Satellitenbild der Woche Grusel-Riss im Eis

Schon bald könnte ein gigantischer Eisberg von der Größe Londons im Südpolarmeer treiben. Verantwortlich dafür ist der Halloween-Riss.

Weddellmeer mit Brunt-Schelfeis
ESA

Weddellmeer mit Brunt-Schelfeis


Es gibt einen guten Grund, die Antarktis gerade jetzt zu feiern: Vor ziemlich genau 60 Jahren, mitten im Kalten Krieg, beschlossen die USA und die Sowjetunion sowie zehn weitere Staaten, die größte Eiswüste der Erde unter besonderen Schutz zu stellen.

Der Antarktis-Vertrag wurde am 1. Dezember 1959 unterzeichnet. Er gilt als das erste internationale Umweltschutzabkommen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Vertragsstaaten einigten sich auf die friedliche Nutzung der Region, ein Verbot militärischer Aktivitäten dort und freie internationale Forschungszusammenarbeit.

Die Erforschung der Eiswüste lässt Wissenschaftler immer wieder Zeuge von erstaunlichen Naturschauspielen werden. Demnächst könnte ein weiteres dazukommen: Im Osten der Antarktis dürfte bald ein gigantischer, neuer Eisberg im Meer treiben. Nach derzeitigen Schätzungen entspricht seine Fläche in etwa dem Großraum Londons.

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Copernicus Sentinel data (2016-19)/ESA

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Schon einige Jahre arbeiten sich am Brunt-Schelfeis im Nordosten der Antarktis zwei Risse durch das Eis. Ihr Voranschreiten von September 2016 bis Mitte Oktober 2019 dokumentiert die Animation oben. Der sich nach Norden ziehende Riss ist als Chasm 1 bekannt, der von Ost nach West als Halloween Crack.

Chasm 1 bereitete den Forschern lange keine Sorgen, der Spalt wird seit einigen Dekaden beobachtet. Doch 2012 dehnte er sich plötzlich Richtung Norden aus. Und es kam noch schlimmer: Am 31. Oktober 2016 entdeckten Wissenschaftler einen weiteren Riss. Er wurde passend zum Datum Halloween Crack getauft.

Der Spalt zog sich von den sogenannten McDonald Ice Rumples Richtung Osten. Dort liegt das Eis faltig übereinander. Eine Gesteinsformation unter Wasser ragt hoch bis an die Unterseite des Schelfeises. Sie stört den Eisfluss und verursacht Falten und Risse.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Wenn sich Chasm 1 und der Halloween Crack treffen, wird ein gigantischer Eiskoloss im Weddellmeer treiben. Lange kann das nicht mehr dauern, die beiden Spalte liegen nur noch wenige Kilometer auseinander. Doch wann genau es so weit sein wird, wagen die Forscher der Esa, die die Animation zur Verfügung gestellt haben, nicht vorherzusagen. Etliche Faktoren wie die Eisdynamik, Luft- und Wassertemperaturen haben auf solche Prozesse einen Einfluss.

Dass sich Eisberge vom auf dem Meer schwimmenden Schelfeis lösen, gehört zu den natürlichen Vorgängen in der Antarktis. Forscher sprechen vom sogenannten Kalben. Doch in den vergangenen Jahren veränderte sich die Kante am Brunt-Schelfeis schneller als zuvor.

Die Antarktis-Forscher versuchen zu verstehen, was dahintersteckt. Dabei helfen ihnen auch Satelliten. Die für die Animation verwendeten Daten stammen aus dem Radarmessgerät der Sentinel-Erdbeobachtungsatelliten. Das Gerät kann durch Wolken und Regen die Erdoberfläche vermessen.

joe

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