»Langer Marsch 5« China startet Mondrakete zu historischer Mission

Erstmals seit Jahrzehnten soll wieder Gestein vom Mond auf die Erde gebracht werden – mit einem chinesischen Raumschiff. Die Volksrepublik wäre das dritte Land nach den USA und der Sowjetunion, dem dies gelingt.
Raketenstart in Wenchang: Historische Mission

Raketenstart in Wenchang: Historische Mission

Foto: Mark Schiefelbein / AP

China hat ein unbemanntes Raumschiff auf den Weg zum Mond geschickt. Dort soll das Raumschiff landen und erstmals seit über 40 Jahren wieder Gesteinsproben zur Erde holen. Die Rakete vom Typ »Langer Marsch 5« hob am frühen Dienstagmorgen Ortszeit (Montagabend MEZ) vom Raumfahrtbahnhof in Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan ab. Das nach der chinesischen Mondgöttin »Chang'e 5« benannte Raumschiff soll voraussichtlich am Sonntag einen sogenannten Lander auf den Mond bringen, der Gestein und Bohrproben einsammelt.

Bei einer erfolgreichen Rückkehr wäre China nach den USA und der Sowjetunion in den Sechziger- und Siebzigerjahren erst die dritte Raumfahrtnation, der ein solches Vorhaben gelingt. Das Raumschiff soll in dem nach dem deutschen Astronomen Karl Rümker (1788-1862) genannten Vulkangebiet landen. Es liegt im »Ozean der Stürme« im oberen, linken Teil der erdzugewandten Seite des Mondes.

Die Mission gilt als eine der kompliziertesten, die Chinas Raumfahrt je unternommen hat: Erstmals würde eine chinesische Aufstiegsstufe wieder vom Mond starten, Gesteinsproben mitnehmen und ein Docking-Manöver im Orbit des Erdtrabanten vornehmen, bevor die Rückkehrkapsel zur Erde zurückfliegt.

»Langer Marsch 5« vor dem Start

»Langer Marsch 5« vor dem Start

Foto:

TINGSHU WANG / REUTERS

Das 8200 Kilogramm schwere Raumschiff besteht aus vier Modulen: Dem Orbiter mit der Rückkehrkapsel sowie dem Lander mit der Aufstiegsstufe. Nach dem Aufsetzen auf der Mondoberfläche soll das Landegerät mit einem langen Arm rund zwei Kilogramm Mondgestein und auch Proben aus Bohrungen bis zu zwei Meter Tiefe zusammentragen und in einer Kammer verstauen.

Rückkehr Mitte Dezember

Das Raumschiff soll am 16. oder 17. Dezember in der Inneren Mongolei landen. Wissenschaftler warten gespannt auf die Proben, denn bislang wurde noch kein Gestein aus der jüngeren Mondgeschichte zu Untersuchungen zur Erde gebracht. Der »Ozean der Stürme« ist nur 1,2 Milliarden Jahre alt. Mondgestein, das die USA und die Sowjetunion eingesammelt hatten, ist hingegen mit 3,1 und 4,4 Milliarden Jahren deutlich älter. Forscher erhoffen sich von den Proben wichtige neue Erkenntnisse über die vulkanische Aktivität und die Geschichte des Mondes.

»Chang'e 5« soll beim Sonnenaufgang auf dem Mond landen und einen Mondtag – zwei Wochen auf der Erde – bleiben. So muss das Raumschiff nicht mit besonderen Heizgeräten ausgestattet sein, um die extrem niedrigen Temperaturen der Mondnacht auszuhalten. Die Komplexität des dreiwöchigen Fluges gilt auch als Vorbereitung auf mögliche bemannte Mondlandungen in der Zukunft.

China verfolgt ein Raumfahrtprogramm mit Missionen zum Mond und Mars sowie dem Aufbau einer eigenen Raumstation. Im Januar 2019 landete China als erste Raumfahrtnation mit »Chang'e 4« auf der relativ unerforschten erdabgewandten Seite des Mondes. Es wurde ein Rover ausgesetzt, der weiter die Oberfläche erforscht.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version wurde das Alter des Mondgesteins mit »Millionen« statt »Milliarden« angegeben, wir haben den Fehler korrigiert.

ptz/dpa