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27. Februar 2011, 17:42 Uhr

Amateurfotos von US-Raumfähre

Hobby-Astronauten filmen letzten "Discovery"-Flug

Diese Bilder aus 21 Kilometern Höhe sind wirklich spektakulär: Mit einem heliumgefüllten Ballon haben amerikanische Astronautenfans den letzten Start der Raumfähre "Discovery" fotografiert und gefilmt. Die Aktion erinnert an eine tragische Katastrophe.

Mit Lowtech bis zum Rand der Atmosphäre fliegen, das haben in den vergangenen Monaten gleich mehrere Teams geschafft. Mit Heliumballons transportierten sie Kameras, die hoch über der Erde eindrucksvolle Aufnahmen machten. Doch einer Gruppe in den USA ist nun ein ganz besonderer Schnappschuss gelungen. Er hat auch historischen Wert.

Die Rede ist von einem Foto, das die startende US-Raumfähre "Discovery" auf dem Weg zur Internationalen Raumstation (ISS) zeigt, wo sie mittlerweile festgemacht hat. Die Mission STS-133 ist das letzte Mal, dass die Raumfähre ins All fliegt. Wenn der Gleiter planmäßig gelandet ist, kommt er ins Museum.

Das Challenger Center for Space Science Education und die Organisation Quest for Stars hatten sich für die Ballonaktion zum letzten "Discovery"-Start zusammengetan. Beide wollen Kinder und Jugendliche für den Weltraum begeistern. Das Challenger Center in Alexandria (US-Bundesstaat Virginia) wurde nach der katastrophalen Explosion des Space Shuttles "Challenger" im Januar 1986 eingerichtet. Unter den sieben Opfern des Unglücks war auch eine Lehrerin. Sie sollte das US-Raumfahrtprogramm an den Schulen ihres Landes populärer machen. Die 37-jährige Christa McAuliffe bezahlte diesen Auftrag mit dem Leben.

Eine gute Stunde vor dem letzten Abheben der "Discovery" am Donnerstag schickten All-Enthusiasten auch als Erinnerung an McAuliffe ihren Ballon in den Himmel. Aus sicherer Entfernung hoch über Florida sollte "Robonaut 1" den Liftoff der "Discovery" verfolgen - mit Erfolg. In 21 Kilometern Höhe gelang ein Foto, auf dem die Raumfähre der rund 350 Kilometer hohen ISS entgegenstrebt. Es erinnert an eine Aufnahme, die der Esa-Astronaut Paolo Nespoli vor wenigen Tagen gemacht hat. Er konnte aus der Raumstation den Start des europäischen Raumtransporters "ATV Johannes Kepler" verfolgen.

Der Ballon hat bei seiner Jagd auf die "Discovery" Hunderte weitere Fotos gemacht. Die müssen nun gesichtet werden - auf den allermeisten dürfte wenig Aufregendes zu sehen sein. Eine weitere, bereits veröffentlichte Aufnahme zeigt aber, wie die Kondensstreifen der "Discovery" durch starke Winde zerrupft werden. Auch Videoaufnehmen gibt es. Diese bereite man aber noch auf, erklärten die Organisatoren.

Eine erste Sequenz ist jedoch bereits auf YouTube zu sehen und zeigt den Moment, in dem der Heliumballon platzt. Auf der Videoplattform gibt es auch eine Sequenz, in der ein Amateurfilmer den Start der Discovery aus einem Flugzeug aufgenommen hat.

"Robonaut 1" wollte freilich etwas höher hinaus. Der Name des fliegenden Paparazzo spielt mit dem Umstand, dass sich an Bord der Raumfähre ein "Robonaut 2" befindet. Der humanoide Roboter soll in Zukunft den Bewohnern der ISS zur Hand gehen. Der mit Hightech vollgestopfte Torso kann zum Beispiel Werkzeug halten, Handläufe abwischen, vielleicht auch Filter reinigen. Der Ballon war im Gegensatz zu seinem Namensvetter mit etwas weniger aufwendiger Hardware ausgestattet. An Bord hatte er Smartphones, eine GPS-Einheit und einen Fallschirm um seinen Sturz zurück auf die Erde zu bremsen.

chs

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