Abdockmanöver gescheitert Astronauten müssen auf ISS verharren

Erstmals in der Geschichte der ISS ist die Rückkehr von Astronauten verschoben worden: Eigentlich hätte die russische "Sojus"-Kapsel mit drei Raumfahrern an Bord am Freitag auf der Erde landen sollen. Doch wegen einer technischen Panne misslang das Abkopplungsmanöver.

Internationale Raumstation ISS: Schwierigkeiten beim Abdockmanöver
dpa

Internationale Raumstation ISS: Schwierigkeiten beim Abdockmanöver


Moskau - Eine schwere Panne im All verzögert die Rückkehr einer bemannten "Sojus"-Kapsel: Im April hatte das russische Raumschiff drei Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS gebracht - am Freitag hätten Alexander Skworzow, Michail Kornijenko und Tracy Caldwell Dyson wieder auf der Erde landen sollen. Doch ein technisches Problem vereitelte das Abkopplungsmanöver der "Sojus"-Kapsel. Nach Angaben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos ist deshalb die Rückkehr auf Samstag verschoben worden.

Für die drei Besatzungsmitglieder bestehe keine Gefahr, sagte Roskosmos-Chef Anatoli Perminow. Die beiden russischen Kosmonauten und eine US-Astronautin wurden zurück aus dem Raumgleiter in die ISS beordert. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Internationalen Raumstation, dass eine russische "Sojus"-Kapsel nicht planmäßig von der ISS ablegen konnte.

Jetzt soll die Kapsel am Samstagmorgen im zweiten Anlauf von der ISS zur Erde zurückkehren. Die Landung sei für kurz nach 7.00 Uhr MESZ in Kasachstan geplant, teilte Roskosmos am Freitag mit. Die drei Raumfahrer hätten ursprünglich in der Nacht zum Freitag um 3.35 Uhr MESZ abkoppeln sollen.

Allerdings ließ sich der Verbindungshaken nicht lösen. Der an Bord der ISS verbliebene russische Kosmonaut Fjodor Jurtschichin entdeckte daraufhin ein etwa zwei Zentimeter langes Objekt unter dem Gehäuse der Automatik. Möglicherweise sei es ein Zahnrad, sagte Jurtschichin nach Angaben der Agentur Ria Nowosti.

Die Experten in der Flugleitzentrale nahe Moskau vermuteten, dass deswegen die Automatik das Abdocken nicht gestattete: Dem ISS-Bordcomputer war gemeldet worden, dass die Luke zwischen der Station und dem Raumschiff "Sojus TMA-18" nicht hermetisch geschlossen sei. Weitere Tests seien jetzt notwendig, sagte Roskosmos-Chef Anatoli Perminow. Es ist die zweite ISS-Panne innerhalb kurzer Zeit. Erst Anfang Juli war ein unbemannter Raumtransporter kilometerweit an der ISS vorbeigeflogen.

Die Landung der Russen Skworzow und Kornijenko sowie ihrer US-Kollegin Caldwell Dyson soll nun in einem Reservegebiet in der kasachischen Steppe stattfinden. Als Kommandant der 24. ISS-Stammbesatzung hatte Skworzow die Station am Donnerstag an seinen US-amerikanischen Nachfolger Douglas Wheelock übergeben.

Nach dem Ablegen von "Sojus TMA-18" setzen er, seine Landsmännin Shannon Walker und der Russe Jurtschichin als nunmehr 25. Stammbesatzung den Flug bis zum 10. Oktober allein fort. Dann soll eine neue "Sojus"-Kapsel die Russen Alexander Kaleri und Oleg Skripotschka sowie den US-Amerikaner Scott Kelly auf die Umlaufbahn bringen. Damit erreicht die Mannschaft wieder ihre Soll-Stärke von sechs Mitgliedern.

cib/dpa/dapd

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