Weltraum Alternder Stern umgibt sich mit Staubgürtel

Die besten Jahre von Kappa Coronae Borealis sind vorbei, er entwickelt sich zum roten Riesen. Für seine Umgebung bedeutet das nichts Gutes. Doch noch umkreist mindestens ein Planet den Stern. Mehr überrascht Astronomen allerdings der Staubgürtel, der den alternden Himmelskörper umschließt.

Infrarot-Aufnahme des "Herschel"-Teleskops: Staubgürtel umgibt Kappa Cor Bor
ESA/ Bonsor et al

Infrarot-Aufnahme des "Herschel"-Teleskops: Staubgürtel umgibt Kappa Cor Bor


Wie das Leben auf der Erde enden wird, können Astronomen schon vorhersagen: In etwa sechs Milliarden Jahren wird sich die Sonne zu einem roten Riesen aufblähen. Möglicherweise verleibt sich der Stern, der sich auf mehr als das 150fache der heutigen Größe aufbläht, die Erde komplett ein. Und selbst wenn dies nicht passieren sollte, wird unser Planet so stark erhitzt, dass sich die Erdkruste in brodelndes Magma verwandelt.

Kappa Coronae Borealis (kurz: Kappa Cor Bor), ein rund hundert Lichtjahre entfernter Stern, hat schon einen Stück des Weges zum roten Riesen zurückgelegt, er befindet sich in der sogenannten Unterriesen-Phase. Wenn ein Stern dieses Lebensalter erreicht, können die Planeten - und Asteroiden und Kometen - die ihn umkreisen, wahrscheinlich noch gut überleben.

Astronomen haben den Stern mit dem Esa-Weltraumteleskop "Herschel" beobachtet, um das Schicksal seines Systems zu erforschen. Kappa Cor Bor ist rund 2,5 Milliarden Jahre alt; seine Masse beträgt etwa das 1,5fache der Sonne.

Im Fachmagazin "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" berichtet das Team von einem Gürtel aus Staub sowie Trümmern aus Eis und Gestein, der Kappa Coronae Borealis umgibt. Zudem kreist mindestens ein Planet um den alternden Stern - ein Gasriese, der etwa die doppelte Masse des Jupiters besitzt. Und wahrscheinlich zieht noch ein weiterer größerer Himmelskörper seine Bahnen um Kappa Coronae Borealis.

Es sei der erste bekannte "Stern im Ruhestand", um den mindestens ein Planet kreist und der einen Staubgürtel besitze, sagt die an der Studie beteiligte Forscherin Amy Bonsor von der Universität Joseph Fourier im französischen Grenoble.

Die Forscher präsentieren mehrere Modelle, wie das System um Kappa Cor Bor aussehen könnte:

  • Der Staubgürtel ist eher eine gigantische Scheibe: Er beginnt in einer Entfernung von 20 astronomischen Einheiten (AU) vom Stern und endet erst in einer Distanz von rund 220 AU. Eine AU entspricht dem Abstand von Erde und Sonne, also rund 150 Millionen Kilometern. Ein Planet, der in geringerem Abstand um den Stern kreist, beeinflusst die innere Randzone des Staubgürtels.
  • Der Staubgürtel hat dem zweiten Modell zufolge dieselbe Ausdehnung. Allerdings wird er von beiden Planeten beeinflusst, so dass die Materiedichte im Gürtel in einem relativ engen Bereich deutlich größer ist als in den restlichen Zonen.
  • Dem dritten Modell zufolge verfügt das System über zwei relativ schmale Staubgürtel - einer ist rund 40 AU vom Stern entfernt, der andere etwa 165 AU. Der äußere Himmelskörper befindet sich zwischen den Gürteln. Er ist möglicherweise gar kein Planet, sondern ein brauner Zwerg: Ein Objekt, das zu massereich für einen Planeten ist, aber zu klein war, um ein richtiger Stern zu werden.

"Formen einer oder zwei Planeten die Staubscheibe oder hat der Stern einen braunen Zwerg als Begleiter? Es ist ein faszinierendes System", sagt Amy Bonsor. Da Kappa Coronae Borealis der erste Unterriese ist, in dessen Umgebung Astronomen Planeten und eine Staubscheibe orten konnten, können sie leider noch nicht sagen, ob es ein typisches System darstellt oder ein ungewöhnliches.

Durch die Existenz des ausgedehnten Staubgürtels unterscheidet es sich auf jeden Fall deutlich vom Sonnensystem. Denn hier wurde in einer frühen Phase, dem sogenannten großen Bombardement, der meiste Schutt beseitigt, weil kleine Himmelskörper auf die entstehenden Planeten hagelten und von ihnen einverleibt wurden.

wbr



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.