Beileidsbotschaften Auch die Iraker äußern Mitgefühl

An Bord der "Columbia" war auch ein israelischer Militärpilot, der bereits einen Bombereinsatz über dem Irak geflogen ist. Trotzdem stimmten auch irakische Politiker in den weltweiten Chor der Beileidsbekundungen ein.


Bagdad - Die größeren irakischen Zeitungen haben am Sonntag zumeist auf der ersten Seite über den Absturz der US-Raumfähre "Columbia" berichtet. Hauptaufmacher war allerdings in allen Zeitungen ein Treffen von Staatschef Saddam Hussein mit seinen Militärkommandeuren.

Das Staatsfernsehen berichtete am Samstag umgehend über die Katastrophe und schaltete anschließend auf die Direktübertragung des arabischen Satellitensenders al-Dschasira um. Der Generalsekretär der irakischen Nationalversammlung, Ghalib Dschassim, äußerte am Sonntag in Bagdad Mitgefühl für die Opfer.

"Wir haben nichts gegen das amerikanische Volk als Volk. Das Problem besteht zwischen uns und der amerikanischen Regierung." Auch Buschra el Samarai, ein weiteres Mitglied der Nationalversammlung, äußerte sich ähnlich. Die Iraker respektierten die Gefühle anderer Menschen und teilten die Trauer über den tragischen Unfall, sagte die Abgeordnete.

Weltweit haben Politiker - von Bundeskanzler Gerhard Schröder über Russlands Präsident Wladimir Putin bis zu Palästinenserpräsident Jassir Arafat - dem US-Präsidenten George W. Bush, der israelischen Staatsführung und den Angehörigen der Toten ihr Mitgefühl ausgedrückt. Bush sagte in einer Rede an die Nation, das gesamte Land trauere mit den Hinterbliebenen. Papst Johannes Paul II. rief am Sonntag in Rom alle Gläubigen in der Welt auf, für die Opfer zu beten.

"Erneut hat ihr Land schmerzlich erfahren müssen, dass die Erforschung des Weltraums mit menschlichen Opfern verbunden sein kann", schrieb Schröder in einem Telegramm. "Ich möchte Ihnen und dem amerikanischen Volk mein tief empfundenes Beileid aussprechen und Sie bitten, den Familien und Angehörigen der bei dem Absturz getöteten mutigen Männer und Frauen meine aufrichtige Anteilnahme zu übermitteln." Auch Bundespräsident Johannes Rau und Außenminister Joschka Fischer drückten ihr Beileid aus.

Nach Worten von UN-Generalsekretär Kofi Annan ist der Absturz der Raumfähre "ein Verlust für die Menschheit". Die Erkundung des Weltraums kenne keine Landesgrenzen, darum treffe die Katastrophe der "Columbia" auch jeden Weltbürger. Auch die Raumfahrtnation Russland reagierte mit Bestürzung. "Russland weiß gut, dass die Eroberung des Raums außerhalb der Erde ein neues, schwieriges Gebiet der menschlichen Tätigkeit ist", schrieb Putin.

Fassungslosigkeit herrschte vor allem in Israel und Indien. Von dort stammten zwei der Astronauten, der 48-jährige Ilan Ramon und die 41-jährige Kalpana C. Chawla. Israel hatte Ramons Reise ins All Mitte Januar euphorisch als "großen Schritt für Israel" gefeiert. Die israelische Regierung begann am Sonntag ihre Kabinettssitzung mit einer kurzen Trauerzeremonie, zu der auch US-Botschafter Dan Kurtzer eingeladen wurde. "Alle Israelis verneigen sich im Gedenken an Oberst Ilan Ramon und die Besatzung der Raumfähre "Columbia", die Helden unserer Reise ins Weltall", sagte Ministerpräsident Ariel Scharon.

Trauer auch in Indien: Mit Blick auf die aus Indien stammende Astronautin Kalpana C. Chawla sagte Wissenschaftsminister Murli Manohar Joshi am Samstag: "Das ist ein unersetzlicher Verlust. Ich teile den Schmerz mit allen Landsleuten." Regierungschef Atal Behari Vajpayee sprach den Angehörigen aller sieben Besatzungsmitglieder sein Mitgefühl aus. "Dass eine von ihnen aus Indien stammte, macht die Tragödie für uns noch schmerzhafter", sagte Vajpayee am Samstag.

Der französische Präsident Jacques Chirac sprach in Paris von einer "fürchterlichen Katastrophe", die Europäische Weltraumorganisation ESA von einem verheerenden Ereignis in der Geschichte der Raumfahrt. Beileidsbekundungen kamen auch aus Spanien, von der griechischen EU-Ratspräsidentschaft, aus Belgien, Luxemburg und Iran.



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