Außerirdische Welten Erstmals Licht fremder Planeten gemessen

Bei der Suche nach einer zweiten Erde könnte ein Durchbruch gelungen sein. Erstmals konnten Wissenschaftler das Licht von fernen Planeten direkt messen. Die riesigen Himmelskörper sind größer als Jupiter - und glühend heiß.




Stern und Planet im Infrarotlicht (Zeichnung): Erstmals Licht eines fernen Planeten entdeckt
NASA/JPL-Caltech/R. Hurt (SSC)

Stern und Planet im Infrarotlicht (Zeichnung): Erstmals Licht eines fernen Planeten entdeckt

Wer einen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aufspüren will, braucht den Spürsinn eines Detektivs. Da ein Planet von seiner Heimatsonne um ein Vielfaches überstrahlt wird, kann er nur indirekt beobachtet werden - entweder durch die leichte Taumelbewegung, die er seinem Stern aufzwingt, oder durch die minimale Verdunkelung des Sternenlichts beim Vorbeiziehen des Planeten. Seit dem Erstfund von 1995 wurden auf diese Arten knapp 120 extrasolare Planeten entdeckt.

Jetzt aber haben US-Astronomen erstmals das Licht zweier solcher Himmelskörper direkt beobachtet. Ein Team um Drake Deming vom Goddard Space Flight Center der Nasa in Greenbelt hat mit Hilfe des Spitzer-Teleskops das Infrarotlicht des Planeten HD 209458b gemessen, der bereits im November 1999 entdeckt worden war. Zeitgleich haben Forscher um David Charbonneau vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) die direkte Beobachtung des seit August 2004 bekannten Planeten TrES-1 bekannt gegeben.

"Neue Ära der Planetenwissenschaft"

"Das Spitzer-Teleskop hat uns ein mächtiges neues Werkzeug zur Erforschung der Temperaturen, Atmosphären und Umlaufbahnen von Planeten gegeben, die Hunderte von Lichtjahren von der Erde entfernt sind", sagte Deming. "Es ist fantastisch", schwärmte Charbonneau, dessen Ergebnisse demnächst im "Astrophysical Journal" veröffentlicht werden sollen. "Wir haben zehn Jahre lang nach diesem Licht gefahndet." Die Nasa sprach in einer Mitteilung von einer "neuen Ära der Planetenwissenschaft".

Forscher Charbonneau, Deming: "Das ist fantastisch"
AP

Forscher Charbonneau, Deming: "Das ist fantastisch"

HD 209458b ist etwas größer als Jupiter, doch der Abstand zu seinem Stern beträgt nur ein Zwanzigstel der Strecke zwischen Erde und Sonne, weshalb er als "heißer Jupiter" klassifiziert wird. Auf seiner Oberfläche herrscht nach ersten Erkenntnissen eine Temperatur von rund 850 Grad Celsius, schreiben Deming und seine Kollegen in "Nature".

Die hohe Temperatur lässt den Planeten im Infrarotbereich stark leuchten. Da er von der Erde aus gesehen regelmäßig hinter seinem Stern verschwindet, konnten die Astronomen bei jeder Umrundung einen leichten Rückgang des Lichts im Infrarotbereich messen. Dies müsse dem Anteil entsprechen, der von dem Planeten selbst stamme, folgern die Wissenschaftler. Allerdings könne die tatsächliche Temperatur des Gasriesen von den bisher errechneten 850 Grad abweichen, da Moleküle wie etwa atmosphärisches Wasser das Lichtspektrum verändern können.

Die direkte Messung des Lichts ferner Planeten gilt als entscheidender Schritt bei der Suche nach erdähnlichen Himmelskörpern. Nur auf diese Weise lässt sich das genaue Lichtspektrum und damit die Zusammensetzung einer Atmosphäre bestimmen.

Schon im September 2004 hatten Wissenschaftler der Europäischen Südsternwarte in Chile die wahrscheinlich erste direkt Beobachtung eines extrasolaren Planeten gemeldet. Allerdings blieb unklar, ob es sich bei dem damals fotografierten Objekt tatsächlich um einen Planeten gehandelt hat.



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