Chinas technologische Ambitionen Wettlauf im Weltraum

Welchen Nutzen hat die erste Landung auf der Rückseite des Mondes? China verspricht sich die Lösung wissenschaftlicher Fragen - aber auch militärische Vorteile.

China National Space Administration/HANDOUT/EPA-EFE/REX

Mit der ersten Landung auf der Rückseite des Mondes feiert Chinas Weltraumprogramm einen Meilenstein. Als die Raumsonde "Chang'e 4" am Donnerstagmorgen genau zur geplanten Zeit um 3.26 Uhr im Aitken-Krater in der Nähe vom Südpol aufsetzt, macht sich Erleichterung unter den Wissenschaftlern und Ingenieuren im Pekinger Kontrollzentrum breit.

Das Manöver galt als besonders schwierig, weil die Rückseite des Mondes im Funkschatten zur Erde liegt. Mit der chinesischen Raumsonde "Chang'e 4" ist nun erstmals ein menschengemachtes Objekt auf der Rückseite des Mondes gelandet.

"Die Landung hat vor allem einen großen symbolischen Wert", meint der Dortmunder Techniksoziologe und Weltraumexperte Johannes Weyer. Die Amerikaner hätten sich in der Vergangenheit mit den Russen einen Wettkampf um die Vorherrschaft im All geliefert - und gewonnen. Jetzt kommen die Chinesen.

Konkurrenz für die USA

"Sie demonstrieren, dass sie eine technologische Großmacht sein wollen", sagt Weyer. China hatte extra einen Satelliten stationiert, der die Signale der Sonde weiter zur Erde leitet, sodass hinter dem Mond manövriert werden konnte.

Auch im All müssen sich die USA nun daran gewöhnen, dass sie Konkurrenz bekommen. Mit Roboterfahrzeugen, die lediglich Fotos von der Mondoberfläche machen, will sich China bei seinen ambitionierten Plänen nicht mehr lange begnügen.

Chinesische Mondsonde "Chang'e 4" (Grafik)
CNSA/ EPA-EFE/ REX

Chinesische Mondsonde "Chang'e 4" (Grafik)

Kaum ist die nach der chinesischen Mondgöttin benannte "Chang'e 4" gelandet, steht auf Pekings eng durchgetaktetem Weltraumplan schon die nächste Mission an. Mit "Chang'e 5" sollen noch in diesem Jahr Gesteinsproben vom Mond auf die Erde gebracht werden. Für 2030 plant Peking mit dem ersten Chinesen auf dem Mond.

"Alles baut aufeinander auf", sagt Ouyang Ziyuan, führender wissenschaftlicher Berater des chinesischen Mondprogramms. China denke sehr langfristig und zeige auch Interesse an den Rohstoffen auf dem Mond - besonders an Helium-3. Das Isotop gilt als möglicher Brennstoff für Kernfusionskraftwerke in ferner Zukunft.

Roboterfahrzeug soll starten

Die aktuelle Mission wirkt vergleichsweise bodenständig: Nach Ankunft der Sonde soll ein Roboterfahrzeug den Boden und die Strukturen um den Landepunkt untersuchen. Es ist mit einer Panoramakamera und Messgeräten ausgestattet. Geplant sind unter anderem Experimente mit niedrigen Radiofrequenzen.

Ohne Atmosphäre oder andere Störungen, wie auf der Erde, können Astronomen in der Stille des Alls besser Signale auffangen, sie hoffen auf neue Erkenntnisse zum Beispiel über die Entstehung der Sterne.

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Raumsonde "Chang'e 4": Landung auf der Rückseite des Mondes

Zudem hat "Chang'e 4" Saatgut geladen, mit dem geprüft werden soll, ob Gemüseanbau in einer geschlossenen Umgebung bei der niedrigen Schwerkraft der Mondoberfläche möglich ist.

An Bord ist auch ein von Wissenschaftlern der Kieler Christian-Albrechts-Universität entwickeltes Strahlenmessgerät. Das Kieler Experiment soll mindestens ein Jahr lang die Strahlung und den Wassergehalt des Bodens messen und die Daten zur Erde schicken. Die Erkenntnisse daraus sollen helfen, zukünftige bemannte Mondmissionen vorzubereiten.

Doch nicht nur auf dem Erdtrabanten verfolgt Peking ambitionierte Pläne. 2018 schickte China zum ersten Mal mehr Raketen in den Orbit als jedes andere Land. Die Last, die neue Raketengenerationen ins All tragen können, steigt dabei stetig.

Wettlauf hat begonnen

So soll für China nicht nur bald schon eine Reise zum Mars Wirklichkeit werden, sondern bereits in naher Zukunft der Bau einer großen chinesischen Raumstation gelingen, die ständig bemannt ist. 2022 soll sie betriebsbereit sein.

Chinas Raumfahrtvorhaben dienen dem Prestige und der wissenschaftlich-technischen Entwicklung. Das Land verfolgt aber ganz klar auch militärische Interessen. Militärexperten in China verweisen gern darauf, dass künftige Kriege im All gewonnen werden.

"Wer Raketen in den Weltraum schießt, kann auch andere Länder bedrohen. Das muss man immer im Hinterkopf haben", sagt Weltraumexperte Weyer.

Auf die neue militärische Konkurrenz im All stellen sich die USA unter Präsident Donald Trump längst ein. Er hat ein neues militärisches Führungskommando "Space Command" ins Leben gerufen. Der Wettlauf um die Vorherschafft im All hat begonnen.

Von Jörn Petring, dpa/boj

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