"Chang'e 2" China startet Mondsonde

Vorbereitungen auf ein ehrgeiziges Großprojekt: China hat seine zweite Mondsonde gestartet. "Chang'e 2" soll den Erdtrabanten nur umkreisen, nicht dort landen. Doch auch das haben Pekings Raumfahrtingenieure schon bald vor.

Start der "Chang'e 2"-Sonde: Nächster Schritt in Pekings ambitioniertem Mondprogramm
REUTERS/ Li Gang/ Xinhua

Start der "Chang'e 2"-Sonde: Nächster Schritt in Pekings ambitioniertem Mondprogramm


Peking - Chinas Mondsonde "Chang'e 2" ist auf dem Weg zu ihrem Ziel. Nach offiziellen Angaben hob die Trägerrakete am Freitag vom Raumfahrtbahnhof Xichang in der südwestchinesischen Provinz Sichuan ab - pünktlich zum Nationalfeiertag. Die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, der Start der Rakete vom Typ "Langer Marsch 3C" sei ohne Probleme verlaufen.

Bei dem Flug sollen wissenschaftliche Experimente absolviert werden. Vor allem geht es aber darum, die Landung eines unbemannten Raumschiffes auf dem Mond bis Ende 2013 vorzubereiten. China verfolgt ein ehrgeiziges Monderkundungsprogramm. Es geht vor allem um die geologische Erschließung des Mondes, der aus chinesischer Sicht die Rohstoffprobleme der Erde in der Zukunft lösen könnte. Zu Beginn des kommenden Jahrzehnts könnte der erste chinesische Raumfahrer auf dem Mond laufen - wenn alles nach Plan läuft.

Die nun gestartete Sonde ist nach der chinesischen Mondgöttin "Chang'e" benannt, die nach einer alten Legende auf dem Erdtrabanten wohnt. Die Chinesen haben bereits im Jahr 2007 ein Fluggerät mit gleichem Namen zum Mond geschossen. Die Sonde erstellte eine Karte des Mondes und stürzte nach 16 Monaten Missionsdauer planmäßig dort ab.

China bemüht sich insgesamt stark um die Förderung der Raumfahrt. Das Land ist im Jahr 2003 mit seinem ersten bemannten Raumflug - nach den USA und Russland - in den illustren Club der Nationen aufgestiegen, die aus eigener Kraft Astronauten ins All bringen können. Derzeit bereiten Pekings Techniker den Aufbau einer eigenen Raumstation vor. Das erste Modul dafür ist bereits fertig.

chs/dpa



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Uwe4270 01.10.2010
1. Neues, "praktisches" Zeitalter der Mondforschung: Geologische Erkundung für Rohstoffe
Im Artikel ist von der "geologischen Erschließung des Mondes" die Rede, und von den Vorbereitungen der Chinesen, etwa im Jahre 2013 eine unbemannte Mondlandung vorzunehmen. Damit ist auch eine zukunftsorientierte, strategische Bedeutung des Mondes vom Bereich des Science Fiction immer mehr in technologisch umsetzbaren Vorhaben gerückt. Als generelle Fern-Ziele eines Raumfahrtprogramms etwa für einen Zeitraum des restlichen 21. Jahrhunderts ist die geologische Erkundung des Mondes zur Erschließung von Rohstoffen, spezifisch wohl insbesondere metallhaltige Erz-Vorkommen, ein logischer Schritt. Dabei ist als Grundmotivation der weiterhin steigende Bedarf der industriell gängigen Metalle auf der Erde zumindest auf der absehbaren Zeitskala dieses 21. Jahrhunderts klar vorgegeben. Damit wird auch die Monderkundung nach fast 50 Jahren der Meilensteine der Apollo Mondlandungen einen neuen Aufschwung erfahren. Bei Wiki kann man sich die letzte Mondlandung von Apollo 17 in die Erinnerung zurückrufen: knapp über 3 Tage Aufenthalt auf dem Mond, ca. 22 Stunden Exkursionen, 50kg Mondgestein mit zur Erde gebracht, die Astronauten legten mit iherem Mondauto eine Gesamtstrecke etwa 34km zuruck. Durch die Apollo Mondlandungen, insbesondere durch die von den Astronauten in größerem Umkreis gesammelten Bodenproben, haben die USA international immer noch die Führung in Kenntnissen der Mondgeologie. Damals war Mondgeologie noch eine Kuriosität. Heute sind die Ziele der Monderkundung nicht mehr der Quasi-Romantik der Erkundungen und Entdeckungen zuzuordnen, als mehr dem Verständnis der Mondgeologie in Richtung auf gezielt lokalisierte rohstoff-strategische Bohrungen. Immerhin kann es damit in den kommenden Jahrzehnten auch zu der weiteren intensiveren Monderkundung kommen, die in den euphorischen Zukunftsvisionen der Raumfahrt der damaligen Gemini und Apollo Mission Ara zum Standard in Büchern über Raumfahrt wurden. Die Jahre ca. 1965-1970 waren eine Ära der Zukunftsvisionen der Raumfahrt, getrieben von der zweck-optimistischen Extrapolation der gigantischen Fortschritte der Erkundung des Weltraums von den ersten Satelliten 1957/58 bis zur ersten Mondlandung von Apollo 11 im Jahre 1969. Heute gehört diese Epoche zeitgeschichtlich ganz klar der Vergangenheit an. Auch sind die damaligen Vorstellungen von der weiteren Erkundung und Erschließung des Mondes in iheren qualitativen Ansätzen und Grundsätzen definitiv nicht eingetreten. Man erinnere sich: Nach dem Stand der Zukunftsvisionen etwa im Jahre 1970 war es durchaus die Extrapolation für ein halbes Jahrhundert bis 2020, davon auszugehen, dass bis dahin längst ständig bemannte (und "befraute") Mondbasen mit Austausch-Personal betrieben werden. Auch war etwa 1970 von der Vorstellung der ersten bemannten Marslandung innerhalb des Zeitraums bis 2020 die Rede. Die bemannte Raumfahrt hat sicher heute nicht mehr die Bedeutung, die ihr vor 50 Jahren noch zuerkannt wurde. Zumindest ist diese Bedeutung weniger extrapolierbar als sie es früher war. Aber die unbemannte Raumfahrt hat sich trotzdem weiter entwickelt. Und diese Entwicklung wird auch in der Zukunft weitergehen, zumindest in dem Masse, in dem die Menschheit bereit ist, die finanziellen Kosten aufzubringen. Das wird insbesondere der Fall sein, wenn sich im Bereich der Rohstoffe ein viel direkterer Nutzen der Raumfahrt anbahnt. Und daran werden sich auch Projekt-Schwerpunkte der Raumfahrt in Zukunft immer mehr orientieren.
Alderamin 01.10.2010
2. Auch bei den Amerikanern tut sich was
Gestern hat der Kongress mit Zweidrittel-Mehrheit den Vorschlag des Senats für eine Modifikation des Obama-Raumfahrt-Plans angenommen. Jetzt fehlt nur noch die Unterschrift von Obama selbst, der zum Plan des Senats vorab bereits seine Zustimmung signalisiert hatte, und dann kann die Entwicklung einer Schwerlast-Rakete und der Orion-Kapsel für bemannte Flüge jenseits der Erdumlaufbahn 2011 beginnen. Daneben wurde ein weiterer Shuttle-Flug und die Finanzierung von durch die Privatindustrie zu entwickelnde Raketen für den Flug zur internationalen Raumstation genehmigt. Die auf Shuttle-Basis geplante Schwerlast-Rakete soll 2016 fertiggestellt sein und unter anderem Flüge zu erdnahen Asteroiden durchführen. http://www.chron.com/disp/story.mpl/nation/7224649.html http://www.floridatoday.com/article/20100930/NEWS02/9300325/1007/news02/House+signs+off+on+NASA+policy Die vom Senat vorgegebenen Eckdaten der Rakete orientieren sich eng an den vom DIRECT-Team vorgelegten Vorschlag zum Bau einer kostengünstigen Alternative zum Constellation-Projekt. Diese hatte die NASA unter dem vorangegangenen NASA-Administrator Griffin noch als physikalisch unmöglich zu diskreditieren versucht. Mit der Rakete wären auch Flüge zum Mond und später zum Mars durchführbar, allerdings sind derzeit keine Gelder für eine Landefähre in Planung. Eine Umkreisung des Mondes und Flüge zu Asteroiden oder dem Marsmond Phobos benötigen keine Landefähre und werden einer Mond- bzw. Marslandung mit einiger Sicherheit vorausgehen. http://www.orlandosentinel.com/news/space/os-nasa-redesigns-shuttle-20100912,0,7720708.story
lmuwang 01.10.2010
3. Gratulation zum erfolgreichen Start!
Zitat von sysopVorbereitungen auf ein ehrgeiziges Großprojekt: China hat seine zweite Mondsonde gestartet. "Chang'e 2" soll den Erdtrabanten nur umkreisen, nicht dort landen. Doch auch das haben Pekings Raumfahrtingenieure schon bald vor. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,720733,00.html
Ein paar bewegenden Bilder zur Ergänzung des Artikels: http://www.youtube.com/watch?v=TaipOBidT2A
Hummp 07.10.2010
4. Vom Mond wird kein Erz kommen
"Als generelle Fern-Ziele eines Raumfahrtprogramms etwa für einen Zeitraum des restlichen 21. Jahrhunderts ist die geologische Erkundung des Mondes zur Erschließung von Rohstoffen, spezifisch wohl insbesondere metallhaltige Erz-Vorkommen, ein logischer Schritt." Das wage ich zu bezweifeln. Die Kosten die man pro Kilo Mondmaterial aufbringen müsste wären... hmm, was ist das passende Wort? ASTRONOMISCH! Da können wir ebenso gut einen riesigen Aufwand hier unten auf der Erde machen statt auf den Mond zu fliegen. Da halte ich auf lange Sicht das Ziel einer autarken Station als Zwischenziel für Flüge z.B. zum Mars für wahrscheinlicher.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.