Astrophysik Milchstraße schützt Erde vor tödlichen Sternblitzen

Gamma-Ray-Bursts entstehen, bevor ein Stern zum Schwarzen Loch wird. Dabei werden gefährliche Strahlung ausgesendet - die uns aber nicht treffen können, versichern Wissenschaftler.


Sie dauern einige Sekunden bis zu mehreren Minuten und setzen mehr Energie frei, als es die Sonne in ihrer ganzen Lebensspanne zusammengerechnet tut: Beim kosmischen Aufblitzen sogenannter Gamma-Ray-Bursts (GRBs) möchte niemand in der Nähe sein. Insofern ist es eine gute Nachricht, dass es in der Milchstraße zu keinem solchen Megablitz kommen wird.

Szenario (Zeichnung): Ein zehn Sekunden langer Gamma-Ray-Burst trifft die Erde
NASA

Szenario (Zeichnung): Ein zehn Sekunden langer Gamma-Ray-Burst trifft die Erde

Der Grund ist schlicht, es gibt dafür nicht die richtigen Sterne in unserer Galaxie. Der Astronom Krzysztof Stanek von der Ohio State University hat sich vier lange GRBs in unserer kosmischen Nähe angeschaut, darunter eine, die der Swift-Satellit der Nasa erst im Februar diesen Jahres aufgenommen hatte.

Der Wissenschaftler analysierte, dass diese gewaltigen Blitze von Sternsystemen ausgingen, die einen sehr niedrigen Teil schwerer Elemente enthielten. Sterne die viele Elemente mit höherem Gewicht als Wasserstoff und Helium enthalten, das besagt eine astrophysikalische Theorie, verlieren während ihres Lebens zu viel Masse, um an dessen Ende in einem GRB aufzugehen. Die Bursts sind der Geburtsschrei schwarzer Löcher.

In unserer Milchstraße, schreibt Stanek im Fachmagazin "Astrophysical Journal", gebe es eine Menge schwerer Elemente. Die Sterne der Galaxie seien folglich keine Kandidaten für lange Gamma-Ray-Bursts.

Ursprünglich hatten Astronomern angenommen, dass in der kosmischen Vergangenheit Tausende dieser Blitze durch die Milchstraße geleuchtet haben müssen. Der Physiker Adrian Melott von der University of Kansas hatte einen GRB gar als Erklärung für ein Massensterben auf der Erde am Ende Ordoviciums – vor 400 bis 450 Millionen Jahren – ins Spiel gebracht: Die tödliche Strahlung eines GRBs könne einen Großteil der damaligen Lebensformen auf der Erde getötet haben.

Zu Staneks Veröffentlichung sagte Melott: "Das ist ein gutes Argument." Allerdings räumte er ein, auch die Milchstraße verleibe sich alle paarhundert Millionen Jahre eine Zwergengalaxie ein – und möglicherweise könnten da ja Sterne mit den nötigen Voraussetzugen für einen Gamma-Ray-Burst dabei sein. Jedoch sagte Melott, der Gedanke an diese Möglichkeit raube ihm nicht eben den Schlaf.

stx



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