Bemannte Raumfahrt Nasa geht auf Einkaufstour fürs Weltall

Die Nasa investiert massiv in die Entwicklung neuer Raumschiffe: 1,6 Milliarden Dollar vergibt die US-Weltraumbehörde in den nächsten zwei Jahren an private Unternehmen, um die Entwicklung neuer bemannter Systeme voranzutreiben. Das Ziel ist das Ende der Abhängigkeit von den Russen.

"Sojus"-Rakete (24. August): Amerikaner wollen nicht mehr von Russen abhängig sein
DPA

"Sojus"-Rakete (24. August): Amerikaner wollen nicht mehr von Russen abhängig sein


Hamburg - Seit die Space Shuttles nicht mehr fliegen, sind die Amerikaner ausgerechnet auf die Russen angewiesen: Deren "Sojus"- und "Progress"-Transporter sind derzeit die einzigen Raumschiffe, die Personal und Material zur Internationalen Raumstation (ISS) bringen können. Doch wie unsicher es ist, nur diese eine Verbindung zu haben, hat sich erst im August gezeigt, als ein "Progress"-Frachter kurz nach dem Start abstürzte. Die Ursache war eine Fehlfunktion der "Sojus"-Trägerrakete - und mit der nahezu identischen Technik fliegen auch Astronauten regelmäßig zur ISS. Für die "Sojus"-Raketen galt vorübergehend ein Startverbot, auch eine Evakuierung der ISS erschien möglich.

Für die Nasa war das offenbar ein Weckruf. Es könne nicht angehen, dass die 100 Milliarden Dollar teure ISS vom Funktionieren eines einzigen Systems abhänge, betont Phil McAlister, bei der US-Weltraumbehörde Nasa für die kommerzielle Raumfahrt verantwortlich. "Jedes Jahr, in dem wir keine kommerziellen bemannten Flüge starten können, ist die Station in Gefahr", sagte McAlister vergangene Woche auf einer Konferenz in Florida.

Die Nasa greift deshalb jetzt tief in die Kasse, um der Industrie bei der Entwicklung neuer Systeme auf die Sprünge zu helfen. In den kommenden zwei Jahren sollen 1,6 Milliarden Dollar (1,17 Milliarden Euro) für diesen Zweck ausgegeben werden, wie Nasa-Vertreter am Montag erklärten. In Ausschreibungsentwürfen ist von kompletten Systemen inklusive Trägerrakete, Raumschiff und Bodenstation die Rede. Bis zur Mitte des Jahrzehnts wollen die Amerikaner wieder selbst ins All fliegen können.

Zügige Entwicklung

Mit dem Geld sollen die Investitionen privater Unternehmen unterstützt werden. US-Präsident Barack Obama hat für die "Commercial Crew Initiative" der Nasa 850 Millionen Dollar angefordert. Ob der Senat diese Summe allerdings lockermachen wird, ist noch offen: Der verantwortliche Ausschuss hat vergangene Woche 500 Millionen Dollar angeboten.

Die zügige Entwicklung eigener Raumschiffe könnte der US-Regierung unter dem Strich allerdings einige Ausgaben ersparen. Die Russen verlangen derzeit mehr als 50 Millionen Dollar, um einen Menschen ins All zu bringen - Training und Zusatzdienste inklusive.

Bisher fördert die Nasa vier Unternehmen: Der Boeing-Konzern, Space Exploration Technologies, die Sierra Nevada Corporation und Blue Origin, die Amazon-Gründer Jeff Bezos gehört. Die Verträge dieser Firmen mit der Nasa sollen ein Gesamtvolumen von 269 Millionen Dollar besitzen. Am Montag kündigte die Nasa an, die Zusammenarbeit mit Boeing um 25,6 Millionen und die mit Sierra Nevada um 20,6 Millionen Dollar aufzustocken. Zugleich pumpt die Weltraumbehörde zusätzliche 46 Millionen Dollar in ihr eigenes kommerzielles Raumfahrtprogramm.

Erst vergangene Woche hatte die Nasa Pläne zum Bau einer gigantischen Trägerrakete vorgestellt. Das "Space Launch System" würde mit seinen Dimensionen auch die "Saturn V"-Rakete übertreffen, die im Rahmen des "Apollo"-Programms die ersten Menschen zum Mond brachte. Zugleich beteiligt sich die Nasa an der Entwicklung der 90 Meter langen "Liberty"-Rakete, einem internationalen Projekt.

mbe/Reuters

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