50 Jahre Nasa Leblose Helden der Wissenschaft

Russen und Amerikaner verehrten ihre ersten Raumfahrer als nationale Heroen. Doch die wahren Helden der Forschung waren aus Metall und Silizium: Unbemannten Sonden gelangen die größten wissenschaftlichen Triumphe.

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Einen Fuß auf den Mond zu setzen, ist das Eine. Tief im roten Marsstaub zu wühlen oder mit einem Weltraumteleskop in die Tiefen des Universums zu spähen das Andere. Seit Menschen ins All fliegen, kritisiert mancher Forscher die bemannte Raumfahrt als teures Prestigeobjekt, das nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse bringt. Wie Recht die Kritiker haben, zeigt die Geschichte der US-Weltraumbehörde Nasa: Wirklich spektakuläre Entdeckungen machten nicht etwa Astronauten, sondern unbemannte Späher.

Die Missionen, angefangen beim "Mariner"-Programm über "Viking" bis hin zu "Hubble", "Cassini-Huygens" und den Marsrovern "Spirit" und "Opportunity" zählen zu den größten Nasa-Erfolgen. Die beiden 1977 gestarteten "Voyager"-Sonden funken noch heute Daten zur Erde. Zuletzt meldete sich "Voyager 2" vom Rand des Sonnensystems, als sie den sogenannten Termination Shock erreichte, die Grenze zum interstellaren Raum.

Das Bild, das die Menschheit heute von den Planeten unseres Sonnensystem hat, gäbe es kaum ohne die Raumsonden. Dass der Saturn Ringe hat, wussten bereits die Astronomen des Mittelalters. Doch höher aufgelöste Fotos lieferten erst die Sonden "Pioneer 11" (1979), "Voyager" (1980/81) und "Cassini-Huygens" (ab 2004).

Die gemeinsam mit der Esa gestartete Mission "Cassini-Huygens" steht zugleich für die neue Ära der Planetenforschung: Sonden knipsen nicht einfach nur Bilder, sie landen auch auf fremden Himmelskörpern. Im Falle von "Cassini" war es die Huckepack transportierte Esa-Sonde "Huygens", die 2005 als erster Lander auf dem Mond eines anderen Planeten aufsetzte: auf dem Saturnmond Titan.

Besonders interessierten sich die Nasa-Forscher für den Mars. In mehreren Robotermissionen, durchgeführt vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa in Pasadena (Kalifornien), zeigten die Ingenieure, wozu Roboter fähig sind. Die beiden "Viking"-Sonden machten in den siebziger Jahren den Anfang, es folgten der "Mars Pathfinder" (1996) und die beiden Satelliten "Mars Pathfinder" (1999) und "Mars Reconnaissance Orbiter" (2006).

Die beiden Nasa-Rover "Spirit" und "Opportunity", die 2004 auf dem Roten Planeten landeten und bis heute arbeiten, bilden zweifellos den vorläufigen Höhepunkt der Marsforschung. Im Internet konnten Interessierte live mitverfolgen, wie die ersten Fotos der Rover bei den JPL-Forschern eingingen. Mit einem Bohrer traktierten die Roboter Marsgestein - stets auf der Suche nach Spuren von Leben. Fündig wurden sie dabei freilich bislang nicht. "Opportunity" lieferte stattdessen Belege für flüssiges Wasser, das einst auf dem Mars existierte.

Superaugen im Orbit

Der Sternenhimmel hat Menschen schon immer beeindruckt - doch ideale Sichtverhältnisse bietet erst eine Position außerhalb der störenden Erdatmosphäre. Zwar kann man ins Weltall nicht so große Teleskope schießen, wie auf der Erde stehen, doch trotzdem überwiegen die Vorteile. Es gibt auch keine Probleme bei Beobachtungen im Röntgen-, Gamma- und Infrarotbereich. Und so ist es kaum verwunderlich, dass die teils gemeinsam mit der Esa betriebenen Nasa-Superaugen im Orbit wichtige wissenschaftliche Daten am Fließband liefern.

Bei der Jagd nach Exoplaneten sind die Teleskope ebenso unverzichtbar wie bei der Erforschung der Anfänge des Universums, etwa beim Auffangen des Lichts der ersten Sterne überhaupt. Oft kombinieren Astrophysiker Aufnahmen aus dem All mit solchen von erdgebundenen Teleskopen.



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