Satellitenbild der Woche Zu Besuch bei den Tiwi

Ganz im Norden von Australien liegen zwei abgeschottete Inseln in der Timorsee. Vor 10.000 Jahren trennte sie eine Wasserstraße. Die Aborigines der Tiwi Islands haben dazu eine ganz eigene Legende.
Apsley Strait im Norden von Australien

Apsley Strait im Norden von Australien

Foto: Joshua Stevens/ NASA

Die Tiwi-Aborigines in Australien erzählen sich einen ganz besonderen Mythos über die Entstehung ihrer Heimat. Die Kurzform geht in etwa so: Mudungkala war eine alte, blinde Frau. Als die Welt Gestalt annahm, erhob sie sich an der Stelle aus dem Boden, an der heute die Tiwi-Inseln liegen. Zusammen mit ihren drei Säuglingen krabbelte sie auf den Knien über das Land Richtung Norden.

Dabei zog sie eine Spur von Wasser hinter sich her. Bald trennte es die Landmasse vom Rest des australischen Kontinents - die Tiwi Inseln waren geboren. Mudungkala krabbelte auf ihrer Insel weiter. Aber sie fand, dass das Eiland immer noch zu groß war. Also schuf sie erneut Wasser - die Apsley Strait. Sie trennt die Insel in zwei kleinere: Bathurst und Melville, die Heimat der Tiwi-Aborigines. Sie leben noch heute dort.

Die über Tausende Jahre abgeschottete Tiwi-Kultur entwickelte eine eigene Sprache. Heute sind die Tiwi für hölzerne Totempfähle und bunte Zeichnungen bekannt. Auf den mehr als 8000 Quadratkilometer großen Inseln in der Timorsee in Australiens Northern Territory leben 3000 Menschen. Ungefähr 90 Prozent sind Aborigines. Das bevölkerungsreichste Nest ist Milikapti mit rund 450 Einwohnern.

Die Apsley Strait trennt die größere Insel Melville von Bathurst

Die Apsley Strait trennt die größere Insel Melville von Bathurst

Foto: Joshua Stevens/ NASA

Ganz so abgeschottet, wie die Insellage es vermuten lässt, leben die Tiwi heutzutage nicht mehr. Zwar pflegt man alte Traditionen und das Kunsthandwerk. Doch auch das moderne Australien hat Einzug gehalten. Ausgesprochen populär ist der Australian Football. Die raue Sportart wird auf der Insel sogar in einer eigenen Liga betrieben, zu den Finals reisen jährlich Tausende Fans an. Zudem haben die Inseln einige berühmte Spieler hervorgebracht, die in den Ligen im Süden des Kontinents zu Ruhm kamen.

Die Nasa, die das Bild oben mit ihrem "Landsat 8"-Satelliten aufgenommen hat, berichtet, dass der Mythos der Tiwi gar nicht so weit weg von den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Entstehung der Inseln ist. Denn die beiden Inseln waren einst tatsächlich mit dem australischen Festland verbunden. Ein Anstieg des Meeresspiegels trennte später das Land. Laut den Schätzungen könnte das vor etwa 8000 bis 10.000 Jahren passiert sein. Gut möglich, dass das Ereignis im Gründungsmythos der Tiwi beschrieben wurde.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Foto: Joshua Stevens/ NASA

Für die Zukunft sind Forscher besorgt: Der Klimawandel könnte weitere Veränderungen des Meeresspiegels mit sich bringen. Klimaprojektionen sagen einen weiteren Anstieg der Lufttemperatur, der tropischen Wirbelstürme, der Sturmfluthöhe und der Meeresoberflächentemperatur in diesem Teil Australiens voraus. Forscher gehen davon aus, dass der Meeresspiegel in der Region bis 2100 auf 1,1 Meter ansteigen könnte.

Ob das Mudungkala gefallen hätte, darf bezweifelt werden. Nach dem Mythos hat sie die Inseln noch mit Pflanzen und Tieren besiedelt, damit ihre Kinder genug zu essen haben. Aber als die Inseln fertig waren, verschwand sie einfach - niemand weiß wohin. Noch heute fragen sich die Tiwi, wo sie geblieben sein könnte.

joe
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