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14. September 2013, 12:06 Uhr

Satellitenbild der Woche

Oben!

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Diese Fotos sind eigentlich falsch in einer Rubrik über Satellitenbilder. Trotzdem möchten wir zeigen, welch faszinierende Aufnahmen Bastler Christian Dobisch aus Sachsen-Anhalt gerade mit einem Gummiballon in der Stratosphäre gemacht hat.

Im Städtchen Schönebeck vor den Toren von Magdeburg geht es eher beschaulich zu. Das Solbad im Stadtteil Bad Salzelmen freut sich über Kurgäste. Traktoren- und Dieselmotorenwerk sind seit Jahren dicht. Und wohl niemand würde hier an der Elbe irgendwelche Luft- und Raumfahrtaktivitäten vermuten. Doch Christian Dobisch hat das gerade geändert. Ein bisschen zumindest. Zusammen mit Unterstützern hat der 19-jährige Azubi einen Ballon hoch in die Stratosphäre geschickt - und dort faszinierende Fotos und Videos aufgenommen.

Natürlich, die Idee mit heliumgefüllten Ballons in Richtung Weltall aufzubrechen, hatten schon andere Bastler vor ihm. Auch hier bei SPIEGEL ONLINE haben wir so entstandene Bilder schon mehrfach gezeigt. Und doch kann Dobischs Projekt "Spacecam 2" mit einigen Besonderheiten punkten. Da ist zunächst der Latexballon, der mit 45 Kilometern außergewöhnlich hoch geflogen ist - nur vier Kilometer weniger als ein deutlich größeres Fluggerät der US-Weltraumbehörde Nasa vor gut zehn Jahren.

"Das ist rekordverdächtig", jubelt Dobisch. Verantwortlich dafür war unter anderem die mit drei Kilogramm vergleichsweise schwere - und damit robuste - Gummihülle. Für den Flug durch die Atmosphäre wurde sie mit sechs Kubikmetern Helium gefüllt. Das ist freilich nicht ganz billig: Sponsoren, darunter ein Messtechnikunternehmen, hatten den Flug mit insgesamt 3000 Euro unterstützt.

"Etwas in den Weltraum schießen, das wäre schon toll"

In der runden Nutzlastbox aus Styropor, sie war mit Inhalt noch einmal zwei Kilogramm schwer, brachte Dobisch auch einen Raspberry-Pi-Mini-Computer unter. Daran waren unter anderem Temperatur- und GPS-Sensoren sowie ein Kompass angeschlossen. GoPro-Kameras machten die beeindruckenden Bilder - auch weil Dobisch die Linsen vorher mit Anti-Beschlagmittel behandelt hatte. Zwei weitere Mini-Kameras fotografierten außerdem Ballon und Nutzlastbox. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Als der Ballon schließlich den Dienst quittierte, half die Elektronik dabei, die Nutzlast möglichst nahe zurück an den Startpunkt zu bringen. Auch das ist durchaus etwas Besonderes. Schon 30 Sekunden nach dem Platzen machte sich das System an die Arbeit: Die Sensoren lieferten die Daten für einen kleinen Motor - und der steuerte selbständig einen Gleitschirm, der die Kapsel wieder zurück zur Erde brachte. Bereits beim Aufstieg hatte der Rechner erste Berechnungen für den Kurs angestellt.

"Er hat den Rückweg allerdings nicht komplett geschafft", muss Dobisch eingestehen. Die "Spacecam 2" landete ungefähr 70 Kilometer vom Startort entfernt in einem Feld im Landkreis Stendal. Im Winter hatte der Bastler bereits einen ersten Ballon steigen lassen. Dieser war immerhin 30 Kilometer weit aufgestiegen, bevor er platzte. Nun sucht Christian Dobisch nach neuen Herausforderungen: "Das Thema Ballons ist erst mal für mich durch, aber einmal etwas in den Weltraum schießen, das wäre schon toll."

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