Bushs Weltraumpläne Rätselraten um mysteriöses Rüstungsprojekt

Der US-Kongress will eine gewaltige Summe für ein hochgeheimes Militärprojekt ausgeben. Oppositionelle Senatoren sprachen in einer ungewöhnlich heftigen Reaktion von einer "Bedrohung für die nationale Sicherheit". Experten argwöhnen, dass es sich bei dem Projekt um bewaffnete Satelliten handelt.

Jay Rockefeller bemühte sich nicht um Zurückhaltung. Was der US-Kongress da vorhabe, sei nicht nur "total ungerechtfertigt und äußerst verschwenderisch", sondern auch "eine Bedrohung für die nationale Sicherheit".

Was Rockefeller, Chefunterhändler der Demokratischen Partei im Geheimdienstausschuss des Senats, dermaßen in Rage versetzte, ist ein sündhaft teures Spionage-Programm. Das war allerdings auch schon alles, was an Informationen über das Projekt an die Öffentlichkeit gelangt ist. Das Vorhaben ist so geheim, dass es bisher nur Mutmaßungen über seine wahre Beschaffenheit gibt.

Rockefeller und drei weiteren demokratische Senatoren war es immerhin Anlass genug, dem zuvor mühsam ausgehandelten Kompromiss über die künftigen Aktivitäten der US-Geheimdienste ihre Zustimmung zu verweigern. Trotz des Widerspruchs hat der Kongress den Gesetzestext für die kommenden beiden Jahre abgesegnet, sagte Rockefeller der Nachrichtenagentur AP.

Spekulationen um Rockefellers Worte

Derart scharfe Kritik an einem hoch geheimen Projekt, noch dazu in aller Öffentlichkeit, ist in Washington ein äußerst ungewöhnlicher Vorgang. Entsprechend interessiert reagierten unabhängige Experten. Rockefeller hatte durchblicken lassen, dass das Vorhaben "groß angelegte öffentliche Finanzierung" benötige, was auf Kosten von mehreren Milliarden Dollar schließen lasse. "Bei einem solchen Preis handelt es sich nahezu mit Sicherheit um ein Satellitenprogramm", sagte James Bamford, Autor zweier Bücher über den US-Geheimdienst National Security Agency.

Und um normale Spionagesatelliten gehe es wahrscheinlich nicht. Es sei "kaum denkbar", sagte Spionagetechnik-Fachmann Jeffrey Richelson, dass ranghohe Politiker die üblichen Spähsatelliten als Gefahr für die nationale Sicherheit brandmarken würden.

Bewaffnete Himmelskörper kämen da schon eher in Frage. 2001 hatte ein parlamentarischer Ausschuss die amerikanischen Militärsatelliten als äußerst verwundbar bezeichnet und gewarnt, dass Technologien für offensive Weltraum-Waffen auf dem Weltmarkt leicht verfügbar seien. In dem Gremium saß auch der spätere US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Seine Warnung vor einem "Pearl Harbor im Weltraum" im Bericht des Ausschusses wurde berüchtigt.

Experten argwöhnen deshalb, die Regierung wolle die alten Pläne von bewaffneten Satelliten nun in die Tat umsetzen. "Selbst ein Satellit mit ausschließlich defensiven Waffen könnte ein Wettrüsten im All auslösen", warnte John Pike, Direktor des Washingtoner Thinktanks GlobalSecurity.org. Andere Staaten würden umgehend Beweise dafür verlangen, dass die Waffen nur defensiv benutzt werden könnten.

Warnung vor dem Weltraum-Wettrüsten

Allerdings würde die US-Regierung niemals Einblick in amerikanische Satellitentechnik gewähren. Andere Regierungen, glaubt Rüstungsexperte Pike, könnten sich deshalb gezwungen sehen, ihrerseits offensive Waffen im Weltraum zu stationieren.

Es wäre nicht der erste Versuch der US-Regierung, im Orbit aufzurüsten. Bereits im Juni dieses Jahres wollte das Pentagon das "Near Field Infrared Experiment", kurz NFIRE, starten. Erstmals wäre ein Satellit im All stationiert worden, der feindliche Satelliten hätte bekämpfen können. Nach heftiger Kritik im US-Kongress erwägt das Pentagon nun eine Entschärfung des Projekts, dessen Start sich damit auf Mitte 2005 oder sogar Ende 2006 verschieben würde.

Die US-Luftwaffe verfügt indes schon über die Fähigkeit, feindliche Satelliten auszuschalten - allerdings vom Boden aus. Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde Anfang dieses Jahres das "Counter Satellite Communications System" in Dienst gestellt. Auf Knopfdruck gehen bei Kommunikationssatelliten potenziell feindlicher Staaten die Lichter aus.

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