Absturz eines Raumtransporters ISS-Astronauten müssen Heimkehr verschieben

Der Absturz eines russischen Raumschiffes hat Folgen für die internationale Raumstation: Ein Teil der Besatzung muss die Rückkehr zu Erde verschieben. Sie soll nun elf Tage später zurückkommen - doch sicher ist das nicht.

AP/ NASA

Moskau - Wegen des Absturzes eines Transportraumschiffes am vergangenen Mittwoch verschiebt sich die Rückkehr von drei Besatzungsmitgliedern der Internationalen Raumstation ISS zur Erde. Die Vorbereitungen seien ausgesetzt worden, teilte das Flugleitzentrum den Kosmonauten Alexander Samokutjajew und Andrej Borissenko sowie dem US-Astronauten Ronald Garan mit. Die drei Männer sollen nun erst am 19. September statt wie geplant am 8. September zur Erde zurückkehren - voraussichtlich, wie es heißt. Das meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf einen Mitarbeiter des Flugleitzentrums.

Auch der Start der nächsten ISS-Missionen verzögere sich entsprechend, hieß es. Am 22. September sollten drei Raumfahrer in einer Sojus-Kapsel zur ISS fliegen. Der Rest der aktuellen Besatzung - ein Russe, ein Amerikaner und ein Japaner - sollte dann im November heimkehren. Eine offizielle Entscheidung über diese Verschiebung werde schon bald bekanntgegeben, teilte das Flugleitzentrum der Crew mit.

Am Mittwochabend war ein unbemannter Transporter vom Typ Progress kurz nach dem Start vom Weltraumbahnhof Baikonur über dem Osten Russlands abgestürzt. Der Grund war eine Fehlzündung der Sojus-Trägerrakete. Noch immer sind die Trümmer des Raumfrachters nicht entdeckt worden. Suchtrupps des Zivilschutzministeriums überprüften weitere Gebiete im Altai-Gebirge in Südsibirien, wo das Schiff zerschellt ist.

Mehr als 100 Millionen Euro Schaden könnte der Absturz der "Sojus"-Rakete verursacht haben. Europas Raumfahrtchef Jean-Jacques Dordain verlangt kurzfristig Informationen von den Russen. Er habe dem Chef der Weltraumagentur Roskosmos, Wladimir Popowkin, einen Brief geschrieben, sagte Dordain im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Ich habe ihn gebeten, mir seine Einschätzung der Lage mitzuteilen." Er erwarte bis zum 8. September eine Antwort, so Dordain.

Schon einen Tag später soll nämlich am Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana die Betankung einer "Sojus"-Rakete beginnen. Sie soll Ende Oktober zwei Satelliten des europäischen Navigationssystems "Galileo" ins All bringen. Doch wird der Termin zu halten sein? Einstweilen halte man am geplanten Start fest, sagte der Esa-Chef. Nun seien aber die Russen bei der Fehlersuche gefragt.

boj/dpa

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vostei 29.08.2011
1. .
Erwähnenswert wäre evtl., dass Roskosmos den Star der Progress M-13M auf eben einer Sojus U als einen von zwei Testflügen der abgestürzten Sojus Raketenvariante auf 14. Oktober vorziehen will. Und die für Kourou vorgesehene Sojus mit Galileo ist die 2.1b-Variante bzw Fregat. Bei ihr wird die RD-0124 Oberstufe verwendet - also eine andere, als die RD-0110 der verunglückten Sojus U.
missoni 29.08.2011
2. Ariane
Ich frage mich, warum man diese Sateliten nicht mit der Ariane 5 befördern kann und statt dessen die sojus verwendet. Scheinbar kam hier wieder die Menataliät durch: Geiz ist Geil. Es wird Zeit, das die Europäer endlich als Europäer denken und handeln und erkennen das nur Europa gemeinsam die Probleme lösen kann. Europa darf sich nicht länger vom Ausland abhängig machen. So eine Politik machen die Chinesen und der Wirtschatliche Erfolg gibt dennen Recht.
vostei 29.08.2011
3. Naja
Zitat von missoniIch frage mich, warum man diese Sateliten nicht mit der Ariane 5 befördern kann und statt dessen die sojus verwendet. Scheinbar kam hier wieder die Menataliät durch: Geiz ist Geil. Es wird Zeit, das die Europäer endlich als Europäer denken und handeln und erkennen das nur Europa gemeinsam die Probleme lösen kann. Europa darf sich nicht länger vom Ausland abhängig machen. So eine Politik machen die Chinesen und der Wirtschatliche Erfolg gibt dennen Recht.
Was die ESA betrifft hat das weniger mit Geiz zu tun, sondern mit Kalkül. Dadurch, dass man in Kourou die Sojus ST, an der btw auch europäische Firmen mitwerkeln, für mittlere Traglasten, wie eben Galileox2 nimmt, bleibt bzw blieb genug Kohle zur Entwicklung der eigenen Vegarakete übrig - die wiederum ist für kleine Lasten gedacht und die Ariane 5 für große... Und btw: bei den bemannten raumfahrerischen Ambitionen der Chinesen steckt auch eine Sojus dahinter - die Raumschiffvariante.
probstheida 29.08.2011
4. ...
Zitat von missoniIch frage mich, warum man diese Sateliten nicht mit der Ariane 5 befördern kann und statt dessen die sojus verwendet. Scheinbar kam hier wieder die Menataliät durch: Geiz ist Geil. Es wird Zeit, das die Europäer endlich als Europäer denken und handeln und erkennen das nur Europa gemeinsam die Probleme lösen kann. Europa darf sich nicht länger vom Ausland abhängig machen. So eine Politik machen die Chinesen und der Wirtschatliche Erfolg gibt dennen Recht.
Nö. Mal abgesehen davon, daß die Sojus/Fregat eine zuverlässige und preiswerte Technik darstellt, ist die Ariane 5 einfach viel zu groß und teuer für diesen Zweck. Zumal die Nutzlast/Orbitalhöhe der Sojus in Äquatornähe noch deutlich größer ist als in Baikonur. Zudem verwendet auch das "Sealaunch"-Projekt mit der Zenit russische Technik. Und sogar die Amis entwickeln ihre neuesten Ares-Raketen auf der Basis russischer Raketentechnik. So schlecht scheint die also nicht zu sein...
gugugy 29.08.2011
5. Mal in Peru suchen...
Der angebliche Meteorit, der gut einen Tag nach dem Sojus-Absturz über Peru niederging, könnte, weil sich die Region im Bereich der Umlaufbahn befindet, der größere Teil des Frachters sein.
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