25 Jahre Space Shuttle Vom All-Laster zur Altlast

Als am 12. April 1981 die "Columbia" ins All startete, galt das Konzept wieder verwendbarer Fähren als revolutionär. Heute sind die Raumschleudern das teuerste Problem der Nasa. Das technische Konzept gilt als überholt. Ein Rückblick auf 25 Jahre Space Shuttle.


"Eine strahlend weiße 'Columbia' donnerte mit großem Getöse in den dunkelblauen Himmel als erstes wieder verwendbares Space Shuttle" - mit diesen poetischen Worten würdigt die US-Raumfahrtbehörde Nasa den 25. Jahrestag des Jungfernfluges einer Raumfähre ins All.

Die damalige Begeisterung für die Raumfähren, die wie eine Rakete starteten, aber wie ein Flugzeug landeten, wirkt aus heutiger Sicht befremdlich. Keine Frage, das Konzept wieder verwendbarer Raumschiffe gehörte zu den größten technischen Herausforderungen der Raumfahrt nach den Mondflügen. Unter anderem musste ein Hitzeschutz entwickelt werden, der die Unterseite der Shuttles vor dem Verglühen bewahrt.

Doch die Vorteile, die man sich von den Raumfähren versprochen hatte, erwiesen sich als Wunschträume. Einsparungen gab es keine - im Gegenteil. Die geschätzten 59 Dollar Kosten pro Kilogram Fracht wurden nicht erreicht. Heutzutage lässt sich Nutzlast wie etwa Satelliten einfacher und billiger mit Kraftpaketen wie der "Ariane V", "Proton" oder der "Delta"-Trägerrakete ins All bringen.

Und wenn es um Verlässlichkeit bei Flügen von Menschen in den Weltraum geht, haben russische Raumschiffe eindeutig die Nase vorn. Shuttle-Flüge mussten immer wieder verschoben werden - auch weil die betagten Wiederverwertbaren nach über 20 Dienstjahren immer anfälliger geworden sind.

Riskante Konstruktion des Haupttanks

Beim Erstflug der "Columbia" 1981 umrundeten die beiden Astronauten John Young und Robert Crippen 36 Mal die Erde, bevor sie nach nur zwei Tagen wieder zurückkehrten. Unter großem Jubel von Tausenden von Schaulustigen landete zum ersten Mal ein Raumflugkörper wie ein Flugzeug.

Neun Jahre zuvor, im Januar 1972, hatte der damalige US-Präsident Richard Nixon die Entwicklung einer wieder verwendbaren Raumfähre angekündigt. Um die Fähre ins All hieven zu können, konstruierten die Ingenieure einen großen Zusatztank, der die drei Shuttle-Triebwerke mit flüssigem Wasserstoff und Sauerstoff beliefert. Hinzu kamen zwei Feststoffraketen.

Die seitlich angebrachten Raketen und der Zusatztank entpuppten sich jedoch als riskante Konstruktion. So platzte beim Start immer wieder Isolierschaum vom Haupttank ab und fiel herunter - teilweise auch auf den Shuttle. Säße die Raumfähre oberhalb von Tank und Raketen, gäbe es dieses Problem nicht.

Ein solches Stück Schaum löste 2003 sogar eine tödliche Katastrophe aus: Beim Start der "Columbia" am 16. Januar hatte ein Stück Schaumstoff ein Loch in den Hitzeschild am linken Flügel geschlagen. Im Landeanflug zerbrach der Shuttle - für die siebenköpfige Besatzung, darunter mit Ilan Ramon der erste israelische Astronaut, gab es nicht die Spur einer Überlebenschance.

Rettungskapsel hätte Astronauten retten können

Schon 1986 wurden sieben Astronauten in den Tod gerissen, als die Schwester-Fähre "Challenger" 73 Sekunden nach dem Start explodierte. Ausgelöst wurde der bis dahin folgenschwerste Unfall der bemannten Raumfahrt durch einen defekten Dichtungsring einer Feststoffrakete. Die Astronauten hätten das Unglück womöglich überleben können, wenn es eine Rettungskapsel gegeben hätte, die bei anderen Raumschiffen üblich ist.

Die tödlichen Katastrophen beschleunigten das Ende des gesamten Shuttle-Programms der Nasa. Die Kritik daran will seit Jahren nicht verstummen: zu alt, zu gefährlich, zu teuer, zu arbeitsintensiv, zu hohe Transportkosten. Zwölf Mal pro Jahr sollten die Raumfähren ursprünglich starten. Stattdessen stehen jetzt in einem Vierteljahrhundert nur 114 Flüge von fünf Fähren zu Buche.

Die Flotte verschlingt nach Nasa-Angaben rund ein Drittel des gesamten Jahresbudgets der Weltraumbehörde. 145 Milliarden Dollar hat das Shuttle-Programm bislang gekostet. Die drei verbliebenen Raumfähren "Discovery", "Atlantis" und "Endeavour" binden 25.000 Arbeitskräfte.

Um die Kosten zu dämpfen, will die Nasa die "Atlantis" bis zum Jahr 2008 nur noch fünf Mal starten lassen und dann stilllegen. Die beiden anderen Raumfähren kommen 2010 ins Museum. Zum Aufbau der Internationalen Raumstation ISS sind noch etwa 16 bis 17 Starts erforderlich. Zudem hoffen viele Forscher noch auf eine Reparaturmission für das Weltraumteleskop "Hubble", die bereits abgesagt worden war.

Ob all diese Flüge tatsächlich noch stattfinden werden, ist fraglich. Die Zitterpartie um den Flug der "Discovery" im vergangenen Sommer hatte deutlich gemacht, wie störanfällig die Fähren trotz jahrelanger Überarbeitung immer noch sind. Wieder hatte sich beim Start Schaum vom Haupttank gelöst - glücklicherweise den Hitzeschild aber nicht beschädigt, wie eine Inspektion im All ergab.

Vor einem Vierteljahrhundert als Hoffnungsträger - und für unbestimmte Zeit Raumvehikel der Wahl - gestartet, gerieten die verbliebenen Space Shuttles schon vor Jahren zum Sinnbild für die Krise der Nasa: Nicht bloß von fortwährenden Etat-Kürzungen geplagt, sondern auch ohne Leitmotiv. Michael Gorbatschow hat den noch jungen Space Shuttle einmal als einen Lastwagen bezeichnet, "der ziellos im Weltall herumfährt". 

Mittlerweile müsste es schon als Zielerfüllung gelten, wenn die letzten Shuttleflüge noch ausreichen würden, die Weltraumstation ISS fertigzustellen. 

Bei der Nasa denkt man längst an andere Herausforderungen. Präsident George W. Bush hatte der Behörde neue Visionen verordnet: Mit dem Nachfolgemodell des Space Shuttle, dem Crew Exploration Vehicle (CEV), will die Nasa in die Fußstapfen der "Apollo"-Pioniere treten - und noch weit darüber hinaus. Bemannte Flüge zum Mond sind für 2018 avisiert - danach soll es zum Roten Planeten gehen.

hda/dpa/AP



insgesamt 812 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Shalashaska, 07.07.2005
1.
---Zitat von sysop--- Oder sind die Nutzeffekte der Erforschung des Alls trotz schöner Bilder weiterhin zweifelhaft? ---Zitatende--- Die Erforschung des Alls. Ein ziemlich breitfächernder Begriff. Die Zielbreite der Forschungen sollte mehr eingeschränkt werden. Wieso z.B. werden keine Bilder von der Rückseite des Mondes veröffentlicht? Was nutzt uns ein "Deep Impact" auf einem Kometen? Nichts, reine Geldverschwendung. Eine bemannte Mission zu fernen Himmelskörpern wäre angebrachter und würde der Forschung auch von Nutzen sein. Wie bei dem Artikel von "von Brauns Raumschiff". Die Arbeiten wurden eingestellt weil ja Vietnam wichtiger war, da frag ich mich wo leben wir?
Hans-Joachim Grüßner, 07.07.2005
2.
---Zitat von Shalashaska--- Was nutzt uns ein "Deep Impact" auf einem Kometen? Nichts, reine Geldverschwendung. ---Zitatende--- Moin, erst nachdenken, dann schreiben. Die Deep Impact-Mission gibt uns erste Daten darüber, wie man es anfangen könnte, einen Kometen, der die Erde zu treffen droht (ist ja schon öfter passiert), von diesem Kurs abzubringen, zu bremsen, zu zerstören. Wenn so ein Teil die Erde mal getroffen hat, spielt Geld überhaupt keine Rolle mehr. Nie mehr. ---Zitat von Shalashaska--- Eine bemannte Mission zu fernen Himmelskörpern wäre angebrachter und würde der Forschung auch von Nutzen sein. ---Zitatende--- Aha. Und von welchem Nutzen ? Den nicht unbemannte Sonden auch erbringen könnten ? Wohl zuviel SF gelesen.... Da frag ich mich, wo leben Sie .. ;-) Gruß von der Ostsee Hanjo Grüßner
Sina Kleist, 07.07.2005
3.
---Zitat von Shalashaska--- Eine bemannte Mission zu fernen Himmelskörpern wäre angebrachter und würde der Forschung auch von Nutzen sein. Wie bei dem Artikel von "von Brauns Raumschiff". Die Arbeiten wurden eingestellt weil ja Vietnam wichtiger war, da frag ich mich wo leben wir? ---Zitatende--- hmmmm..... da draußen sind Sonden zum Teil seit Jahrzehnten unterwegs und liefern recht gescheite Daten. Warum sollte man Menschen auf One-Way-Missionen schicken, wenn es auch anders geht?
Daniel Klein, 07.07.2005
4. Nicht nach den Sternen gereifen ohne Ahnung
Sie sprechen von bemannten Missionen zu Planeten und über deren bessere Erforschung. Doch kennen wir nicht einmal das ganze Potenzial unseres Planeten und haben noch nicht einmal seine Erhaltung im Griff. Ich bin auch dafür das man die Erforschung des Weltraums nicht links liegen lässt. Doch Eile mit Weile. Eines der großen Probleme der Menschen, die jetzt schon von bemannten Flügen zum Mars oder gar anderen Planeten (was ganz und gar unmöglich ist) sprechen, ist: Das sie es vermeindlich schon gesehen haben. Bruce Willis Landet auf Kometen, Val Kilmer erichtet Basisstadionen auf dem Mars und Arni lebt auf dem selben. Wenn man solche Bilder,aus der beeindruckenden Trick- schmieden Holywoods, sieht beeindrucken keine Steine oder erstaufnahmen der Marsoberfläche mehr. Doch das sollten sie denn es ist einfach das beste was wir zum heutigen Stand der Technik erreichen können. Weiter mache weiter Forsche irgendwann ereichen wir den Mars. Doch zur Zeit, sich mit dem zufrieden geben was möglich ist.
5(077y 07.07.2005
5. ziemlich gewagt...
Moin zusammen... Also ich fand das experiment doch ein wenig gewagt; wer sagt denn das der Klotz die komplette kinetische energie, die bei dem Aufprall enstand absorbiert hat... was wäre, wenn sich herausstellt, das die sache doch mehr Einfluss auf die Flugbahn des Kometen hatte als ursprünglich berechnet?! Ok, das ist zwar im Anbetracht der Größenverhältnisse äußerst unwarscheinlich... aber wenn man hier ein kleinwenig mit der Chaostheotie herumfuchtelt, klingt die Sache doch schon ein bischen interessanter.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.