Beinahe-Katastrophe Ursache für "Sojus"-Landeproblem scheint gefunden

Russland glaubt, das Problem gefunden zu haben, weswegen die Landung der "Sojus"-Kapsel kürzlich fast in einer Katastrophe geendet wäre. Eine Inspektion im All soll nun verhindern, dass sich das ganze bei der nächsten Landung wiederholt.

Moskau - Es war eine Landung, wie sie ruppiger kaum sein konnte. "Ich dachte, dass wir verbrennen könnten", sagte die koreanische Astronautin Yi So Yeon später. Zusammen mit der US-Amerikanerin Peggy Whitson und dem Russen Juri Malentschenko war sie Ende April in der "Sojus"-Kapsel TMA-11 zur Erde zurückgekehrt. Das Manöver verlief ungesteuert, Kapsel und Crew schlugen schließlich mehr als 400 Kilometer von der geplanten Landestelle entfernt in der kasachischen Steppe auf. Russische Raumfahrtfunktionäre erklärten später, die Mission habe "auf des Messers Schneide" gestanden - auch wenn offizielle Stellen das umgehend dementierten.

Nun scheint die Ursache für das missglückte Manöver gefunden zu sein. Russische Medien berichten unter Berufung auf Roskosmos-Top-Manager Alexej Krasnow, die Orbitalsektion der Kapsel sei nicht rechtzeitig von der Landekapsel abgetrennt worden. Insgesamt bestehen "Sojus"-Kapseln aus drei Modulen: dem Service-, dem Orbital- und dem Landemodul. Vor dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre werden die ersten beiden abgesprengt und verglühen anschließend. Diesmal scheint es dabei Probleme gegeben zu haben.

Dadurch schaltete das Raumschiff auf eine ungesteuerte ballistischen Landung. Raumfahrtmanager Krasnow, so ist zu lesen, hält das für in Ordnung: Auch dieser Reserve-Modus sei eine statusmäßige Rückkehrmethode - allerdings landet das Raumschiff auf einer steileren Bahn und in der Regel härter. Die Koreanerin Yi musste zum Beispiel nach der Landung mit Rückenproblemen ins Krankenhaus.

Weshalb die Trennung der "Sojus"-Module zuletzt nicht funktioniert hat, wollte Krasnow nicht genau sagen. Möglich seien ein Problem mit den sogenannten Pyrobolzen, die für die Absprengung sorgen, oder ein Kabelschaden. Ein solcher Fall hatte im Oktober bereits zur ballistischen Landung des Vorgängerraumschiffes "Sojus TMA-10" geführt.

Im Juli sollen die russischen Kosmonauten Sergej Wolkow und Oleg Kononenko, die mit dem US-Astronauten Garrett Reisman derzeit die 17. ISS-Stammbesatzung bilden, ins Weltall aussteigen und ihr Raumschiff "Sojus TMA-12" auf mögliche ähnliche Schäden untersuchen. Die Russen sollen im Oktober mit diesem Raumschiff zur Erde zurückkehren.

chs/ddp