Bausteine des Lebens DNA-Vorläufer umschweben fernen Stern

In einer Staubscheibe um einen Stern haben Forscher erstmals die Vorstufen von DNA und Proteinen entdeckt. Aus der Scheibe könnten irgendwann Planeten entstehen, die möglicherweise auch der Erde ähneln.

Bei Beobachtungen des 375 Lichtjahre entfernten Sterns "IRS 46" haben Wissenschaftler eine Überraschung erlebt: In der Scheibe aus Gas und Staub, die den Stern umgibt, fanden sie Vorstufen der chemischen Grundbausteine des Lebens. Aus diesen Verbindungen - Acetylen und Blausäure - können Bestandteile der DNA und Aminosäuren entstehen, aus denen alle Eiweißverbindungen aufgebaut sind.

"Wenn man Blausäure, Acetylen und Wasser in ein Reagenzglas gibt und sie auf einer Oberfläche reagieren lässt, bekommt man eine Menge organischer Verbindungen, inklusive Aminosäuren", sagte Geoffrey Blake vom California Institute of Technology in Pasadena. Auch eine der vier Basen der DNA könne sich aus dem Gebräu bilden. "Jetzt können wir diese Moleküle in der Planetenzone eines Sterns sehen, Hunderte von Lichtjahren von der Erde entfernt."

Aus der Staubscheibe um "IRS 46" könnten eines Tages Planeten hervorgehen. "Dieses junge System ähnelt unserem Sonnensystem, Milliarden Jahre bevor auf der Erde das Leben entstand", sagte Fred Lahuis vom niederländischen Observatorium Leiden, unter dessen Führung die jetzt im Fachblatt "Astrophysical Journal Letters" beschriebene Entdeckung gelang.

Die Wissenschaftler hatten mit Hilfe des "Spitzer"-Infrarotteleskops, das seit 2003 nahe der Erde die Sonne umkreist, etwa 100 junge Sterne beobachtet und die chemische Zusammensetzung der umgebenden Staubwolken untersucht. Einen derartigen Cocktail großer Mengen organischer Verbindungen, der neben Acetylen und Blausäure auch Kohlendioxid enthielt, fanden sie jedoch nur bei "IRS 46". Anschließende Beobachtungen mit dem Keck-Teleskop auf Hawaii haben die "Spitzer"-Daten bestätigt.

Aus ihnen ging auch hervor, dass die organischen Gase in der Staubscheibe etwa 100 Grad Celsius heiß sind. Die Forscher schließen daraus, dass sie etwa im gleichen Abstand den Stern umkreisen wie die Erde die Sonne. Solche organischen Gase haben Forscher bereits anderswo entdeckt: in den Atmosphären der großen Gasplaneten sowie des Saturnmondes Titan und auf den eisigen Oberflächen von Kometen.

Aus solchen im planetarischen Staub enthaltenen Substanzen ist wahrscheinlich auch das Leben auf der Erde entstanden, vermuten Wissenschaftler schon länger. Die organischen Verbindungen könnten mit Kometen auf die Erde gelangt oder mit dem kosmischen Staub in die Atmosphäre gerieselt sein.

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