50 Jahre bemannte Raumfahrt Tanz den Gagarin!

Am 12. April 1961 flog Jurij Gagarin als erster Mensch ins All - das Datum markiert ein stolzes Jubiläum, 50 Jahre bemannte Raumfahrt. Die Wissenschaftsgemeinde begeht den Anlass mit über 400 Feten, Festivals und Partys rund um die Welt, 20 davon allein im deutschsprachigen Raum.

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Für Loretta Hidalgo war es eine höchst naheliegende Sache, den 12. April zu feiern: Es ist ihr Geburtstag. Vor zwölf Jahren verfiel die Astrobiologin auf die Idee, ihre Geburtstags-Sause zu einer Motto-Party zu machen, die Idee zur zwei Jahre später erstmals veranstalteten "Yuri's Night" war geboren. Denn bekannter ist der 12. April unter Space-Afficionados natürlich, weil an jenem Tag im Jahr 1961 der Russe Jurij Alexejewitsch Gagarin als erster Mensch ins All flog. 2001 nahm sie das 40. Jubiläum von Gagarins Flug (und zufällig auch das 20. Jubiläum des ersten Shuttle-Fluges) zum Anlass für ihre erste Yuri's Night - die Idee schlug ein.

Denn Hidalgo, inzwischen verheiratet mit George Whitesides, jahrelang hochrangig in Nasa-Diensten und heute Chef von Virgin Galactic, gelang es vom ersten Versuch an, Wissenschaft und Party zusammen zu bringen. Die meisten Jurij-Events kombinieren in ihrem Programm Dinge mit wissenschaftlichem Anspruch (Vorträge, Präsentationen, Podiumsdiskussionen) und mitunter wild gefeierten After-Show-Partys - eine Art Nacht der Museen trifft Trekie-Party. Das Hauptfest im letzten Jahr - denn die Gagarin-Nacht gibt es seit 2001 jedes Jahr - fand am Nasa Ames Research Center statt und zog 12.000 Space-Fans und Wissenschaftler an.

Verwunderlich war all das anfänglich vor allem für die Russen. Bereits seit 1962 feierten sie am 12. April den Tag der Kosmonauten - anfänglich natürlich ein propagandistisch reichlich aufgeladener Tag, so wie auch Gagarin selbst von der Sowjet-Propaganda geschickt gegen den Gegner im Kalten Krieg instrumentalisiert wurde. Doch trotz des damals unterkühlt-feindseligen Klimas zwischen Ost und West wurde Gagarin schon früh zu einer internationalen Pop-Ikone. Sein burschikos-offenes Lachen, seine Attraktivität, seine die ganze Menschheit zum sorgsamen Umgang mit der Erde mahnenden Äußerungen nach seinem historischen 108-Minuten-Flug, machten ihn zum Symphatieträger auch über den ehemaligen Ostblock hinaus.

Typisch: Erst Diskussion, dann Discothek

Inzwischen feiern auch russische Institutionen und Clubs mit im weltweiten Party-Netzwerk zur Yuri's Night - in diesem Jahr an 18 Veranstaltungsorten. Schon im letzten Jahr nahmen weltweit über 200 Veranstalter an der nicht kommerziellen, aber durchaus zur Eigen-PR genutzten Themenparty-Kette teil, doch dieses Jahr bricht wohl alle Rekorde: Aktuell (Stand 11. April) steht der Party-Zähler des Netzwerkes auf "440 Veranstaltungen in 70 Ländern und 2 Welten" - denn gefeiert wird dass Jubiläum nicht nur an zunächst unerwarteten Orten wie Afghanistan, Bangladesch, im Libanon oder auf den Malediven, sondern auch in Second Life.

Bereits zum zweiten Mal wird es dazu noch eine Live-Übertragung via Spacewebcasts geben, bei der teilnehmende Partys in einer weltweiten Konferenzschaltung miteinander verbunden werden. Die Party-Übertragungen werden ergänzt durch Interviews und Mitschnitten einzelner Vorträge.

Loretta Hidalgo-Whitesides selbst, die das einst von ihr erdachte Event mit Hilfe ihres Mannes und zweier angeheuerter Studenten koordiniert, wird im Griffith Observatory in Los Angeles feiern. Dort, sagte sie der "Los Angeles Times", werde es eher angemessen würdig zugehen, aber nachher ginge es dann ja noch in einen Club, um den großen Anlass nicht weniger angemessen wild zu feiern.

Ob und wie deutsche, schweizer und österreichische Veranstalter den Spagat zwischen Wissenschaft und Party schaffen, können Sie herausfinden. Hier geht es zu den

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