Begleiteter Asteroid Silvia reist mit zwei Leibwächtern

Asteroiden sind in der Regel kosmische Schutthaufen, die einsam ihre Bahnen um die Sonne ziehen. "Silvia" ist jedoch eine Ausnahme: Der 1866 entdeckte Asteroid hat zwei Monde um sich geschart, die den Brocken aus Eis und Staub umkreisen - eine astronomische Sensation.


Kosmisches Dreigestirn: "87 Silvia" wird von zwei Trabanten umkreist
Frank Marchis/University of California

Kosmisches Dreigestirn: "87 Silvia" wird von zwei Trabanten umkreist

Am Anfang stand ein großer Knall. Bei der Kollision zweier Asteroiden, die zwischen Mars und Jupiter um die Sonne rasten, waren die kosmischen Brocken regelrecht explodiert. Aus den Trümmerstücken dieses Auffahrunfalls sollen sowohl der Asteroid "87 Silvia", als auch seine zwei Begleiter entstanden sein, vermutet Franck Marchis von der University of California in Berkeley.

Marchis und seine Kollegen hatten "87 Silvia" mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) beobachtet. Der Asteroid, der mit einem Durchmesser von etwa 280 Kilometern zu den größten bekannten Planetoiden zählt, war schon 1866 entdeckt worden. Im Jahr 2001 hatten Astronomen bereits den ersten Begleiter beobachtet. Doch erst auf den aktuellen Aufnahmen konnten die US-Forscher sogar zwei Objekte erkennen, die "87 Silvia" umkreisen.

"Man ist schon so lange auf der Suche nach solchen Asteroiden-Systemen. Nun kann ich kaum glauben, dass wir eins gefunden haben", schreibt Marchis im Fachblatt "Nature". Die beiden Monde umkreisen den kartoffelförmigen Asteroiden in ähnlichen Bahnen wie der Mond die Erde. Doch Silvia rotiert extrem schnell: Alle fünf Stunden und elf Minuten dreht sich der Asteroid um die eigene Achse.

Galaktischer Schutthaufen "87 Silvia": Gravitationskräfte halten Eis und Trümmer zusammen
Frank Marchis/University of California

Galaktischer Schutthaufen "87 Silvia": Gravitationskräfte halten Eis und Trümmer zusammen

Die kleinen Trabanten umkreisen ihren Mutterschutthaufen dabei in respektvollem Abstand: Der kleinere Begleiter mit einem Durchmesser von nur sieben Kilometern umrundet "87 Silvia" im Abstand von 710 Kilometern, der größere Trabant mit 18 Kilometern Durchmesser, bleibt 1360 Kilometer entfernt - für eine Umrundung braucht er gerade mal 87.6 Stunden.

Die Forscher konnten in zweimonatiger Beobachtung auch die Zusammensetzung des Asteroiden analysieren. Offenbar besteht er aus Wasser, Eis und Schutt - ein Beleg für die Kollisions-These, da die Trümmer gut von einem der Ursprungs-Asteroiden stammen könnten.

Bei der Namensgebung hielten sich die US-Forscher übrigens an die römische Mythologie. "87 Silvia" war im 19. Jahrhundert nach "Rhea Silvia" benannt worden, die der Überlieferung nach die Gründungsmutter Roms gewesen sein soll. Für die beiden Mini-Trabanten schlugen die Astronomen nun folgerichtig die Namen "Romulus" und "Remus" vor - so hießen die ersten Römer, die Söhne, die Rhea Silva mit Kriegsgott Mars gezeugt haben soll.



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