"Angara" Neue russische Rakete erfolgreich getestet

Sie ist das Herzstück der Pläne, die russische Raumfahrt unabhängig zu machen: Die Trägerrakete "Angara" soll Satelliten von Russland aus ins All bringen. Der erste Flug scheint geglückt - auch wenn er gar nicht in die Erdumlaufbahn führte.

"Angara" vor dem Start im russischen Plesetsk: Erfolgreicher Test
DPA

"Angara" vor dem Start im russischen Plesetsk: Erfolgreicher Test


Nach mehrfacher Verschiebung hat die neue russische Trägerrakete "Angara" am Mittwoch zu einem Testflug abgehoben. Der Start sei um 14:00 Uhr deutscher Zeit auf dem nördlichen Militärraumfahrtzentrum Plesezk erfolgt, zitierten russische Nachrichtenagenturen das Verteidigungsministerium.

Nach dem Start flog die Rakete rund 20 Minuten lang und landete auf der Pazifik-Halbinsel Kamtschatka. Das heißt, der Flug erfolgte auf einer sogenannten suborbitalen Bahn, die Erdumlaufbahn wurde nicht erreicht. Die Rakete sei in der vorgegebenen Bahn über Russland geflogen, so die russischen Behörden.

Zuletzt war Ende Juni der Start wegen technischer Probleme abgesagt worden. Die neue Rakete, an der mehr als zwei Jahrzehnte gearbeitet wurde, ist das Herzstück der Pläne von Präsident Wladimir Putin, in der Raumfahrt von ehemaligen Sowjetstaaten, vor allem Kasaschstan, unabhängig zu werden und Satelliten künftig von russischem Gebiet ins All zu bringen. Bisher hat das Land für seine Starts den kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur gepachtet.

"Angara" soll die veraltete russische "Proton"-Rakete ersetzen, die zuletzt zahlreiche Pannen hatte. Sie könnte den Raumfahrtunternehmen Arianespace in Frankreich und SpaceX in den USA Konkurrenz machen. Allerdings dürfte das Branchenkennern zufolge weitere Jahre dauern. Die Entwicklung der "Angara" habe bereits Milliarden Dollar gekostet, und für einen kommerziellen Erfolg müsse sie künftig vom neuen Raumfahrtzentrum im Osten aus starten, an dem Russland derzeit baut.

Pannen der russischen Raumfahrt
Russlands Raumfahrtbehörde Roskosmos hat am Dienstag eine Rakete mit drei Satelliten verloren. Moskauer Raumfahrtexperten sind derzeit mit einer Serie von Pannen konfrontiert.
Februar 2013
Nur 20 Sekunden nach dem Start von einer schwimmenden Plattform im Pazifik stürzt eine Rakete mit einem Kommunikationssatelliten ins Meer. Experten vermuten, dass die russischen Antriebssysteme versagten.
August 2012
Durch einen Fehler bei der dritten Stufe der russischen Proton-Trägerrakete geraten ein russischer und ein indonesischer Satellit in eine falsche Umlaufbahn. Roskosmos kostet der Fehlstart rund 150 Millionen Euro.
Januar 2012
Die 120 Millionen Euro teure Marsmondsonde "Phobos Grunt" stürzt unkontrolliert in den Pazifik. Eine Mischung aus menschlichem Versagen und technischen Fehlern soll die Ursache gewesen sein.
Januar 2012
Wegen einer undichten Landekapsel und einem Kurzschluss nach einem Kabelbruch verschiebt Russland zwei bemannte Weltraumflüge und den Start einer Trägerrakete mit einem Satelliten. Durch die Pannen müssen drei der sechs Crew-Mitglieder der Internationalen Raumstation ISS einen Monat länger als geplant im All bleiben.
Dezember 2011
Wegen einer fehlerhaften Zündung der dritten Stufe einer Sojus-Rakete verliert Russland einen militärischen Kommunikationssatelliten. Der "Meridian"-Satellit stürzt in Sibirien ab. Der Schaden wurde auf rund 50 Millionen Euro geschätzt.
August 2011
Ein unbemannter Versorgungstransporter mit 2,6 Tonnen Nachschub für die ISS stürzt ab. Kurz nach dem Start des Raumschiffs vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan traten Probleme mit der Zündung der dritten Stufe der Sojus-Trägerrakete auf. Erst wenige Tage zuvor war kurz nach dem Start von Baikonur der Kontakt zu einem Nachrichtensatelliten abgerissen. Der "Express AM-4"-Satellit stürzt im März 2012 in den Pazifik.
Dezember 2010
Wegen des Fehlstarts einer Proton-Rakete in Baikonur verliert Russland auf einmal drei Satelliten für sein geplantes Navigationssystem Glonass. Der Schaden wird auf mehrere 100 Millionen Euro geschätzt. Die Satelliten fallen in den Pazifik.

Quelle: dpa

boj/Reuters

insgesamt 8 Beiträge
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korn3105 10.07.2014
1. Konkurrenz zu Ariane ?
Das ist doch ein Witz. Angara wird eine Nutzlast von bis zu 40 Tonnen haben. Ariane hingegen nur 20 ! Das ist keine Konkurrenz, das ist so etwas wie Spiel DE gegen Brasilien. Also bitte berichtet objektiv. Ariane ist ein altes Eisen und wird nur noch modernisiert. Angara hingegen ist ein völlig neues entwickeltes System und wird Arbeitspferd der russischen Raumfahrt wenn nicht der ganzen Welt sogar.
truthonly 10.07.2014
2. Kein Witz
Zitat von korn3105Das ist doch ein Witz. Angara wird eine Nutzlast von bis zu 40 Tonnen haben. Ariane hingegen nur 20 ! Das ist keine Konkurrenz, das ist so etwas wie Spiel DE gegen Brasilien. Also bitte berichtet objektiv. Ariane ist ein altes Eisen und wird nur noch modernisiert. Angara hingegen ist ein völlig neues entwickeltes System und wird Arbeitspferd der russischen Raumfahrt wenn nicht der ganzen Welt sogar.
Es kann hier schon von Konkurrenz gesprochen werden da die maximale Nutzlast nicht das Maß aller Dinge darstellt. Das Angara System arbeitet dann wirtschaftlich erfolgreich wenn die gesammte Nutzlast von 40T ausgenutzt wird was voraussetzt das alle Kunden zu einem definiertem Zeitpunkt quasi ihre Satelliten "fertig" haben müssen und in diesem Zusammenhang ist die Ariane aufgrund der geringeren Nutzlast flexibler. Ein wichtiger Grund für die Entwicklung der Angara ist jedoch die in der Planung befindliche russisch Raumstation für die Russland ein Trägersystem benötigt um die Module in den Orbit zu bringen.
damtschweli 10.07.2014
3.
Zitat von sysopDPASie ist das Herzstück der Pläne, die russische Raumfahrt unabhängig zu machen: Die Trägerrakete "Angara" soll Satelliten von Russland aus ins All bringen. Der erste Flug scheint geglückt - auch wenn er gar nicht in die Erdumlaufbahn führte. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/angara-neue-russische-rakete-erfolgreich-getestet-a-980063.html
Russland zeigt der Welt, daß es immer noch die führende Raumfahrtnation ist. Und SPON findet das Haar in der Suppe: Bis das neue Kosmodrom Wostotschnyj in Betrieb geht, dauert es noch ein paar Jährchen. Naja, da sag ich nur: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Wperjod, towarischtschi!
mail-sms 12.07.2014
4. Das 40 Tonnen Modell soll erstmal kommen
Zitat von korn3105Das ist doch ein Witz. Angara wird eine Nutzlast von bis zu 40 Tonnen haben. Ariane hingegen nur 20 ! Das ist keine Konkurrenz, das ist so etwas wie Spiel DE gegen Brasilien. Also bitte berichtet objektiv. Ariane ist ein altes Eisen und wird nur noch modernisiert. Angara hingegen ist ein völlig neues entwickeltes System und wird Arbeitspferd der russischen Raumfahrt wenn nicht der ganzen Welt sogar.
Bisher ist nur ein Prototyp der leichtesten Version die gerade mal 2 Tonnen Nutzlast befördern soll geflogen. Ob die 40 Tonnen Version jemals gebaut wird steht noch in den Sternen, wenn sie nicht schon gestrichen wurde. Die 15 Tonnen Variante wird bereits 3 Booster haben, die 20 Tonnen Variante die mit Ariane 5 konkurrieren soll wird sogar 5 (fünf!) Booster haben, da werden die Kosten explodieren, und dabei wird die GTO Kapazität gerade mal bei 5 Tonnen liegen, das kann Falcon 9 schon jetzt mit nur einem Booster(4,8 Tonnen GTO-Kapazität). Ariane dagegen kann 10 Tonnen in den GTO transportieren. Angara ist überhaupt nicht neu, in den 20 Jahren der Entwicklungszeit ist sie bereits veraltet. Sie mit Ariane zu vergleichen ist genau-so als würdest du die S-Klasse mit Lada Kalina vergleichen.
Banause_1971 16.07.2014
5. Da veräppelt der Westen immer die russische Technik,..
und die Russen zeigen dem Westen noch, wo es langgeht. Auch die russische Flugabwehr ist vom Feinsten. Allerdings darf der Westen das nicht laut sagen, sonst könnte man beunruhigt sein.
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