Asteroiden-Abwehr Sprengen, toasten oder schubsen

Was tun, wenn er irgendwann kommt - der oft beschworene Killer-Asteroid? Wissenschaftler haben sich verschiedene Varianten überlegt, wie man die Gefahr aus dem All abwenden könnte - von der atomaren Sprengung bis zum sanften Schubs.


Der nächste Volltreffer kommt bestimmt. Schon ein Blick auf die narbige Oberfläche des Mondes zeigt: Einschläge kosmischer Brocken sind eher die Regel als die Ausnahme. Die Erde wird nicht verschont. Zwar verglühen metergroße Himmelskörper durch die Reibungshitze in der Atmosphäre. Doch ab 50 Metern Durchmesser schlagen Asteroiden mit gewaltigen Folgen auf die Oberfläche durch.

Asteroiden-Einschlag: Forscher machen sich Gedanken, wie man die Brocken entschärfen kann
NASA / Don Davis

Asteroiden-Einschlag: Forscher machen sich Gedanken, wie man die Brocken entschärfen kann

Forscher tasten daher den Himmel mit ihren Teleskopen nach Near Earth Objects, sogenannten NEOs, ab - jenen Asteroiden oder Kometen, die der Erde gefährlich nahe kommen könnten. Und sie entwickeln Konzepte, um einen Asteroiden oder Kometen von einem Kollisionskurs abzulenken. "Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, eine Kollision zu vermeiden. Man kann versuchen, den Asteroiden wegzuschubsen oder zu zerstören", sagt Christian Gritzner vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bonn-Oberkassel.

Wegschubsen wäre die elegantere Methode: Schon eine kleine Änderung der Bahn kann bei solch astronomischen Distanzen bewirken, dass der Himmelskörper an der Erde vorbeifliegt. Wird der Himmelskörper aber zerstört, etwa durch eine atomare Explosion, könnten die Bruchstücke dennoch die Erde treffen. Asteroiden mit Durchmessern über 100 Meter sollten deshalb besser sachte beiseite geschoben werden, meint Gritzner.

Nasa setzt auf Atombomben

Dennoch setzt die amerikanische Weltraumbehörde Nasa auf die atomare Option. Ein Raumschiff soll eine Atombombe zum Asteroiden bringen. Doch wird diese nicht auf die Oberfläche aufgesetzt oder wie im Hollywood-Streifen "Armageddon" vergraben, sondern in der Nähe des Asteroiden gezündet. Die Explosion erteilt dem kosmischen Geschoss einen Schlag und wirft ihn aus der Kollisionsbahn. In einem Positionspapier an den amerikanischen Kongress empfiehlt die Nasa dieses Verfahren. "Mit vielen Jahren Vorwarnzeit funktioniert das auch mit heutiger Technik", sagt Gritzner. Astronomen setzen daher alles daran, möglichst viele NEOs zu erfassen und ihre Bahndaten vorauszuberechnen. Geschätzte 300.000 erdnahe Asteroiden mit Durchmessern über 100 Metern fliegen herum, 4800 davon sind bereits ausgemacht. Größere Brocken über einen Kilometer gibt es vermutlich nur 1100, davon haben die Astronomen 700 identifiziert. Je größer und damit gefährlicher die Asteroiden sind, desto mehr weiß man über sie: "Die NEOs mit Durchmessern über zehn Kilometern hat man alle entdeckt. Da können wir beruhigt sein", sagt Gritzner. Eine solche Größe muss auch der Asteroid gehabt haben, der vor 65 Millionen Jahren auf der Erde einschlug und damit sehr wahrscheinlich das Ende der Dinosaurier einleitete.

Ein Team von Forschern um Massimiliano Vasile von der University of Glasgow geht einen anderen Weg: Mit dem Licht der Sonne will man Asteroiden ablenken. Raumschiffe mit Sonnenspiegel sollen sich dem Asteroiden bis auf wenige hundert Meter nähern und die Sonnenstrahlen auf die Oberfläche fokussieren. Dort können dann Temperaturen von bis zu 2100 Grad Celsius entstehen, die das Gestein zum Verdampfen bringen. Der Effekt wäre wie bei einer Düse: Der Asteroid erhielte einen Schub in die entgegengesetzte Richtung. Die Forscher haben berechnet, dass zehn solcher Raumschiffe mit auffaltbaren 20-Meter-Spiegeln ausreichen würden, um einen 150 Meter großen Gesteinsbrocken innerhalb von sechs Monaten abzulenken. Die Forscher halten ihre Methode für sicherer als das Zünden einer nuklearen Bombe.

Wegschieben? Wegbaggern? Rammen?

Andere Verfahren halten Gritzner wie auch seine Kollegen von der Nasa für wenig geeignet. So haben Forscher vorgeschlagen, den Asteroiden mit einem aufgesetzten Raketenmotor einfach wegzuschieben. Das allerdings würde riesige Mengen an Treibstoff erfordern - die aber gar nicht in den Weltraum gehievt werden könnten. Ähnliche Probleme gibt es bei der Schwerkraftmethode: Forscher wollen ein schweres Raumschiff nur wenige Dutzend Meter neben dem Asteroiden parken. Durch die Anziehungskraft zum Raumschiff würde der Himmelskörper langsam aber sicher von seiner Bahn abgelenkt. Doch auch hier: Wie will man die vielen Tonnen Masse in den Orbit und auf Fahrt bringen? Kurios hingegen ist die Überlegung, einen Bagger oder Roboter auf dem Asteroiden auszusetzen, der sich eingräbt und den Schutt einfach hoch- und wegwirft. Der Rückstoß lässt den Asteroiden jeweils einen kleinen Tick von der Bahn abweichen.

Bleibt noch die Idee, ein Raumschiff direkt in den Himmelskörper hineinzujagen, um ihn von seiner Bahn abzudrängen. Amerikanische Forscher hatten Ähnliches mit ihrer Sonde "Deep Impact" versucht, die ein 370 Kilogramm schweres Projektil auf den Kometen Temple 1 schleuderte. "Das hat zunächst einmal gezeigt, dass wir so einen Asteroiden treffen können", sagt Gritzner. Allerdings hat der Komet den Angriff gut pariert: Von einer Bahnabweichung keine Spur. Die Astronomen müssen also schwereres Geschütz auffahren, wie es etwa die europäische Raumfahrtagentur Esa mit ihrem Projekt "Don Quichote" plant: Begleitet von der Beobachtungssonde "Sancho" soll eine "Hidalgo" genannte Hauptsonde mit einer Geschwindigkeit von zehn Kilometern in der Sekunde in den Asteroiden einschlagen und diesen dadurch ablenken.

Martin Schäfer, ddp



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