Besser essen im All Grüne Gnocchi für Mars-Reisende

Bis zum ersten Marsflug dürften noch mindestens 20 Jahre vergehen. Die europäische Raumfahrtbehörde Esa ließ aber schon jetzt den Reiseproviant für ihre Astronauten zubereiten - von Spitzenköchen.


Algen-Gnocchi: Das Astronauten-Auge isst mit
ESA

Algen-Gnocchi: Das Astronauten-Auge isst mit

Die Zeiten, in denen Astronauten ihr Frühstück aus der Tube pressen mussten, sollen endgültig der Vergangenheit angehören. Nie wieder soll "Astronautennahrung" zum abschätzigen Synonym für vielleicht nahrhafte, ansonsten aber unappetitliche Scheußlichkeiten absinken.

Das zumindest scheint die Esa im Sinn zu haben: Die europäische Raumfahrtagentur stellte eine Liste von Zutaten auf, die für Langzeit-Reisen durchs All in Frage kommen - und ließ Spitzenköche aus den Ingredienzien leckere Mahlzeiten bereiten.

Die Vorgaben der Esa waren eine Herausforderung für die Köche: Gut sollte es schmecken, nahrhaft musste es sein und den Astronauten einen langen Flug versüßen. Doch vor allem mussten die Gerichte zu mindestens 40 Prozent aus neun Hauptzutaten bestehen - allesamt Pflanzen, die nach den Vorstellungen der Weltraumorganisation auch in Gewächshäusern auf dem Mars gezüchtet werden könnten. Butter, Zucker, Öl, Pfeffer, Salz und andere Gewürze könne man dagegen von der Erde mitnehmen.

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Vorgekocht: Grüne Mars-Mahlzeit mit Alge

Die Küchenchefs der zwei französischen Firmen ADF und GEM kreierten so aus Reis, Spinat, Zwiebeln, Tomaten, Soja, Kartoffeln, Kopfsalat und Weizen sowie der blaugrünen Süßwasseralge Spirulina elf Gerichte. Die Alge gesellte sich zu den übrigen Zutaten, da sie den Eiweiß- und Vitaminbedarf in extremen Bedingungen weitgehend abdecken kann.

Auf der Speisekarte künftiger Weltraummissionen sollen nun unter anderem Marsianisches Brot und Marmelade aus grünen Tomaten, Spirulina-Gnocchi und Millefeuille von Kartoffeln und Tomaten stehen.

"Wir streben an, 40 Prozent der Astronautennahrung für Langzeitexpeditionen vor Ort zu produzieren", sagte Christoph Lasseur, Esa-Koordinator für biologische Lebenserhaltung. So erhalte man als kostenloses Nebenprodukt die zum Leben erforderlichen Mengen an Sauerstoff und Wasser gleich mitgeliefert.

Heute wird noch die gesamte Astronautennahrung von der Erde mitgebracht. Bei längeren Weltraummissionen in der Zukunft wird dies jedoch nicht mehr möglich sein. Die Esa erforscht daher unter anderem, wie ein sich selbst erhaltendes Ökosystem auf dem Mars aussehen könnte.



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