Satellitenbild der Woche Früher Krater, jetzt Wasserbecken

Der jüngste Ausbruch des indonesischen Vulkans Anak Krakatau verursachte einen Tsunami, Hunderte Menschen starben. Satellitenbilder zeigen nun das Ausmaß des Zusammenbruchs.

Anak Krakatau nach der Eruption
Planet Labs, Inc

Anak Krakatau nach der Eruption


Wo einst ein Krater fast 340 Meter hoch aufragte, klafft nun ein Loch, das mit Wasser vollgelaufen ist und eine Bucht bildet: Satellitenbilder des indonesischen Vulkans Anak Krakatau dokumentieren das gewaltige Ausmaß der jüngsten Eruption, die kurz vor Weihnachten einen Tsunami verursachte und einen Großteil des Kraters sprengte. Die Flutwelle traf die Menschen in der Region völlig unvorbereitet. Mindestens 430 Menschen kamen ums Leben.

Laut indonesischen Behörden hat der Vulkan zwei Drittel seiner ursprünglichen Masse eingebüßt, auch der Krater ist deutlich geschrumpft. Vor der Eruption ragte er gut 338 Meter aus dem Meer, nun sind es nur noch 110 Meter, berichtet das Indonesische Zentrum für Vulkanologie. Unter Wasser kommen noch etwa 700 Meter Höhe hinzu, darunter liegt der Meeresboden. Etwa 110 Millionen Kubikmeter Erdmasse waren infolge des Ausbruchs ins Meer gerutscht und hatten den verheerenden Tsunami ausgelöst.

Vulkan Anak Krakatau vor und nach der jüngsten Eruption

Schlechte Wetterbedingungen hatten lange den Blick auf den Vulkankegel versperrt. Ein Fotosatellit der Firma Planet Labs erwischte jedoch ein Loch in der ansonsten dichten Wolkendecke und schoss ein Bild des Vulkankraters. Ein Vergleich mit vorherigen Satellitenbildern zeigt, wie sehr der Vulkan geschrumpft ist. Das Bild, das den Krater vor dem verheerenden Ausbruch zeigt, wurde am 17. Dezember aufgenommen. Bereits damals qualmte es aus dem Schlot.

Die aktuelle Aufnahme stammt von einem Minisatelliten des Start-ups Planet Labs aus den USA, das inzwischen eines der größten Satellitennetzwerke weltweit betreibt. Die Satelliten wiegen etwa fünf Kilogramm und sind auf eine eher kurze Lebensdauer ausgelegt. Nach wenigen Jahren trudeln sie Richtung Erde und verglühen dabei. Mehr dazu lesen Sie hier.

Fotostrecke

31  Bilder
Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Der Vulkan Anak Krakatau liegt in der Sundastraße, gut 80 Kilometer westlich der Hauptstadt Jakarta und ist seit Jahren aktiv. Teilweise bebt er mehrere Tausend Mal pro Tag. In den Monaten vor dem Ausbruch war er erheblich gewachsen, weil kleinere Ausbrüche Millionen Kubikmeter Gestein an die Oberfläche geschleudert hatten.

Mittlerweile ist der Vulkan weniger aktiv, aber Behörden warnen vor weiteren Ausbrüchen. Außerdem drohen noch immer Teile des Hangs abzurutschen.

Der Anak Krakatau steht an derselben Stelle wie der Krakatau, der bei einem ungeheuren Ausbruch im August 1883 explodierte und nahezu vollständig zerstört wurde. Der Ausbruch gilt als der zweitgrößte der Neuzeit und beeinflusste sogar das Weltklima. Über Monate sanken weltweit die Temperaturen - um etwa ein halbes Grad Celsius im Vergleich zum langjährigen Mittel. Es folgte in mehreren Regionen ein kühler, verregneter Sommer, der zu erheblichen Ernteausfällen führte - auch in Europa.

Anak Krakatau Anfang Januar
Planet Labs, Inc

Anak Krakatau Anfang Januar

Die damalige Eruption löste ebenfalls einen Tsunami aus, mehr als 36.000 Menschen kamen ums Leben. Die Flutwelle war noch in Europa zu spüren. Die Aschewolken sollen bis zu 24 Kilometer in den Himmel gestiegen sein. Die Detonation war mindestens 10.000-mal so stark wie die der Hiroshima-Atombombe.

Gut 40 Jahre nach dem Ausbruch stießen erneut Dampfsäulen und Trümmer aus der eingestürzten Caldera. Innerhalb weniger Wochen bildete sich der Rand eines neuen Kraters, der sich innerhalb eines Jahres zu einer kleinen Insel entwickelte. Deshalb wird der Vulkan Anak Krakatau genannt - das "Kind des Krakatau".

Indonesien liegt in einer der geologisch aktivsten Zonen der Erde. Der Archipel aus gut 17.500 Inseln bildet den westlichen Ausläufer eines Vulkangürtels, der sich über 40.000 Kilometer hufeisenförmig um den Pazifik zieht und auch als "Pazifischer Feuerring" bekannt ist.

Dort stoßen tektonische Platten aufeinander, was gewaltige geophysikalische Kräfte freisetzt. Dadurch kommt es in Indonesien besonders häufig zu Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Erdrutschen. In Indonesien gibt es etwa 130 aktive Vulkane, so viele wie in keinem anderen Land der Welt.

koe

insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mustermann2 07.01.2019
1. 2 cm Flutwelle
"Die Flutwelle war noch in Europa zu spüren." Laut Wikibedia: "An Pegeln im Golf von Biskaya, 17.000 Kilometer von ihrem Ursprung entfernt, und entlang des Ärmelkanals wurde sie als Ausschlag von 2 cm aufgezeichnet." Viel dramatischer waren die Weltweiten Klimatische folgen. Von den Folgen vor Ort ganz zu schweigen. https://de.wikipedia.org/wiki/Krakatau#Auswirkungen_weltweit
old_school 07.01.2019
2. Faktencheck?
Im Artikel heißt es, der Vulkan befinde sich gut 80 km westlich von Jakarta. Das dem Artikel beigefügte Satellitenbild mit eingeblendetem Maßstab offenbart auf den ersten Blick, dass es ca. 150 km sind. Dies lässt sich also sogar ohne Geographiekenntnisse nachprüfen.
jujo 07.01.2019
3. ....
Zitat von old_schoolIm Artikel heißt es, der Vulkan befinde sich gut 80 km westlich von Jakarta. Das dem Artikel beigefügte Satellitenbild mit eingeblendetem Maßstab offenbart auf den ersten Blick, dass es ca. 150 km sind. Dies lässt sich also sogar ohne Geographiekenntnisse nachprüfen.
Korrekt, 80Km westlich der Küste kommt schon eher hin.
permissiveactionlink 07.01.2019
4. Im August 1883
war die Explosion des Krakatau mehrere Tausend km (!) weit im Umkreis des Epizentrums zu hören. Noch unglaublicher aber ist die Tatsache, dass nach ca. 16h und 13min eine massive Luftdruckschwankung in Bogota/Kolumbien auf den Barometern messbar war. Der Grund : Die Stoßwelle der Explosion verbreitete sich vom Explosionsort aus gleichmäßig mit Schallgeschwindigkeit (343ms^-1) in alle Himmelsrichtungen, lief aber natürlich dann nach etwa 20.037km wieder zusammen, und erzeugte dort eine kurze, messbare und starke Luftdruckerhöhung. Bogata befindet sich bezogen auf die Position des Krakatau in der Sundastraße ziemlich genau am Antipodenpunkt, fast genau auf der anderen Seite der Erde, also dann ungefähr irgendwo bei 6°6' N und 74°34"W.
thomas_rettenmund 07.01.2019
5. Damit ist ersichtlich wie klein...
wir Menschen eigentlich sind und was für gewaltige Energien die Natur ins Spiel bringen kann. Nicht mal die atomaren Explosionen haben derartige Landschaftsveränderungen bewirkt. Es sollte eine Warnung für die Menschheit sein und auch die Relation unserer "Wichtigkeit" aufzeigen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.