"Chandrayaan-2" Ein Leck verhinderte Indiens Sprung auf den Mond

Nur eine Stunde vor dem Start wurde die indische Mondmission abgebrochen. Nun läuft die Suche nach weiteren möglichen Lecks.

Rakete des Typs GSLV Mk-III mit der Sonde "Chandrayaan-2" an Bord
ISRO HANDOUT PHOTOGRAPHS / EPA-EFE / REX

Rakete des Typs GSLV Mk-III mit der Sonde "Chandrayaan-2" an Bord


Wer mit einem Auto fährt, muss sich keine Sorgen machen, dass der Sprit aus dem Tank den Motor erreicht. Dafür sorgen die Benzinpumpe und die Gravitation, die auf die Flüssigkeit im Tank wirkt. Bei einer Weltraumrakete ist die Sache etwas komplizierter. Ihre Aufgabe ist es ja gerade, der Schwerkraft auf der Erde zu entkommen.

Denn beim Flug durchs All gelangt flüssiger Treibstoff nicht ohne Weiteres dorthin, wo er gebraucht wird. Im schlechtesten Fall führt das dazu, dass die Raketenmotoren im Verlauf der Reise nicht mehr mit Nachschub versorgt werden - selbst wenn in den Tanks eigentlich noch Treibstoff ist. Raketenkonstrukteure behelfen sich aber mit einem Trick: Indem sie den immer weniger werdenden Treibstoff langsam durch eine andere Substanz ersetzen, halten sie den Druck in den Tanks aufrecht.

Das hilft, vereinfacht, den verbleibenden Treibstoff aus den Tanks zu pressen, wie Zahnpasta aus einer Tube. Bei der indischen Rakete GSLV Mk-III übernimmt Helium diese Aufgabe. Und bei der Befüllung dieses Heliumtanks ist es am Montagmorgen offenbar zu einem Problem gekommen, das schuld an der Verschiebung der indischen Mondmission "Chandrayaan-2" noch nicht einmal eine Stunde vor dem geplanten Start war.

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So berichten es mehrere indische Medien, unter anderem die "Times of India". Fünf unterschiedliche Quellen innerhalb der indischen Raumfahrtorganisation hätten der Zeitung bestätigt, dass Probleme beim Einfüllen des Heliums der Grund für den Startabbruch gewesen seien. Die GSLV Mk-III verfügt neben zwei Feststoffboostern über eine Oberstufe, in der flüssiger Wasserstoff und Sauerstoff miteinander reagieren. Diese beiden Flüssigtreibstoffe seien von den Crews des Weltraumbahnhofs Satish Dhawan Space Centre noch erfolgreich in die Tanks gepumpt worden. Als man danach das Helium in einen separaten Behälter gefüllt habe, sei dort ein Druckabfall zu bemerken gewesen, so der Bericht.

Der Heliumbehälter sollte im Rahmen der Prozedur auf bis zu 350 bar unter Druck gesetzt werden. Doch offenbar konnte der Wert nicht gehalten werden, daraufhin beschloss die indische Weltraumorganisation Isro, den Start abzubrechen. Die genaue Lage des Lecks muss allerdings noch gefunden werden. Es sei auch möglich, dass es mehrere undichte Stellen gebe, sagte ein beteiligter Forscher der "Times of India".

Wann es einen neuen Startversuch für "Chandrayaan-2" geben wird, steht bisher noch nicht fest. Klappt es bis Ende des Monats nicht mehr, wäre das nächste Startfenster erst im September.

Bei einer erfolgreichen Landung von "Chandrayaan-2" auf dem Mond wäre Indien nach der Sowjetunion, den USA und China erst die vierte Nation, der eine weiche Landung glückt. Zu der Mission gehört neben der Landeplattform "Vikram" auch ein kleiner Rover namens "Pragyan", der sich bis zu 500 Meter weit von der Sonde entfernen soll. Besonders ist, dass die Landung weitab des Mondäquators erfolgen soll, der sonst bevorzugt angesteuert wurde. Stattdessen soll die Sonde bei 70 Grad Süd aufsetzen, vergleichsweise nahe am Mondsüdpol.

Dort wird im Inneren von tiefen Kratern Wassereis vermutet. Das könnte in Zukunft als Rohstoff interessant werden, weil sich daraus Treibstoff für weitere Raketenflüge gewinnen ließe, die noch weiter hinaus ins All führen

chs

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Seite 1
sucher533 16.07.2019
1. Verzögert
Ein Startabbruch bedeutet keine Verhinderung, sondern nur eine Verzögerung. Ich wünsche den Indem viel Erfolg!
mohsensalakh 16.07.2019
2. Ob die Inder dort die amerikanische Lüge vom Mondlandung aufdecken?
Die Amis sollen also vor 50 Jahren mit der damaligen Röhrentransistor-Technik auf den Mond gelandet sein. Damals gab es noch kein FET und MOSFET! Röhrentransistoren verbrauchen nun mal verdammt viel Strom und die damalige Bleibatterien wären niemals in der Lage die alte Stromfressende Technik zu versorgen - zumindest nicht für so lange Zeit.
willibaldus 16.07.2019
3.
Zitat von mohsensalakhDie Amis sollen also vor 50 Jahren mit der damaligen Röhrentransistor-Technik auf den Mond gelandet sein. Damals gab es noch kein FET und MOSFET! Röhrentransistoren verbrauchen nun mal verdammt viel Strom und die damalige Bleibatterien wären niemals in der Lage die alte Stromfressende Technik zu versorgen - zumindest nicht für so lange Zeit.
Die hatten tatsächlich schon Taschenrechner, wenn auch sehr primitive. Die Astronauten hatten elektrische Stimmgabeluhren, ab 1970 auch Quarzuhren. Das erste Transistorradio ist von 1954. Erste Integrierte Schaltung 1958. MOSFET ist von 1962. Die Apollo Raumschiffe hatten einen Bordrechner mit 74KB Speicher und 4KB Arbeitsspeicher. Manche Waschmaschinen haben heute mehr und schneller sind sie auch. Die hatten auch bestimmt keine Bleiakkus dabei, die hatten Brennstoffzellen. Ja - echt - so alt ist die Technik schon, war nur immens teuer damals. https://sus.ziti.uni-heidelberg.de/Lehre/WS1617_DST/DST_Fischer_02_History.pptx.pdf
mohsensalakh 16.07.2019
4.
Zitat von willibaldusDie hatten tatsächlich schon Taschenrechner, wenn auch sehr primitive. Die Astronauten hatten elektrische Stimmgabeluhren, ab 1970 auch Quarzuhren. Das erste Transistorradio ist von 1954. Erste Integrierte Schaltung 1958. MOSFET ist von 1962. Die Apollo Raumschiffe hatten einen Bordrechner mit 74KB Speicher und 4KB Arbeitsspeicher. Manche Waschmaschinen haben heute mehr und schneller sind sie auch. Die hatten auch bestimmt keine Bleiakkus dabei, die hatten Brennstoffzellen. Ja - echt - so alt ist die Technik schon, war nur immens teuer damals. https://sus.ziti.uni-heidelberg.de/Lehre/WS1617_DST/DST_Fischer_02_History.pptx.pdf
Oh Ja, die Brennstoffzellen von damals, hatten noch nicht die handelübliche Größen und Formen, oder glauben Sie, dass die Brennstoffzellen so geboren wurden, wie sie heute aussehen? Die Industrie hinkt selbst mit heutiger Technik hinten dran, endlich eine kompakte Form herauszugeben und die damalige MOSFETS und integrierte Schaltungen waren für solche komplexe Einsätze noch nicht reif - die FUnktechnik basierte auf primitive Chips von Texasinstruments die eine minimale Kodierung ermöglichten. Ich hoffe sehr, dass die Inder diese Hollywood-Geschichte wieder zu einem neuen Leben erwecken! Wir werden sehen.
rockwater 16.07.2019
5.
Zitat von mohsensalakhDie Amis sollen also vor 50 Jahren mit der damaligen Röhrentransistor-Technik auf den Mond gelandet sein. Damals gab es noch kein FET und MOSFET! Röhrentransistoren verbrauchen nun mal verdammt viel Strom und die damalige Bleibatterien wären niemals in der Lage die alte Stromfressende Technik zu versorgen - zumindest nicht für so lange Zeit.
Die Geräte hatten alle Federmechanismen zu Aufziehen oder ware komplett handbetrieben.
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