Pläne zur Abwehr von Asteroidkollisionen Chinas Idee zur Rettung der Erde

Asteroideneinschläge würden auf der Erde heftige Schäden anrichten. Weltraumorganisationen suchen deshalb nach Techniken, um die Bahn solcher Brocken zu verändern. Nun hat China einen Plan für die Welt.
Chinesische Rakete vom Typ »Langer Marsch 5«

Chinesische Rakete vom Typ »Langer Marsch 5«

Foto: VCG / Getty Images

Es ist nicht so, dass Kollisionen von mächtigen Brocken aus dem All mit der Erde pure Science-Fiction sind. Beispiele von Asteroideinschlägen gibt es reichlich, wie die teils vernarbte Erdoberfläche zeigt. Man denke an den mächtigen Chicxulub-Krater, der vor 66 Millionen Jahren das Ende der Dinosaurier eingeleitet hat und ein Massensterben auslöste. Oder an den Tscheljabinsk-Meteorit, der mit 20 Metern zwar verhältnismäßig klein war, aber 2013, als seine Einzelteile auf die Erde prasselten, dennoch mächtige Sprengkraft entfaltete.

Wenn sich Hollywood mit dem Thema beschäftigt, so wie im Katastrophen-Schocker »Armageddon« mit Bruce Willis, dann sind es stets US-Helden, die die Welt retten. Doch vielleicht sind es am Ende Menschen aus anderen Teilen der Welt, die mit der nötigen Technik erfolgreich sind.

China hat sich des Themas nun angenommen und hofft, der Gefahr von Asteroiden auf Erdkollisionskurs mit Raketentechnik entgegentreten zu können. Um den Kurs eines solchen Brockens entscheidend zu ändern, will die aufstrebende Raumfahrtnation fast zwei Dutzend der größten Raketen des Landes losschicken. Am National Space Science Center mit Verwaltungssitz in Peking haben Forscher in Simulationen gezeigt, dass der Einschlag von 23 Raketen des Typs »Langer Marsch 5« auf einem Asteroiden, der etwa das 1,4-Fache des Erdradius entfernt ist und eine bestimmte Größe hat, ausreichen könnte, um ihn von seiner ursprünglichen Bahn abzulenken.

Dabei nahmen sich die chinesischen Experten keinen fiktiven Steinhaufen vor, sondern einen alten Bekannten, den Asteroiden Bennu, den auch die Nasa mit ihrer »Osiris-Rex«-Sonde schon besucht hat.

Der mehr als 4,5 Milliarden Jahre alte Himmelskörper ist relativ erdnah, kohlenstoffreich und hat einen Durchmesser von rund 500 Metern. Der tiefschwarze Brocken wird zudem auf einer Liste von potenziell gefährlichen Asteroiden geführt, weil er der Erde in mehr als 150 Jahren recht nahe kommt – auch wenn das Einschlagrisiko bisher als sehr gering gilt.

Bisher eher Theorie statt Praxis

Die »Langer Marsch 5«-Trägerraketen gelten als Zukunft der chinesischen Raumfahrt. Sie sollen zukünftig viele Aufgaben übernehmen, vom Transport von Modulen für Chinas Raumstation bis zum Start von Sonden zum Mond und Mars. Seit 2016 hat die Nation sechs dieser Raketen erfolgreich gestartet, wobei die letzte Rakete einige Sicherheitsbedenken verursachte, als ihre Überreste im Mai wieder auf die Erde stürzten.

»Der Vorschlag, die Oberstufe der Trägerrakete zu einer Leitrakete zu machen, um einen Asteroiden abzulenken, ist ein recht nettes Konzept«, sagte Alan Fitzsimmons vom Astrophysics Research Centre der Queen's University Belfast zur Idee der Chinesen. Forscher gehen derzeit davon aus, dass der Einsatz eines solchen sogenannten kinetic impactor, der den heranrasenden Brocken aus der Bahn schießt wie eine Billardkugel, die einzige Chance ist. Durch die Erhöhung der Masse, die auf den Asteroiden trifft, sollte die Physik bei Chinas Raketen für einen solchen Effekt sorgen, so Fitzsimmons. Allerdings müsse die praktische Umsetzung einer solchen Mission noch genauer geplant werden. Bisher handelt es sich offenbar erst um einen theoretischen Ansatz der Chinesen.

Laut Gareth Collins vom Imperial College London besteht nach aktuellen Schätzungen eine etwa einprozentige Chance, dass ein hundert Meter großer Asteroid in den nächsten hundert Jahren auf der Erde einschlagen wird. Ein Brocken von der Größe Bennus sei etwa zehnmal unwahrscheinlicher. Asteroiden mit einer Größe von mehr als einem Kilometer hätten bereits globale Folgen für unseren Planeten. Immerhin werden jeden Monat etwa 150 neue Asteroiden in der Nähe unseres Planeten entdeckt, insgesamt liegt die Zahl dieser sogenannten Near Earth Objects (NEOs) bei etwa 20.000. Vor allem die kleineren könnten gefährlich werden, falls sie übersehen werden.

Die Sprengung der Brocken beispielsweise mit Atomsprengköpfen scheint kein geeignetes Mittel zu sein. Denn möglicherweise wird der Brocken in einzelne Fragmente zerlegt, die ihre Bahn aber trotzdem nicht ändern.

Auch andere Weltraumorganisationen arbeiten an Strategien zur Abwehr von Asteroiden auf Kollisionskurs. Die Nasa plant etwa spätestens 2022 mit einer Raumsonde zwei Asteroiden relativ nah an der Erde abzufangen. Ein Jahr später wird das NASA-Raumschiff eine Bruchlandung auf dem kleineren der beiden felsigen Körper machen, um zu sehen, wie sehr sich die Flugbahn des Asteroiden verändert. Es wird der erste Versuch der Menschheit sein, die Bahn eines Himmelskörpers zu verändern.

joe/Reuters
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