Mysterium gelöst Staubwolke verdunkelte Riesenstern Beteigeuze

Einer der größten Sterne der Milchstraße verlor plötzlich an Strahlkraft. Manche erwarteten schon eine Supernova. Jetzt haben Forscher eine andere Erklärung.
Der Riesenstern Beteigeuze im Sternbild Orion gehört zu den größten Sternen der Milchstraße

Der Riesenstern Beteigeuze im Sternbild Orion gehört zu den größten Sternen der Milchstraße

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Pierre Kervella / picture alliance/dpa

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat eine Erklärung gefunden, warum sich der Riesenstern Beteigeuze vorübergehend verdunkelte. Wahrscheinliche Ursache sei eine Staubwolke gewesen, die sich über den Gasriesen im Sternbild des Orion gelegt hat und so das Licht blockierte. Die Helligkeit des Sterns habe zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 um mehr als das Dreifache abgenommen, teilte das Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam mit.

Nach neuen Beobachtungsdaten des Hubble-Weltraumteleskops gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Stern superheißes Plasma von seiner Oberfläche ausgestoßen hat, so das Institut. Das Material habe sich dann in den äußeren, kälteren Schichten abgekühlt, heißt es in der jetzt veröffentlichten Analyse .

So soll es zur Verdunklung gekommen sein: Der Riesenstern Beteigeuze stieß heißes Material aus, das außerhalb des Sterns abkühlte und ihn als dunkle Wolke verdunkelte

So soll es zur Verdunklung gekommen sein: Der Riesenstern Beteigeuze stieß heißes Material aus, das außerhalb des Sterns abkühlte und ihn als dunkle Wolke verdunkelte

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Die so entstandene riesige Staubwolke habe über mehrere Monate das Licht von etwa einem Viertel der Sternoberfläche blockiert. "Im April 2020 hatte Beteigeuze seine normale Helligkeit wieder erreicht." Die Beobachtungen des Hubble-Teleskops seien mit Geschwindigkeitsmessungen der äußeren Schichten von Beteigeuze mit dem Stella-Teleskop des Potsdamer Instituts auf Teneriffa ergänzt worden.

Beteigeuze ist von der Erde aus betrachtet der zehnthellste Stern. Er gehört zur Klasse der Roten Überriesen und würde im Zentrum unseres Sonnensystems bis über die Jupiterbahn hinausreichen, so das Institut für Astrophysik.

Riesensterne wie Beteigeuze beziehen über Millionen Jahre ihre Energie aus der Verschmelzung von Atomkernen. Wenn dieser nukleare Brennstoff verbraucht ist, kollabiert der Stern und schleudert fast seine gesamte Gashülle hinaus ins All - er verwandelt sich in eine sogenannte Supernova. Beteigeuze würde bei einer solchen Explosion so viel Energie freisetzen wie unsere Sonne in ihrem ganzen Leben.

Als sich Beteigeuze im vergangenen Jahr verdunkelte, vermuteten manche Astronomen erste Anzeichen einer solchen bevorstehenden Supernova . Andere gingen schon früh von einer Staubwolke aus - die These galt es aber noch mit Daten zu belegen.

Die vorübergehende Verdunklung hat nach Angaben des Instituts für Astrophysik schon um das Jahr 1300 stattgefunden. Beteigeuze sei etwa 725 Lichtjahre entfernt, so lang braucht das Licht also, bis es die Erde erreicht.

ply/dpa
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