Astronomie Neues Mineral im kosmischen Staub entdeckt

Jedes Jahr fallen etwa 40.000 Tonnen kosmischer Staub auf die Erde. Nun hat die Nasa darin ein noch unbekanntes Mineral entdeckt - mit Hilfe eines ganz speziellen Flugzeugs.


Seattle - Die ER-2-Forschungsflugzeuge der Nasa sind Beiprodukte des Kalten Krieges. Sie sind eine modifizierte Version des Spionagefliegers Lockheed U-2. Deswegen können sie besonders hoch fliegen, mehr als 20.000 Meter hoch.

Auf einem solchen Flugeinsatz in den oberen Schichten der Atmosphäre gelang es - wie sich nun herausstellte - einem Nasa-Piloten bereits im April 2003, ein paar ganz besondere Krümel einzufangen: ein bislang unbekanntes Mineral. Die Erde, und mit ihr der Forschungsjet schossen zu dieser Zeit durch den Teilchenstrom des Kometen 26P/Grigg-Skjellerup. Dieser Himmelskörper wurde im Jahr 1902 zum ersten Mal beschrieben und taucht alle fünf Jahre auf. Er sorgt für den vergleichsweise schwachen Pi-Puppiden-Meteoritenschauer, der nur auf der Südhalbkugel der Erde zu beobachten ist.

Ein Forscherteam um Keiko Nakamura-Messenger vom Johnson Space Center in Houston sah sich winzig kleine, vom Flugzeug aus eingefangene Partikel näher an. Darin fanden sie ein aus Mangan und Silizium bestehendes Halbleitermaterial, das bislang weder auf der Erde noch im Weltall gefunden wurde.

"Die Partikel haben einen typischen Durchmesser von einem bis fünf Mikrometer", erklärt Wolfgang Klöck, der zum Forscherteam zählte und heute in der Privatwirtschaft arbeitet. Das neue Mineral Mangansilizid macht jedoch nur einen Bruchteil des Staubpartikels aus. "Es ist kleiner als 100 Nanometer", sagt Klöck.

Die Liste der wissenschaftlich bekannten Mineralien umfasst 4324 Einträge. Nun kommt ein neuer Name dazu: Der Internationale Mineralogenverband (IMA) nannte das Mineral Brownleeit. Damit wird der US-Forscher Donald Brownlee geehrt, ein Spezialist für Partikel aus dem All. "Ich war bislang immer sehr interessiert an Mineralien, daher ist es wunderbar, nun selbst eines zu sein", sagte Brownlee.

Pro Jahr fallen laut Nasa etwa 40.000 Tonnen Material aus dem All auf die Erde - täglich ein Teilchen pro Quadratmeter Erdoberfläche. Der Staub stammt vor allem von zerfallenden Kometen und aus Asteroiden-Kollisionen.

chs/dpa/ddp



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