"Chandrayaan-2" Indiens Mondmission ist gestartet

Indien will das vierte Land der Erde werden, das sanft mit einer Sonde auf dem Mond landet. Nach technischen Verzögerungen hat die Mission "Chandrayaan-2" jetzt begonnen.

Raketen-Start: "Chandrayaan-2" soll am 6. September auf dem Mond landen
Indian Space Research Organization/ Doordarshan/ AP

Raketen-Start: "Chandrayaan-2" soll am 6. September auf dem Mond landen


Es ist ein ziemlich exklusiver Klub. Erst drei Staaten ist es bisher gelungen, eine unbemannte Sonde weich auf der Oberfläche des Mondes abzusetzen: der Sowjetunion, den USA und China. Indien möchte nun zur Nummer vier werden.

Dafür hat das Land am Montag die Mission "Chandrayaan-2" auf den Weg gebracht. Besonders dabei ist, dass die Mondsonde - im Vergleich zu den bisherigen - recht weit weg vom Mondäquator landen soll. Demnach wird der Flugkörper bei 70 Grad Süd aufsetzen - vergleichsweise nahe am Mondsüdpol, wo Forscher in tiefen Kratern Wassereis vermuten.

Eine Trägerrakete vom Typ GSLV Mk-III hob am Montag mit den Bestandteilen der "Chandrayaan-2"-Mission an Bord vom Weltraumbahnhof Satish Dhawan an der Südostküste Indiens ab. Der Start war zuvor mehrmals verschoben worden. Unter anderem hatte es vor gut einer Woche Probleme gegeben, einen Heliumtank zu befüllen.

"Chandrayaan" hieß bereits ein 2008 von den Indern gestarteter Mondorbiter, der fast ein Jahr lang Daten aus der Umlaufbahn sendete. Er hatte auch einen kleinen Einschlagkörper dabei, der absichtlich auf dem Mond zum Absturz gebracht wurde. Diesmal soll die Landesonde sanft aufsetzen.

Rover an Bord

"Chandrayaan-2" besteht aus mehreren Teilen. Neben einem Orbiter gibt es die Landeplattform "Vikram". Sie soll Mondbeben messen, die beim Einschlag von Meteoriten ausgelöst werden können. Außerdem ist ein kleiner Rover namens "Pragyan" an Bord. Passend dazu bedeutet Chandrayaan auf Sanskrit so viel wie "Mondfahrzeug".

Der Rover der "Chandrayaan-2"-Mission soll den Mond selbstständig erkunden und sich bis zu 500 Meter weit von der Landeplattform entfernen. Er hat zwei Spektrometer an Bord, mit denen er das Mondgestein untersuchen soll. Geplant ist die Landung für den 6. September.

Solarzellen sollen die Technik auf der Mondoberfläche anschließend mit Energie versorgen. Landeplattform und Rover werden so wohl einen Mondtag lang funktionieren, also etwa 14 Erdentage. Danach wird es auf der Mondoberfläche so dunkel, dass die Solarzellen keinen Strom mehr erzeugen. Die Geräte kühlen in der Folge so stark ab, dass sie nicht mehr funktionieren und auch am nächsten Mondtag nicht mehr aufzuwecken sind.

chs



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Seite 1
rrv.vogt 22.07.2019
1. Auf der Such nach Mondwasser
``Demnach wird der Flugkörper bei 70 Grad Süd aufsetzen - vergleichsweise nahe am Mondsüdpol, wo Forscher in tiefen Kratern Wassereis vermuten.´´ Und aus diesem Mondwasser soll dann der Treibstoff für den Weiterflug von ESA- Astronauten zum Mars gewonnen werden! Kein Scherz! Das wurde gestern ganz ernsthaft von einem dieser ESA- Spinner (ein gelernter Physiker mittleren Alters , Namen hab ich vergessen) im deutschen Staatsfernsehen erklärt.
r_saeckler 22.07.2019
2. Das ist jetzt aber eine schlechte Nachricht ...
... für alle die Leserkommentatoren im Themenstrang: "Technisches Problem": Indien unterbricht Mondmission - 56 Minuten vor geplantem Star! Die haben doch fast alle sinngemäß gewußt: "Die Inder sind für sowas viiiiiiiel zu rückständig! Wo "WIR DEUTSCHE" doch nicht mal einen schäbigen TV-Satelliten in eine Erdumlaufbahn schießen können ohne uns der technischen Hilfe anderer Nationen zu bedienen. Tja- dumm gelaufen! Weniger Hochnäsigkeit wäre angezeigt...
Phi-Kappa 22.07.2019
3. Warum
dauert die Reise so lang, etwa 2 1/2 Monate? Ist das Ding mit Ionen-Antrieb unterwegs?
zeichenkette 22.07.2019
4.
Zitat von rrv.vogt``Demnach wird der Flugkörper bei 70 Grad Süd aufsetzen - vergleichsweise nahe am Mondsüdpol, wo Forscher in tiefen Kratern Wassereis vermuten.´´ Und aus diesem Mondwasser soll dann der Treibstoff für den Weiterflug von ESA- Astronauten zum Mars gewonnen werden! Kein Scherz! Das wurde gestern ganz ernsthaft von einem dieser ESA- Spinner (ein gelernter Physiker mittleren Alters , Namen hab ich vergessen) im deutschen Staatsfernsehen erklärt.
Aus Wasser das man vor Ort findet, Treibstoff zu erzeugen (den man dann nicht erst von der Erde mitbringen muss), ist eine naheliegende Idee. Ob man dann von dort zum Mars weiterfliegt, ist natürlich ferne Zukunftsmusik, aber erstmal zu forschen, ob und wie viel und in welcher Form es dort Wasser gibt, ist durchaus sinnvoll. Jemanden deswegen als "Spinner" zu bezeichnen, ist schon ziemlich stumpf...
zeichenkette 22.07.2019
5.
Zitat von Phi-Kappadauert die Reise so lang, etwa 2 1/2 Monate? Ist das Ding mit Ionen-Antrieb unterwegs?
Das Ding landet nicht sofort, das ist alles.
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