Astronomische Ausblicke Köchelnder Kern

Im Zentrum von Galaxien brodelt es oft gewaltig. Stellare Winde können dort Gaswolken zu gigantischen Kuppeln aufblähen, wie eine Aufnahme des Hubble-Teleskops zeigt.

Von Martin Paetsch


Hubble-Aufnahme von NGC 3079: Galaktisches Gebläse
NASA

Hubble-Aufnahme von NGC 3079: Galaktisches Gebläse

Wo Sterne entstehen, gibt es auch stellare Winde. Die heißen Sonnen treiben mit ihrer energiereichen Strahlung Gaswolken auseinander und verschaffen sich so Freiraum. Rund um den Kern von NGC 3079 nimmt dieses Phänomen allerdings Ausmaße an, die eher an einen stellaren Orkan erinnern. Die Turbulenzen in der rund 50 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie hat das Hubble-Teleskop in einer jetzt veröffentlichten Aufnahme festgehalten.

Das Bild

In der Totalen wirkt die Galaxie im Sternbild des Großen Bären nicht besonders spektakulär. Doch der vergrößerte Ausschnitt der Hubble-Aufnahme enthüllt mächtige, rot leuchtende Gasstrukturen, die sich über dem grün schimmernden Kern auftürmen. Vier zerfaserte Gaswolken bilden eine gigantische Blase mit einem Durchmesser von mehr als 3000 Lichtjahren. Ihre oberen Enden formieren sich hoch über der galaktischen Ebene zu einem tiefroten Wirbel, aus dem das Gas schließlich in den Weltraum entweicht. Die zwei weißen Punkte oberhalb der Blase sind wahrscheinlich Sterne, die noch zu NGC 3079 gehören.

Theoretischen Modellen zufolge entstand die Blase vor etwa einer Million Jahren durch ein Zusammenspiel zweier Sterntypen: Extrem heiße Gashüllen, die nach Supernova-Explosionen zurückbleiben, werden durch die intensive Strahlung einer jungen Sternenpopulation aus dem Zentrum der Galaxie getrieben. Messungen mit einem Teleskop auf Hawaii legen nahe, dass die Gaswolken mit einer Geschwindigkeit von über sechs Millionen Kilometer pro Stunde aufsteigen.

Der Hintergrund

Wie Beobachtungen mit Radioteleskopen zeigten, ist das galaktische Gebläse aus Supernovae und Jungsternen noch immer in Betrieb. Die Gaskuppel bleibt vermutlich erhalten, bis die Energie der heißen Sonnen schwindet. Dann verliert auch die Blase ihre treibende Kraft, ein Teil der Gasmassen stürzt in die Galaxie.

Diese Überreste führen dann möglicherweise zu einer neuen Blasenbildung. Wenn das zurückfallende Gas mit intergalaktischen Wolken kollidiert, werden diese verdichtet. Aus den Zusammenballungen kann wieder eine neue Sternengeneration entstehen - und damit eine weitere Blase. Hinweise auf einen solchen Kreislauf lieferten Beobachtungen im Radio- und Röntgenbereich: Sie machten langgezogene Staub- und Gasstrukturen sichtbar, die deutlich größer sind als die Fasern auf der Hubble-Aufnahme. Vermutlich handelt es sich um Relikte früherer Blasen.

Die Kamera

Die Daten für die Aufnahme von NGC 3079 sammelte das Weltraumteleskop schon 1998. Dabei kam die Wide Field Planetary Camera 2 zum Einsatz, die mit 48 Filtern für die verschiedensten Wellenbereiche ausgerüstet ist. Um die Gasblase besser sichtbar zu machen, hob das Hubble-Team am Computer bestimmte Farben hervor: Heißes Gas erscheint rot, Sterne leuchten blau oder grün.



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