Briten verärgert US-Gesetze behindern Privatflüge ins All

Im Jahr 2007 wollte die britische Airline Virgin Atlantic die ersten Privat-Astronauten mit "Space Ship Two" ins All befördern. Doch strenge Exportregelungen der USA für militärisch nutzbare Technik könnte den Start um bis zu zwei Jahre verzögern.


"Space Ship One": Ein Fall für die US-Ausfuhrgesetze
DPA

"Space Ship One": Ein Fall für die US-Ausfuhrgesetze

Die beiden gelungenen Flüge von "Space Ship One", dem ersten privat gebauten und finanzierten Raumschiff der Welt, hatten die Welt im Sommer und Herbst 2004 begeistert. Das Team um Chefkonstrukteur Burt Rutan verströmte jenen Pioniergeist, der in den Augen mancher Beobachter der Weltraumbehörde Nasa zwischenzeitlich abhanden gekommen war. Zehn Millionen US-Dollar Prämie kassierten die Erbauer als Sieger des ausgerufenen Raumfahrtwettbewerbs "X-Prize".

Der gelungene Aufstieg in mehr als 100 Kilometer Höhe weckte auch das Interesse von Richard Branson, Chef der britischen Virgin-Airline. Branson wollte sich von Rutans Firma Scaled Composites mehrere Exemplare von "Space Ship Two" bauen lassen - ein mehrsitziges Raumschiff für kommerzielle Flüge ins All. Zehntausende Menschen reservierten sich schon kurz nach Bekanntwerden des Projekts ihr Ticket.

Doch der für 2007 geplante ersten Start dürfte sich um mindestens ein, wenn nicht sogar zwei Jahre verzögern. Ursache sind die strengen US-Exportbestimmungen für militärisch nutzbare Technik, wozu natürlich auch das Raketenflugzeug "Space Ship Two" zählt.

"Ich dachte, die Briten sind eine relativ freundliche Nation", witzelte Konstrukteur Rutan bei einer Anhörung des US-Kongresses zu kommerzieller Raumfahrt. Man habe sich fünf Monate lang mit dem Problem des Technologietransfers an Virgin Atlantic herumgeschlagen, sagte Rutan laut einem Bericht auf der Newssite "ScienceDaily".

Blick auf Entwürfe verboten

"Wir dürfen derzeit noch nicht einmal die Entwürfe von Scaled Composites für das kommerzielle Raumschiff anschauen", sagte Will Whitehorn, Chef der Firma Virgin Galactic, die die Privatflüge durchführen will. Erst wenn die Fragen des Technologietransfers geklärt seien, werde man eine Bestellung aufgeben können.

Die strengen US-Ausfuhrbestimmungen werden angewendet, obwohl Virgin das "Space Ship Two" wahrscheinlich in den USA, in der kalifornischen Mojave-Wüste, starten lassen will. Betroffen von der Regelung ist auch eine Firma aus Dubai, die ebenfalls Interesse an der Raumfahrtechnik von Scaled Composites angemeldet hat.

Virgin-Chef Branson mit Modell: Privatrips ins All später als angekündigt
AP

Virgin-Chef Branson mit Modell: Privatrips ins All später als angekündigt

Nach Angaben von Virgin haben trotz des angekündigten Preises von 200.000 US-Dollar für einen Kurztrip ins All bereits mehr als 100 Passagiere einen Vertrag abgeschlossen, der eine Bezahlung des Preises im Voraus vorsieht. Zusätzlich hätten 29.000 Interessenten eine Anzahlung von 20.000 US-Dollar geleistet.

"Space Ship Two" soll fünf bis neun Fluggäste in mehr als 100 Kilometer Höhe befördern, der (willkürlich) definierten Grenze zwischen Erdatmosphäre und Weltraum. Jeder Passagier werde ein eigenes Fenster haben, um den Ausblick genießen zu können. Während der vier- bis fünfminütigen Phase der Schwerelosigkeit dürfe man sich abschnallen, teilte Virgin mit. Eine Umlaufbahn wird "Space Ship Two" nicht erreichen. Wie "Space Ship One" wird es so lange senkrecht aufsteigen, bis der Raketentreibstoff verbraucht ist. Danach fällt es zurück Richtung Erde und landet wie ein Flugzeug.

Im ersten Jahr sollen 500 Menschen ins All befördert werden, sagte Rutan, vier Jahre später bereits 3000. "Nach zwölf Jahren haben 50.000 bis 100.000 Menschen den Blick auf den schwarzen Himmel genossen", glaubt der Konstrukteur.



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