Bizarres System Planet könnte vier Sonnen haben

Ein Planet mit gleich vier Sonnen? Forscher wollen das nicht mehr ausschließen: Sie haben ein System aus vier Sternen entdeckt, das wahrscheinlich einen Planeten besitzt. Könnte man ihn besuchen, wären von dort aus spektakuläre Sonnenuntergänge zu beobachten.


Im Science-Fiction-Epos "Star Wars" existiert ein Planet in Gesellschaft von drei Sonnen. Im Juli 2005 berichteten Forscher vom California Institute of Technology, dass ein solch bizarres System tatsächlich existiert, obwohl es der gängigen Theorie zufolge darin gar keinen Planeten geben dürfte.

System HD 98800 (Zeichnung): Ein Planet mit vier Sonnen?
NASA / JPL-Caltech / T. Pyle

System HD 98800 (Zeichnung): Ein Planet mit vier Sonnen?

Doch drei Sonnen sind offenbar noch nicht einmal das Maximum: Jetzt haben US-Astronomen in einem System aus zwei Doppelsternen Hinweise auf einen jungen Planeten entdeckt. Das Vierer-System HD 98800 ist rund zehn Millionen Jahre alt und befindet sich 150 Lichtjahre von der Erde entfernt in der Sternenkonstellation TW Hydrae.

Forscher vom Astrobiology Institute an der University of California in Los Angeles hatten mithilfe des Weltraumteleskops "Spitzer" herausgefunden, dass einer der beiden Doppelsterne von einer Staubscheibe umgeben ist. Aus solchen sogenannten Akkretionsscheiben können Planeten hervorgehen, wenn das feine Material sich zu größeren Klumpen verbindet.

Doch die Scheibe hat keine kontinuierliche Dichte, so wie man es erwarten würde. Vielmehr deuten die "Spitzer"-Daten auf eine Lücke in der Scheibe hin, was vermuten lässt, dass sich dort bereits ein Planet gebildet hat. "Planeten sind wie kosmische Staubsauger", sagte Elise Furlan vom Astrobiology Institute. "Sie nehmen allen Staub auf, der sich auf ihrem Weg rund um das Zentralgestirn befindet."

Dass HD 98800 aus zwei Doppelsternen besteht, wussten Astronomen bereits von Beobachtungen mit Teleskopen auf der Erde. Dank "Spitzer" konnten sie das Bild nun verfeinern. Einer der Gürtel der Scheibe ist etwa 5,9 Astronomische Einheiten von dem zentralen Doppelstern entfernt, was etwa der Entfernung zwischen Sonne und Jupiter entspricht. Dieser Teil der Scheibe setzt sich wahrscheinlich aus Asteroiden und Kometen zusammen. Der zweite Gürtel ist 1,5 bis 2,0 Astronomische Einheiten entfernt und besteht vermutlich aus feinem Staub.

"Wenn Astronomen eine solche Lücke in einer Scheibe finden, dann nehmen sie üblicherweise an, dass sich dahinter ein Planet verbirgt", sagte Furlan. Die Entdeckung sei überraschend: Bisher habe man angenommen, dass feiner Staub, der bei der Zusammenballung von Brocken im äußeren Bereich entsteht, in der Scheibe nach innen wandert und sie so gleichmäßig ausfüllt. Die nun entdeckte Lücke in der Scheibe deute daraufhin, dass die Entstehung von Planetensystemen womöglich komplexer sei als bislang angenommen.

hda



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