der RNA. Bei ersten Patienten konnte durch Remdesivir der Krankheitsverlauf günstig beeinflusst werden. Da das Medikament bisher in keinem Land der Welt zugelassen ist, handelt es sich jedoch um individuelle Heilversuche, die zurzeit nur an einer kleinen Zahl von Covid-19-Patienten durchgeführt werden. .

Remdesivir wurde ursprünglich für die Ebola-Behandlung entwickelt und zeigte in  präklinischen Tests und bei Affen Wirkung gegen verwandte Corona-Viren wie den Mers-Erreger. Remdesivir wird derzeit in mehreren großen Studien an Covid-19-Patienten getestet. Auch in Deutschland werden an mehreren Universitätskliniken bald solche Studien starten. Erste Ergebnisse werden Ende April erwartet.

Die Information der Virus-RNA wird von der Zellmaschinerie in Proteine überschrieben, die als Grundsubstanzen für neue Virus-Spikes dienen.

Das HIV-Medikament Lopinavir blockiert die Fertigstellung der Virusproteine. Die Wissenschaftler hoffen, dass dies nicht nur bei Aids-, sondern auch bei Sars-CoV-2-Viren der Fall ist.  

Es entstehen so viele neue Viren, bis die Zellen "platzen" und die Viren freigesetzt werden. Sie können Nachbarzellen infizieren oder durch Husten und Niesen in die Umgebung des Infizierten geschleudert werden. 

Passende Antikörper können das Sars-CoV-2 unschädlich machen. Solche Antikörper können künstlich hergestellt oder aus dem Blut genesener Covid-19-Patienten gewonnen werden.

Inspiration:
"How Coronavirus Hijacks Your Cells" von Jonathan Corum und Carl Zimmer. Erschienen in der "New York Times" vom 11. März 2020.