Satellitenaufnahmen aus der Karibik Mini-Asteroid trifft Erdatmosphäre

Hoch über der Karibik ist ein kleiner Brocken aus dem Weltall verglüht. Forscher konnten das Spektakel auf Satellitenbildern verfolgen - Instrumente registrierten den Knall noch in 2000 Kilometer Entfernung.

Das Ende von 2019 MO hoch über der Karibik
RAMMB

Das Ende von 2019 MO hoch über der Karibik


Augenzeugen gab es nicht, als der Feuerball aus Osten kommend am Himmel über der Karibik erschien. Zumindest sind bisher keine bekannt. Und doch lässt sich aus mehreren Quellen rekonstruieren, was am vergangenen Samstag südlich von Puerto Rico passiert sein muss.

Mithilfe eines Teleskopsystems, eines Wettersatelliten und der Daten einer Überwachungsstation des internationalen Anti-Atomtest-Netzwerks haben Fachleute das Schicksal eines kleinen Asteroiden rekonstruiert, der auf Crashkurs mit der Erde war - und schließlich in ihrer Atmosphäre verglühte.

Das Schauspiel war vom Satelliten "GOES-16" aus zu sehen. Der wird gemeinsam betrieben von den US-Behörden für Wetter und Weltraum. Der "Geostationary Lightning Mapper" (GLM) auf dem Satelliten ist eigentlich dafür da, Blitze aus dem All zu erfassen. Nun gelang es ihm auch, das furiose Ende von 2019 MO zu fotografieren.

Knall über 2000 Kilometer nachweisbar

Im Dezember vergangenen Jahres war ein größerer kosmischer Brocken in der Erdatmosphäre hoch über der Beringstraße zerbrochen. Auch das war von Satelliten beobachtet worden, allerdings war das erst bei einer Datenauswertung im März bekannt geworden. Er soll eine Energie von 173 Kilotonnen TNT gehabt haben.

Bei der Abschätzung der Größe von 2019 MO halfen Astronomen Messungen des internationalen Anti-Atomtest-Netzwerks. Dessen Station auf den Bermuda-Inseln, also rund 2000 Kilometer nördlich des betroffenen Gebiets, konnte an dem Abend einen kräftigen Knall im Infraschallbereich aufzeichnen. Aus der Analyse dieser Daten berechneten Forscher die Sprengkraft des Asteroiden auf nur etwa fünf Kilotonnen TNT.

Ein Brocken dieser Größe trifft die Erde etwa einmal im Jahr. Und doch hat dieser Fall etwas Besonderes: Das Himmelsobjekt mit dem Namen 2019 MO war zuvor von einem Teleskop beim Anflug auf unseren Planeten beobachtet worden. Und das ist bisher nur äußerst selten gelungen.

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Asteroiden: Gefährliche Geisterfahrer

Auch dieses Mal kam die entsprechende Warnung des Atlas-Systems ("Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System") auf Hawaii nur mit wenigen Stunden Vorlauf. Aber immerhin: Zum Zeitpunkt der Beobachtung war der anfliegende Himmelskörper nach Angaben der Universität Hawaii noch rund 500.000 Kilometer von der Erde entfernt, also etwas außerhalb der Mondbahn.

Ein katastrophaler Einschlag droht - irgendwann

Wenn es sich um einen größeren Brocken gehandelt hätte, wäre es damit unter Umständen möglich gewesen, Menschen in der gefährdeten Region auf der Erde in Sicherheit zu bringen. Nötig war das diesmal nicht.

2019 MO, der Brocken war ursprünglich etwa so groß wie ein Auto, verglühte schließlich vollends in der Atmosphäre. Wenn aber größere Himmelskörper die Erde erreichen, drohen katastrophale Ereignisse. Eine Erinnerung daran sind die Ereignisse in der russischen Stadt Tscheljabinsk im Jahr 2013. Damals hatte ein Meteorit der Sprengkraft von 600 Kilotonnen TNT für Hunderte Verletzte gesorgt, vor allem durch zersplitternde Fensterscheiben.

Im Prinzip sind aber auch deutlich gefährlichere Einschläge mit globalen Folgen möglich. Bisher hat die Menschheit noch keine Abwehrverfahren gegen kosmische Geisterfahrer entwickelt und auch getestet. (Lesen Sie hier über ein internationales Planspiel zur Asteroidenabwehr in diesem Frühjahr.)

chs



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