SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

09. September 2019, 15:06 Uhr

"Chandrayaan-2"

Abgestürzte Mondfähre aufgespürt

Als vierte Nation wollte Indien den Mond erreichen, doch der Kontakt zum Landemodul brach plötzlich ab. Inzwischen ist klar, wo "Vikram" auf den Boden gekracht ist. Kann die Mission doch noch gelingen?

Das abgestürzte Landemodul der indischen Mondmission "Chandrayaan-2" ist auf dem Mond entdeckt worden. "Es muss eine harte Landung gewesen sein", sagte Kailasavadivoo Sivan, Chef der Indian Space Research Organisation (Isro), dem indischen Fernsehsender India Today.

Demnach ist die Landefähre "Vikram" zwar nicht zerschellt, aber noch ist unklar, in welchem Zustand sie sich befindet. "Wir versuchen, Kontakt herzustellen", so Sivan.

Die Mondlandemission gilt als ein Prestigeprojekt. Indien wäre das vierte Land gewesen, dem eine kontrollierte Landung auf dem Erdtrabanten gelungen ist - nach den USA, der Sowjetunion und China. Im Frühjahr stürzte bereits eine israelische Sonde beim Landeversuch auf dem Mond nach einem technischen Fehler ab.

Für Indien ist es die zweite Mission zum Mond. Die erste Mondsonde "Chandrayaan-1" war 2008 gestartet und hatte den Mond umkreist, ohne auf ihm zu landen. Zu der aktuellen Mondmission "Chandrayaan-2" gehören neben dem Lander "Vikram" ein Orbiter, der Aufnahmen der Mondoberfläche machen und den Kontakt zur Landefähre herstellen soll, sowie ein Rover.

"Wir hoffen das Beste"

Dem Orbiter soll laut Isro nun eine Aufnahme der Landefähre auf dem Mond gelungen sein. Nähere Details gab die Raumfahrtbehörde zunächst nicht bekannt. In sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche falsche Aufnahmen, die angeblich "Vikram" zeigen sollen. Tatsächlich sind darauf andere Mondmissionen wie "Apollo 16" oder gar die Marsoberfläche zu sehen.

Indien will mindestens zwei Wochen lang versuchen, Kontakt zu der Landefähre herzustellen. "Wir hoffen das Beste", teilte Regierungschef Narendra Modi bei Twitter mit. Der Kontaktabbruch zur Landefähre ist nicht die erste Panne der unbemannten Raumfahrtmission. Anfang Juli musste ein erster Startversuch der "Chandrayaan-2" nur eine Stunde vor dem Start abgebrochen werden. Es hatte ein Leck an der Trägerrakete gegeben. Am 22. Juli klappte der Start dann.

Das Besondere an der Mission: Die Landung von "Vikram" war weitab des Mondäquators geplant, der sonst bevorzugt angesteuert wird. Stattdessen sollte die Sonde bei 70 Grad Süd aufsetzen, vergleichsweise nahe am Mondsüdpol. Laut ersten Erkenntnissen soll die Landefähre in etwa an ihrem Bestimmungsort auf die Mondoberfläche getroffen sein.

"Chandrayaan" bedeutet auf Sanskrit "Mondfahrzeug". Ziel der umgerechnet rund 126 Millionen Euro teuren Mission war es, die Oberfläche der Südpolregion zu kartieren, den Boden zu analysieren und Wasser zu suchen. Das könnte in Zukunft als Rohstoff interessant werden, weil sich mit seiner Hilfe Treibstoff für weitere Raketenflüge gewinnen ließe, die noch weiter hinaus ins All führen.

koe

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung