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25. Dezember 2013, 14:25 Uhr

Chris Hadfield

Der singende Astronaut

Mit der Coverversion eines David-Bowie-Songs landete der kanadische Astronaut Chris Hadfield einen Internet-Hit. Der Kommandant der Internationalen Raumstation begeisterte in diesem Jahr nicht nur als unbeschwerter Sänger.

Der durchschnittliche ISS-Bewohner sollte nicht allzu öffentlichkeitsscheu sein. Viele Raumfahrer, die in rund 400 Kilometern Höhe im Außenposten der Menschheit arbeiten und forschen, versorgen die Menschen auf der Erdoberfläche mit faszinierenden Fotos, die sie in ihrer Freizeit knipsen. Oder sie erklären in kurzen Videos, was das Leben in der Schwerelosigkeit so mit sich bringt- zum Beispiel in puncto Haarwäsche. Bisweilen lassen sie sich live von verschiedensten Menschen - vom Grundschüler bis zum Schauspieler- über das Leben im All ausfragen.

Und das kann auch unangenehm sein, wie der Italiener Luca Parmitano erfahren musste: Bei einem Außeneinsatz lief sein Helm voll Wasser. "Der Weltraum ist ein raues, unbewohnbares Grenzland, und wir sind Entdecker, keine Siedler. Das Können unserer Ingenieure und die Technologie, die uns umgibt, lässt manches einfach erscheinen, obwohl es das in Wirklichkeit nicht ist - und das vergessen wir vielleicht manchmal. Besser, wir behalten es im Kopf", schrieb der Esa-Astronaut anschließend.

Der wahre Major Tom

Dieses Jahr allerdings brach einer alle Rekorde in Sachen Öffentlichkeitsarbeit: Chris Austin Hadfield. Der ist kein Angestellter der Nasa, sondern war bis vor kurzem für die kanadische Weltraumbehörde CSA tätig. Als erster Kanadier erhielt er das Kommando auf der Internationalen Raumstation, wozu ihm sogar die Queen gratulierte. Von März bis Mai 2013 hatte Hadfield den Posten inne. Danach ging es zurück zur Erde.

Wie viele seiner Kollegen auch, veröffentlichte der Kanadier regelmäßig Fotos per Twitter. Allerdings blödelte Hadfield zusätzlich mit Star-Trek-Schauspielern herum - unter anderem über die Gefahr, ein Rothemd im Weltraum zu sein.

Und er stellte kurz vor seiner Heimkehr auf den Erdboden ein auf der ISS selbstgedrehtes Musikvideo ins Netz. Damit wurde der "wahre Major Tom" endgültig zum Medienphänomen. Bis Mitte Dezember ist seine Version von David Bowies "Space Oddity" fast 20 Millionen Mal aufgerufen worden.

Man kann natürlich beklagen, dass bei all dem Medienrummel um Hadfield die Wissenschaft, die an Bord der ISS eigentlich im Vordergrund steht, zu kurz gekommen ist. Andererseits hat Hadfield wohl so manchen für die Raumfahrt begeistert, der sich ohne die Medienpräsenz des Kanadiers nicht damit beschäftigt hätte.

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wbr

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