20 Jahre danach "Challenger"-Unglück verfolgt Nasa bis heute

Für die Nasa war es eines der schwersten Unglücke ihrer Geschichte: Heute vor 20 Jahren explodierte das Space Shuttle "Challenger" beim Start und riss sieben Menschen in den Tod. Mit dem Unfall begann die Krise, die die bemannte Raumfahrt bis heute nicht loslässt.

Nur 73 Sekunden dauerte der zehnte und letzte Flug der "Challenger". Dann erschien am klaren Himmel dieses Wintertags ein gewaltiger Feuerball. Erst 40 Sekunden später bestätigte Nasa-Kommentator Steve Nesbitt, was wohl die meisten Zuschauer bereits begriffen hatten: "Wir sind von der technischen Leitung des Fluges informiert worden, dass das Gefährt explodiert ist."

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Raumfahrt-Unglück: Die Explosion der "Challenger"

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Der 28. Januar 1986 hat sich als Datum einer der großen nationalen Tragödien in das kollektive Gedächtnis der USA eingeprägt. Zugleich begann damals eine Krise der bemannten Raumfahrt, die sich am 1. Februar 2003 durch die Explosion der Raumfähre "Columbia" noch dramatisch verschärfte - und aus der die Nasa auch 20 Jahre danach keinen Ausweg gefunden hat.

Im Kennedy Space Center in Florida gedenken am heutigen Samstag die Nasa und die Hinterbliebenen in einer Zeremonie der sieben Opfer. Neben den sechs Astronauten kam damals auch die 37-jährige Englisch- und Geschichtslehrerin Christa McAuliffe ums Leben, die von der Raumfahrtbehörde ausgewählt worden war, als erste Nicht-Astronautin ins All zu fliegen.

In die Trauer um die "Challenger"-Opfer mischt sich aber auch die Sorge um die Zukunft des Space-Shuttle-Programms und der bemannten Raumfahrt. Denn wegen der massiven technischen Probleme der veralteten Flotte ist höchst ungewiss, ob die Raumfähren noch wie geplant bis 2010 fliegen können.

Kleine Ursachen, schwere Unfälle

Eine defekte Dichtung bei einer der Startraketen hatte das "Challenger"-Desaster  verursacht. Danach setzte die Nasa alle Shuttle-Flüge für zweieinhalb Jahre aus, während die Konstruktion der Raumfähren umfassend überarbeitet wurde.

Nach erneut jahrelangen routinemäßigen Pendelflügen zur Internationalen Raumstation ISS bestätigte sich dann auf tragische Weise die von Kritikern vorgebrachte Sorge, die Nasa habe nichts aus dem "Challenger"-Unglück gelernt. Die "Columbia" barst beim Landeanflug auseinander, alle sieben Crew-Mitglieder starben. Die Ursache war diesmal ein Stück Schaumstoffisolierung, das beim Start vom externen Treibstofftank abgeplatzt war und den Hitzeschutz der Fähre beschädigt hatte.

Auch nach dieser Katastrophe dauerte es wieder zweieinhalb Jahre, bis die Nasa sich traute, erneut ihre Shuttles auf die Reise zu senden. Doch trotz der abermaligen aufwendigen Umbauarbeiten wurde die Mission der "Discovery" im Sommer 2005 zur Zitterpartie. Wieder löste sich ein größerer Schaumstoffbrocken vom Außentank - und es war nichts als reines Glück, dass er diesmal am Shuttle vorbeiflog. Mit dem Leben der Crew sei "eine Art russisches Roulette" gespielt worden, befand der Raumfahrt-Historiker Alex Roland. Die Shuttle-Flüge wurden erneut gestoppt; frühestmöglicher nächster Starttermin ist der Mai.

Auslaufmodelle müssen weiterfliegen

Nun ist der Space Shuttle ohnehin ein Auslaufmodell. Als Konsequenz aus dem "Columbia"-Desaster verkürzte US-Präsident George W. Bush die Laufzeit des Programms um zehn Jahre. Nachfolger soll das auf der Technologie der Apollo-Mondflüge aufbauende "Crew Exploration Vehicle" (CEV) werden, das 2012 erstmals starten soll. Bis 2020 soll es Astronauten zum Mond bringen, später zum Mars.

Doch vorerst hat die Nasa weiter nur die Shuttles - und damit ein Riesenproblem: Denn die Fähren müssen noch 18 Flüge absolvieren, damit die Bauarbeiten an der ISS abgeschlossen werden können. Wegen der technischen Probleme ist höchst ungewiss, ob dies möglich sein wird.

Aber auch über Bushs ehrgeizigen Plänen für das CEV stehen dicke Fragezeichen. So setzen sie voraus, dass künftige Präsidenten die enormen Kosten des Projekts - derzeitige Schätzung der Nasa: 104 Milliarden Dollar - aufzubringen bereit sind. Nasa-Chef Michael Griffin aber will sich weder von dieser gigantischen Summe noch von den Tragödien der Vergangenheit entmutigen lassen. Er sieht Parallelen mit den Rückschlägen zu Beginn der Fliegerei. Die Verluste von Menschenleben zeigten "unsere Begrenzungen als menschliche Wesen, wenn wir eine neue Technologie zu erfinden suchen".

Daniel Jahn, AFP

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