Dunkler Gesteinsbrocken Forscher beobachten, wie ein Exoplanet geröstet wird

Es ist ein Blick in eine ferne Welt: Mit dem Nasa-Teleskop "Spitzer" haben Forscher den Planeten LHS 3844b untersucht - dessen Oberfläche manchen Gegenden unseres Mondes verblüffend ähnlich sieht.
So könnte der Exoplanet LHS 3844b aussehen

So könnte der Exoplanet LHS 3844b aussehen

Foto: R. Hurt/ JPL-Caltech/ NASA/ REUTERS

Rund 49 Lichtjahre von der Erde entfernt ist der Planet LHS 3844b beeindruckend schnell im All unterwegs. Während unser Planet ein ganzes Jahr braucht, um die Sonne einmal zu umrunden, schafft der im vergangenen Jahr vom Nasa-Teleskop "Tess" entdeckte Exoplanet den gleichen Weg bei seinem Stern in nur elf Stunden. Der Planet rast um einen sogenannten Roten Zwerg, das sind lichtschwache Sonnen, die etwa drei Viertel aller Sterne in der Milchstraße ausmachen.

Seinem Stern wendet LHS 3844b auf seiner Bahn immer dieselbe Seite zu, so wie zum Beispiel der Mond der Erde immer nur eine Seite zeigt. Gebundene Rotation heißt das Phänomen. Bei dem etwa erdgroßen Exoplaneten führt das dazu, dass die dem Stern zugewandte Seite 770 Grad Celsius heiß wird. Selbst ein Metall wie Aluminium wäre bei dieser Temperatur bereits geschmolzen.

Die hohe Temperatur sorgt auch dafür, dass der Himmelskörper größere Mengen an Infrarotstrahlung aussendet. Und die haben Astronomen um Laura Kreidberg vom Harvard and Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) nun mit dem Nasa-Teleskop "Spitzer" untersucht. Im Fachmagazin "Nature"  berichten sie von ihrem bemerkenswerten Blick in diese ferne Welt.

Unter anderem haben die Forscher gemessen, wie gut die Oberfläche des Himmelskörpers Strahlung reflektiert. Dabei konnten sie zeigen, dass der Exoplanet ausgesprochen düster ist. Das Team vergleicht die Farbe mit den Mare, also den dunklen Bereichen des Mondes. Wie diese, so die Vermutung, soll auch die Oberfläche von LHS 3844b aus Basaltgestein bestehen.

Dieses Material entsteht bei vulkanischen Aktivitäten. Das Team geht davon aus, dass auf unserem Mond und auf dem Exoplaneten ähnliche Prozesse abgelaufen sein könnten.

Keine Atmosphäre

Leben dürfte es auf LHS 3844b kaum geben. Das hat auch mit den großen Temperaturunterschieden auf dem Planeten zu tun - und damit, dass es auch keinen Ausgleich zwischen diesen Extremen zu geben scheint. Eine Atmosphäre, so das Fazit der Experten, existiert nicht. Der Himmelskörper ist also ein dunkler Felsbrocken, der von der einen Seite geröstet wird und dessen andere Seite immer direkt der Kälte des Alls ausgesetzt ist.

Schuld daran, dass der Planet keine Atmosphäre hat, dürfte der Rote Zwerg in seiner Nähe sein. Diese Art von Sternen emittiert große Mengen UV-Strahlung, vor allem in ihrer Jugend, auch im Rahmen wilder Eruptionen. Diese hätten eine einstmals vorhandene Gashülle um den Planeten einfach weggeblasen.

chs
Mehr lesen über Verwandte Artikel