Kugelrunder Asteroid Hygiea Astronomen identifizieren bisher kleinsten Zwergplaneten

Forscher haben den Asteroiden Hygiea genau vermessen - und sind sich sicher, dass es sich um den kleinsten bekannten Zwergplaneten des Sonnensystems handelt. Besonders verblüfft sind sie über seine glatte Oberfläche.

Weil Hygiea so rund ist, kann der Himmelskörper als Zwergplanet eingestuft werden
P. VERNAZZA/ EUROPEAN SOUTHERN OBSERVATORY/ AFP

Weil Hygiea so rund ist, kann der Himmelskörper als Zwergplanet eingestuft werden


Die kleine Gruppe der fünf Zwergplaneten unseres Sonnensystems bekommt möglicherweise Zuwachs: Ein internationales Team von Astronomen hat den Asteroiden Hygiea als kleinsten bekannten Zwergplaneten identifiziert. Die Forscher um Pierre Vernazza vom Astrophysikalischen Labor Marseille stellen ihre Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (Eso) im Fachblatt "Nature Astronomy" vor.

Die offizielle Klassifizierung von Hygiea ist wie bei allen Himmelskörpern Aufgabe der Internationalen Astronomischen Union (IAU). Dort muss man auch über zahlreiche weitere Zwergplanetenkandidaten befinden, zu denen etwa das transneptunische Objekt Sedna gehört oder der besonders weit entfernte Himmelskörper Farout.

Entdeckt schon vor 170 Jahren

Hygiea, benannt nach der Tochter des Heilgottes Asklepios aus der griechischen Mythologie, ist schon seit 1849 bekannt. Nach dem Zwergplaneten Ceres und den Asteroiden Vesta und Pallas ist Hygiea der viertgrößte Himmelskörper im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.

Erst mit einem neuen Eso-Hochleistungsinstrument namens "Sphere" gelang es den Astronomen jetzt, Form und Größe von Hygiea genau zu bestimmen. Der Himmelskörper hat demnach einen Durchmesser von 430 Kilometern und eine annähernd kugelförmige Gestalt. "Dank dieser Bilder kann Hygiea als Zwergplanet reklassifiziert werden", so Vernazza.

Zwergplaneten sind laut IAU definiert als Himmelskörper,

  • die um die Sonne kreisen,
  • keine Monde sind und
  • sich unter ihrem eigenen Gewicht zu einer Kugel verdichtet haben - die Astronomen sprechen dabei vom hydrostatischen Gleichgewicht.

Anders als die eigentlichen Planeten müssen Zwergplaneten ihre Umlaufbahn nicht von anderen Himmelskörpern freigeräumt haben.

Diese Definition hatte im Sommer 2006 dafür gesorgt, dass der Pluto seinen Status als Planet verlor. Bis heute gibt es vor allem in den USA zahlreiche Kritiker dieser Entscheidung. Nasa-Chef Jim Bridenstine erklärte erst vor wenigen Tagen, er weigere sich, die Einstufung anzuerkennen. Für ihn sei Pluto weiterhin ein Planet. Praktische Folgen hat das jedoch keine.

Überrascht waren die Astronomen von der verhältnismäßig glatten Oberfläche Hygieas. Der Himmelskörper gilt laut Eso als Hauptmitglied einer der größten Asteroidenfamilien. Bislang waren Astronomen davon ausgegangen, dass die rund 7000 Mitglieder dieser Familie durch einen großen Crash aus Hygiea herausgeschlagen wurden. Diese Kollision hätte jedoch deutliche Spuren auf dem Himmelskörper hinterlassen müssen.

Simulationsrechnungen zeigten nun, dass der Mutterkörper dieser Asteroidenfamilie wahrscheinlich durch einen Frontalzusammenstoß vor rund zwei Milliarden Jahren komplett zerstört worden ist und Hygiea sich aus den Trümmern zusammengeballt hat. "Eine solche Kollision zwischen zwei großen Körpern im Asteroidengürtel ist in den letzten drei bis vier Milliarden Jahren einzigartig", so Co-Autor Pavel Sevec von der Karls-Universität in Prag.

chs/dpa

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