Satellitenbild der Woche China übt in der Wüste zielen – auf Nachbauten von US-Militärschiffen

In der Wüste lassen sich gut Dinge verstecken, die niemand bemerken soll. Doch Satellitentechnik macht sie sichtbar – wie diese Anlagen der chinesischen Armee, die offenbar Angriffe auf US-Flugzeugträger trainiert.
Umriss eines US-Militärschiffs in der Taklamakan-Wüste

Umriss eines US-Militärschiffs in der Taklamakan-Wüste

Foto: Maxar Technologies / EPA

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Weit ist die Taklamakan-Wüste, sehr weit. Wenn man die Flächen der Niederlande, Belgiens, der Schweiz, Österreichs und Sloweniens zusammenrechnet, kommt man in etwa auf die Ausdehnung der zweitgrößten Sandwüste unserer Erde: rund 220.000 Quadratkilometer. Vor mehr als zwei Millionen Jahren gab es hier einen gigantischen See, gespeist aus den umliegenden Hochgebirgsregionen wie dem Kunlun Shan, dem Pamir und dem Tian Shan. Von dort stammen auch die Sedimente, deren Material die teils mehr als 100 Meter hohen Dünen der Region bildet.

In der Weite der Wüste kann man gut Dinge verstecken, die niemand sehen soll. Besser gesagt, man konnte es – denn dank moderner Satellitentechnik ist es nicht mehr ganz so einfach, dass Geheimnisse auch wirklich geheim bleiben. Das belegt auch ein Fund, den US-Militäranalysten kürzlich gemacht haben. Mithilfe von hochauflösenden Satellitenbildern der Privatfirma Maxar spürte das Unternehmen AllSource Analysis Strukturen in der Taklamakan  auf, die offenbar von der Volksarmee Chinas für Zielübungen genutzt werden. Sie haben die Form und Größe von amerikanischen Kriegsschiffen.

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Die Analysten haben auf den Bildern in der Nähe der Gemeinde Ruoqiang unter anderem eine Struktur mit den Abmaßen eines US-Flugzeugträgers identifiziert. Außerdem fanden sich die Umrisse von Lenkraketenzerstörern der Arleigh-Burke-Klasse. Diese Schiffe sind gut 150 Meter lang und würden im Konfliktfall einen Flugzeugträger begleiten. Sie müssten sich vor allem um die Flugabwehr kümmern, könnten aber auch Landziele angreifen. Rund 70 Exemplare stehen bei der US-Marine in Dienst.

Mindestens eine der gefundenen Nachbauten ist auf einem großen Schienensystem montiert, kann also bewegt werden. Offenbar  wurde ein Modell davon schon in diesem Jahr auf der »Zhuhai Airshow« ausgestellt. Die Experten fanden Hinweise darauf, dass die Ziele mit Messgeräten ausgerüstet sind oder zumindest werden können. Was es dagegen auf den Bildern nicht gibt, sind Einschlagkrater.

Schiffsattrappe auf Schienen (links) und militärische Anlagen bei Ruoqiang

Schiffsattrappe auf Schienen (links) und militärische Anlagen bei Ruoqiang

Foto: Maxar Technologies / EPA

Das ist nicht selbstverständlich. Die Region sei in der Vergangenheit für Tests von ballistischen Raketen genutzt worden, so AllSource Analysis. Womöglich werden die nun aufgespürten Strukturen verwendet, um die Zielerfassung zu trainieren.

Gefährlicher Taiwankonflikt

Bei der Analyse älterer Bilder zeigte sich, dass der Flugzeugträger-Nachbau bereits im Frühjahr 2019 entstanden ist. Später wurde er allerdings um- und teilweise wieder abgebaut. Seit dem Herbst ist er nun wieder da. Nach Ansicht von Militärexperten  sollen die Anlagen dazu dienen, dass China seine ballistischen Raketen für den Einsatz gegen Schiffe verbessert. Diese können demnach bereits jetzt von Land oder von Flugzeugen aus abgefeuert werden.

Im Konflikt um Taiwan , das von China als abtrünnige Provinz gesehen wird, spielen die militärischen Fähigkeiten der Volksarmee eine wichtige Rolle. Die USA sehen sich als Schutzmacht Taiwans. China hatte zuletzt mit Gesten wie dem Einflug von 38 Jets und Bombern in die taiwanische Luftraumüberwachungszone bewusst Zeichen der Stärke gesendet. Bereits seit Längerem ist bekannt, dass chinesische Soldaten auf einem Übungsplatz in der Inneren Mongolei mit einem Eins-zu-eins-Nachbau auch den Sturm auf Taiwans Präsidentenpalast trainieren. Auch diese Struktur ließ sich übrigens auf Satellitenbildern nachweisen.

Ein riesiges US-Militärschiff als Übungsziel nachzubauen – auf diese Idee war auch das iranische Militär vor rund acht Jahren gekommen. Dieses Exemplar, simuliert werden sollten Flugzeugträger der Nimitz-Klasse, allerdings nicht in Originalgröße, schwamm sogar im Persischen Golf. Nach einer simulierten Attacke sank das Wasserfahrzeug aber im vergangenen Sommer in der Nähe der Marinebasis Bandar Abbas – aber nicht durch den Treffer einer Rakete, sondern durch Probleme beim Zurückschleppen in den Hafen .

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, die chinesischen Flugzeuge seien in den taiwanischen Luftraum eingeflogen. Tatsächlich handelte es sich um die taiwanische Luftraumüberwachungszone. Wir haben den Fehler korrigiert.

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