Astronomie Schwarze Schurkenlöcher könnten Milchstraße unsicher machen

Sie sind groß, sie sind unsichtbar - und es sind viele: US-Wissenschaftler schließen aus Simulationen, dass Hunderte monströse Schwarze Löcher mit rasender Geschwindigkeit durch die Milchstraße vagabundieren. Ob Planet oder Stern, was ihnen zu nahe kommt, wird gefressen.


Es sind die "Schurken unter den Schwarzen Löchern", meinen Astronomen um Kelly Holley-Bockelmann von der Vanderbilt University in Nashville. Ihr Appetit sei maßlos: Sie könnten ganze Planeten und Sterne verschlucken, restlos wird alle Materie verschlungen, die sich ihnen in den Weg stelle, heißt es in einer am Mittwoch in den USA vorgestellten Studie. Hunderte solcher Schwarzer Löcher könnten durch unsere Milchstraße rasen, haben Simulationen der Forscher ergeben.

Schwarzes Loch: Hunger auf Materie
NASA / Sonoma State University / Aurore Simonnet

Schwarzes Loch: Hunger auf Materie

Für die Erdbewohner bestehe aber wenig Grund zur Sorge, beruhigten die Wissenschaftler. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese Schurkenlöcher hier in der Lebenszeit unseres Universums irgendwelchen Schaden anrichten werden", sagte Holley-Bockelmann. "Ihr Gefahrenradius ist mit einigen hundert Kilometern winzig, und in unserer Nachbarschaft gibt es Dinge, die viel gefährlicher sind."

Die Forscher hatten bei ihren Berechnungen sogenannte mittelschwere Schwarze Löcher simuliert. Es gibt zwar noch keine sicheren Beweise für ihre Existenz, aber zumindest Hinweise dafür. Mittelschwere Schwarze Löcher sollen mehrere tausend Mal so schwer sein wie die Sonne.

Die Astronomen haben untersucht, was geschieht, wenn ein solches mittelgroßes Schwarzes Loch sich mit einem deutlich kleineren stellaren Schwarzen Loch vereinigt, von denen es in Kugelsternhaufen nur so wimmelt. Zur Überraschung der Forscher bekommt das entstehende Schwarze Loch dabei einen gewaltigen Stoß. Durch die Energie der Verschmelzung würden die Löcher mit einer Geschwindigkeit von 4000 Kilometern pro Sekunde aus ihren Heimat-Sternenhaufen geschleudert, um dann ohne Anbindung an ein Sternensystem frei durch den Raum zu düsen.

Nach den Berechnungen der Forscher dürften nur noch in zwei Prozent aller Kugelsternhaufen der Milchstraße mittelgroße Schwarze Löcher existieren. Bei allen übrigen müssten sich die rasende Schurkenlöcher schon gebildet und aus dem Staub gemacht haben. Weil es ungefähr 200 Kugelsternhaufen in unsere Galaxie gibt, könnte es weit über hundert vagabundierende mittelgroße Schwarze Löcher geben, glauben die Wissenschaftler.

Schwarze Löcher sind unsichtbar. Wenn sie nicht gerade große Gashaufen verschlucken, kann man sie nur anhand ihres Gravitationsfeldes ausfindig machen. Astronomen unterscheiden hauptsächlich zwei Arten von Schwarzen Löchern: Stellare Schwarze Löcher, die relativ klein sind und aus verglühten Sternen entstehen, und supermassive Schwarze Löcher, die die millionen- bis milliardenfache Masse unserer Sonne haben können. Das größte bislang bekannte supermassive Schwarze Loch fanden Astronomen gerade in 3,5 Milliarden Lichtjahren Entfernung. Es hat die 18-milliardenfache Masse der Sonne.

lub/AFP



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