»Vega« Europäische Rakete stürzte wegen falsch angeschlossener Kabel ab

Schon zum zweiten Mal ist eine Raumfahrtmission mit einer europäischen »Vega«-Rakete gescheitert. Der Betreiber beteuert, es liege kein Designfehler vor, und spricht von einer »Reihe menschlicher Fehler«.
»Vega«-Rakete: Sturz in den Atlantik

»Vega«-Rakete: Sturz in den Atlantik

Foto: arianespace / YouTube

Die ersten acht Minuten schienen noch nach Plan zu verlaufen. Dann kam die am Dienstagmorgen (Ortszeit) vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana gestartete »Vega«-Rakete vom Kurs ab. Betreiber Arianespace sprach später von einer »Anomalie« in der Flugbahn, der zum Verlust der Mission führte.

Es ist der zweite Fehlstart: Im Sommer 2019 zerbrach eine »Vega«-Rakete kurz nach dem Start in zwei Teile. Wahrscheinlicher Grund war ein Defekt im Triebwerk in der zweiten Raketenstufe. Es war der erste Fehlstart einer »Vega« überhaupt. Ein zweiter Absturz in so kurzer Zeit wirft die Frage auf, ob womöglich etwas mit der Konstruktion der Rakete nicht stimmt. Doch das weist Arianespace von sich.

Satelliten an Bord sind zerstört

»Wir sind in einer Situation, die nichts mit dem vorigen Fehlstart zu tun hat«, sagte Arianespace-Chef Stéphane Israël in einer Telefonkonferenz. »Der vorige Fehlstart geht auf einen Designfehler zurück«, erklärte er. Dieses Mal sei die Situation eine andere.

Der Technikchef von Arianespace, Roland Lagier, sprach von einem Problem bei der Produktionsqualität und einer »Reihe menschlicher Fehler«. Man habe nach der ersten Zündung des Triebwerks der Oberstufe eine Abweichung der Flugbahn festgestellt. Dieser Kontrollverlust sei dauerhaft gewesen. Auslöser sei eine Kabelverwechslung beim Bau der Rakete gewesen.

Die Trägerrakete zerbrach in der Atmosphäre in zwei Teile, bevor sie in den Atlantik stürzte. Die beiden Satelliten, die sie ins All bringen sollte, wurden dabei zerstört. Arianespace und die Europäische Weltraumorganisation (Esa) kündigten an, eine unabhängige Kommission mit einer Untersuchung zu beauftragten, in der auch geklärt werden soll, warum der Fehler nicht früher aufgefallen war.

Die Rakete »Vega« sollte den ersten spanischen Erdbeobachtungssatelliten für die Esa und Spanien ins All bringen. Außerdem war der Satellit Taranis an Bord der Rakete, der zur Beobachtung elektromagnetischer Strahlungs- und Lichtphänomene etwa bei Unwettern eingesetzt werden sollte.

Die »Vega« ist mit 30 Meter Höhe die kleinste Weltraumrakete im Arsenal des europäischen Raketenbetreibers Arianespace. Sie ist für kleine Wissenschafts- und Erdbeobachtungssatelliten geeignet. Ihren erfolgreichen Erstflug absolvierte sie am 13. Februar 2012. Sie wird hauptsächlich in Italien vom Raketenbauer Avio hergestellt. 

Panne kommt zum denkbar schlechten Zeitpunkt

Die »Vega« startet in der Regel pro Jahr drei bis viermal in den Weltraum – in diesem Jahr war dies auch wegen Corona aber nicht der Fall. Der erste »Vega«-Start nach dem Fehlstart im vergangenen Jahr fand nach monatelanger Verzögerung im September statt. Die nun gescheiterte Mission war der zweite »Vega«-Start in diesem Jahr.

Für die europäische Raumfahrt kommt der neuerliche Fehlstart zu einer denkbar ungünstigen Zeit. Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass die neue europäische Trägerrakete Ariane 6 voraussichtlich erst 2022 starten wird. Sie ist Europas Hoffnungsträger. Ursprünglich sollte das Nachfolgemodell der Ariane 5 bereits in diesem Jahr abheben. Vor allem das private US-Unternehmen SpaceX macht den Europäern Konkurrenz, die sich auf dem umkämpften Markt behaupten wollen.

koe/dpa/AFP
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