Ex-Pilotin China schießt erstmals Astronautin ins All

Langsam aber bestimmt treibt China sein Weltraumprogramm voran. Beim bevorstehenden Start wird nun erstmals auch eine Raumfahrerin in den Orbit abheben. Die offizielle Begründung: Astronautinnen seien ausdauernder und psychologisch stabiler als männliche Kollegen.
Astronautin Liu Yang: ""Es ist eine Ehre für mich."

Astronautin Liu Yang: ""Es ist eine Ehre für mich."

Foto: JASON LEE/ REUTERS

Peking - "Frauen tragen die Hälfte des Himmels" - so lautet ein berühmter Spruch von Mao Zedong. Als politisches Signal der Gleichberechtigung will China erstmals eine Astronautin in den Weltraum bringen: die ehemalige Pilotin Liu Yang. Eine Überraschung ist das nicht, hatte es doch schon zuvor geheißen, "vermutlich" sei beim kommenden Start auch eine Frau an Bord.

Nun gibt es die offizielle Bestätigung - und die Information, dass Liu Yang auf den historischen Flug gehen wird. Sie sei ihrem Vaterland und der chinesischen Bevölkerung dankbar, sagte die 33-Jährige chinesischen Staatsmedien. "Es ist eine Ehre für mich, im Namen von Hunderten von Millionen chinesischer Bürgerinnen ins All zu fliegen." Weibliche Astronauten besäßen größere Ausdauer, psychologische Stabilität und könnten besser mit der Einsamkeit klarkommen, sagte Wu Ping, eine Sprecherin für das Raumfahrtprogramm.

Das Raumschiff "Shenzhou 9" soll am Samstagmittag mitteleuropäischer Zeit an der Spitze einer "Long March-2F"-Trägerrakete mit drei Besatzungsmitgliedern an Bord vom Raumfahrtbahnhof Jiuquan in der Wüste Gobi abheben. Das hat die chinesische Raumfahrtbehörde auf ihrer Internetseite erklärt.

Der vierte bemannte Raumflug Chinas soll 13 Tage dauern. Erstmals ist ein manuelles Andockmanöver mit dem Raummodul "Tiangong 1" geplant, das seit September die Erde umkreist. Damit soll ein einfaches Weltraumlabor geschaffen werden.

Ebenfalls zum ersten Mal werden sich nach Angaben von Wu Ping zwei Astronauten mehrere Tage in dem Raummodul aufhalten. Die Crew solle testen, ob sich Astronauten erfolgreich in dem Raummodul und der verbundenen Raumkapsel aufhalten können. Das sind wichtige Schritte auf dem Weg zum geplanten Bau einer eigenen, größeren Raumstation.

"Der Flug wird eine große Herausforderung", sagt der Experte Dean Cheng von der US-Denkfabrik Heritage Foundation in Washington. Chinas erstes handgesteuertes Kopplungsmanöver eines bemannten Raumschiffes werde "sehr spannend und sehr gefährlich". Dass im November das unbemannte Raumschiff "Shenzou 8" schon zweimal von der Erde aus ferngesteuert an das Modul angedockt war, sei eine gute Voraussetzung. "Aber es kann eine Menge schieflaufen."

chs/dpa
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