"Apollo 11" Erste bemannte Mondlandung enttäuschte Chefwissenschaftler

Als Neil Armstrong seinen Fuß auf den Mond setzte, erfüllte sich ein Menschheitstraum. Doch für den Chefwissenschaftler der Mission war das Erlebnis ernüchternd.

US-Astronaut Neil Armstrong fotografiert Mondfähre "Eagle"
NASA/ DPA

US-Astronaut Neil Armstrong fotografiert Mondfähre "Eagle"


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Während die Welt im Juli 1969 die erste bemannte Mondlandung feierte, war Eugene Shoemaker maßlos enttäuscht. Shoemaker war Chefwissenschaftler der "Apollo"-Mission, die Neil Armstrong und Buzz Aldrin zum Mond gebracht hatte. Doch wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Projekt zu ziehen, war für die Nasa nur drittrangig und der Unmut bei Shoemaker entsprechend groß.

"Dieselbe Arbeit hätte mit einem unbemannten System drei oder vier Jahre früher und mit einem Fünftel der Kosten erreicht werden können", sagte er. Die Mission habe keine Freiräume für wissenschaftliche Untersuchungen gelassen, jede Minute sei vorherbestimmt gewesen. So betreibe man keine Wissenschaft.

Tatsächlich war das staatlich angeordnete Hauptziel der Nasa, als erste Nation einen Menschen zum Mond zu bringen. Zudem wollten die USA herausfinden, wie sich der Weltraum möglicherweise in Zukunft nutzen ließe und sich dort eine Vormachtstellung sichern. Erst dann nannte die Nasa die Wissenschaft als Ziel.

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Spuren der Mondmissionen: So sehen die "Apollo"-Landestellen aus

Shoemakers Frust könnte auch damit zu tun gehabt haben, dass er als studierter Geologe eigentlich vorgehabt hatte, selbst zum Mond zu fliegen. Er wollte der am besten auf den Mondflug vorbereitete Mensch der Welt sein, erzählte seine Frau Carolyn später. Doch 1963 wurde bei ihm ein Hormonmangel diagnostiziert und sein Astronautentraum platzte. Stattdessen machte ihn die Nasa zum Chefwissenschaftler der "Apollo"-Mission.

Immerhin: Die weiteren fünf bemannten Mondflüge wurden wissenschaftlicher. Ab "Apollo 15" gab es beispielsweise ein Mondauto, das den Aktionsradius der Astronauten auf über zehn Kilometer Entfernung zur Raumkapsel erweiterte. Der zwölfte und bislang letzte Mensch, der den Mond betrat, war mit Harrison Schmitt erstmals ein Wissenschaftler, ein Geologe.

Astronauten brachten 382 Kilo Gestein vom Mond zur Erde

Rückblickend schätzen so auch längst nicht alle die wissenschaftlichen Erfolge der bemannten Mondraumfahrt so pessimistisch ein wie Shoemaker. "Technologisch war das eine gewaltige Leistung, dass man überhaupt mit Menschen hinfliegen konnte und es auch gemacht hat", sagt Mondforscher Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

So haben die "Apollo"-Landungen grundlegende Erkenntnisse über das Sonnensystem und den Mond gebracht:

  • Ein Vergleich der Isotope in Mond- und Erdgestein belegte eine wichtige Theorie zur Entstehung des Mondes: Demnach hat ein etwa marsgroßer Körper vor rund drei 4,5 Milliarden Jahren die Erde gestreift und dabei Material herausgeschleudert, das den Mond bildete. Allerdings stimmen nicht alle Isotope überein. Warum das so ist, ist noch umstritten.
  • Die Oberfläche des Mondes enthält vier Milliarden Jahre altes Gestein und verrät, wie sich junge Planeten im Sonnensystem entwickelt haben, auch wenn der Mond selbst kein Planet ist. "Zuerst ist viel Material aufeinander gestürzt. Dann ist es heiß geworden. Dann hat sich ein Magmaozean gebildet, der dann langsam abgekühlt ist. Dann hat sich die erste Kruste gebildet", fast Jaumann zusammen.
  • Mit den zurückgebrachten Steinen konnten Forscher auch das Alter einzelner Mondregionen bestimmen. Außerdem ermittelten sie die Zahl der Einschlagkrater von Meteoriten. Je älter eine Fläche ist, desto mehr Einschlagkrater hat sie. Über die Krater und das Alter der Proben haben Forscher einen Maßstab entwickelt, mit dem sich das Alter einzelner Regionen auf dem Mond bestimmen lässt. Dieser lässt sich auch auf andere Himmelskörper wie den Mars übertragen.
  • Der bemannte Mondflug lieferte zudem Erkenntnisse über den Menschen: Er kann im Raumanzug ohne Schwierigkeiten auf dem Mond herumgehen. Die verminderte Schwerkraft macht ihm zumindest kurzzeitig nichts aus. Neil Armstrong soll gesagt haben, der Mond sei sogar ein sehr angenehmer Platz zum Arbeiten. Um einiges besser als die Antarktis, wo die Astronauten trainiert hatten: "Es gibt keine Stürme, keinen Schnee, keine starken Winde und kein unvorhersehbares Wetter."

Es sei zur Zeit der Mondlandungen schlicht nicht möglich gewesen, Mondgestein mit unbemannten Sonden vom Mond zur Erde zu bringen, wie es die Sowjetunion später getan habe, erklärt Jaumann. Die Astronauten hätten insgesamt 382 Kilo des Materials eingesammelt, das unbemannte Sowjet-Projekt brachte nur etwa 300 Gramm Mondgestein zur Erde.

Bis heute ist es nur beschränkt möglich, Material auf fernen Planeten einzusammeln. Meist lägen die Mengen im Grammbereich, so Jaumann. Beim Mars denke man über ein Kilogramm nach. "Die Proben sind schwierig zu finden. Geologisch trainierte Raumfahrer können das Material ganz anders aussuchen und bewerten als Sonden."

In fünf Jahren soll wieder ein Mensch den Mond betreten

Die USA wollen innerhalb der kommenden fünf Jahre wieder Astronauten zum Mond schicken. Dort solle dann ein Außenposten aufgebaut werden, als Basis für eine geplante Mars-Mission, sagte Vizepräsident Mike Pence Ende März.

Der Chef der Europäischen Weltraumorganisation (Esa), Jan Wörner, sorgte mit dem Konzept des "Moon Village" (Mond-Dorf) vor einiger Zeit für Aufsehen. Dabei geht es um eine Mond-Basis nach dem Vorbild der Internationalen Raumstation ISS. Von der Idee, die Menschheit auf den Mond umzusiedeln, hält er aber nichts. "Die Erde ist viel zu schön, als dass wir in einer Blechbüchse auf einem Planeten oder auf einem Mond leben sollten."

Einen Mini-Friedhof gibt es auf dem Mond aber schon. Die Nasa erwies Shoemaker nach seinem Tod am 18. Juli 1997 eine besondere Ehre: Eine Raumsonde nahm sieben Gramm seiner Asche mit auf ihre Forschungsreise zum Mond und schlug wie geplant 1999 auf dem Erdtrabanten auf. So wurde er der erste Mensch, der auf dem Mond begraben ist.


Zusammengefasst: Eugene Shoemaker, der Chefwissenschaftler der "Apollo"-Mission, ärgerte sich 1969, dass bei der ersten bemannten Mondlandung vor allem politische Ziele im Vordergrund standen. Wissenschaftlich hätte man mehr aus der Mission herausholen können, monierte der Geologe. Allerdings stand die Wissenschaft bei den nachfolgenden Besuchen auf dem Erdtrabant stärker im Vordergrund und lieferte grundlegende Erkenntnisse über den Mond und das Sonnensystem.

koe/dpa



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