"Columbia"-Schäden Ingenieure wollten Aufklärung durch Spionage-Satelliten

Kurz nach dem Start der "Columbia" wollten Nasa-Ingenieure offenbar mögliche Schäden der Fähre durch Spionage-Satelliten untersuchen lassen. Der Manager des Shuttle-Programms soll dies abgelehnt haben.


Nasa-Manager Dittemore (mit einem Stück der Tankisolierung): Bitte um Satellitenbilder abgelehnt?
DPA

Nasa-Manager Dittemore (mit einem Stück der Tankisolierung): Bitte um Satellitenbilder abgelehnt?

Nach dem Start der "Columbia" waren Ingenieure der US-Raumfahrtbehörde offenbar besorgt genug, um die Unterstützung von Spionage-Satelliten des Pentagons zu suchen. Die Nasa-Mitarbeiter hätten den Manager des Shuttle-Programms, Ron Dittemore, darum gebeten, beim Verteidigungsministerium nach Satellitenbildern zu fragen, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten Offiziellen der Raumfahrtbehörde. Dittemore habe dies jedoch abgelehnt.

Ursache für die Anfrage der Nasa-Ingenieure waren Hinweise auf eine beim Start aufgetretene Beschädigung der linken Shuttle-Tragfläche. Aus Videoaufnahmen hatten Beobachter geschlossen, dass kurz nach dem Abheben offenbar Teile von der Isolierung des Außentanks abgefallen und auf den Flügel geprallt waren. Zwei oder drei Tage nach dem Start habe sich deshalb eine Gruppe um den Ingenieur Lambert Austin vom Johnson Space Center der Nasa mit der Bitte um Satelliten-Unterstützung an Dittemore gewandt, so die Zeitung.

Nach Angaben des von der "New York Times" befragten Nasa-Offiziellen wären die Satellitenbilder "absolut" hilfreich bei der Aufklärung der Beschädigungen gewesen, die womöglich zum Absturz des Shuttles am 1. Februar führten. Weder Austin noch Dittemore wollten zu dem Bericht Stellung nehmen. Ein Sprecher der Raumfahrtbehörde erklärte jedoch gegenüber der Zeitung, Dittemore und andere Verantwortliche seien zu dem Schluss gekommen, dass die Satellitenbilder nicht unbedingt helfen würden.

Nach der Darstellung des Informanten der "New York Times" waren Austin und andere Nasa-Ingenieure enttäuscht von der Haltung Dittemores, vor allem weil sie der Ansicht gewesen seien, dass der Manager "nicht über das technische Wissen" zur Beurteilung der Nützlichkeit solcher Satellitenbilder verfüge. Die Fachleute hatten gehofft, mit den hochauflösenden Aufnahmen etwaige Lücken im Hitzeschild der Raumfähre erkennen zu können.

Möglicherweise verließ sich Dittemore auf die Analyse von Boeing-Ingenieuren, die während der Mission Szenarien eines Trümmeraufschlags auf dem Hitzeschild durchgerechnet hatten und zu dem Schluss kamen, dass die Flugsicherheit nicht gefährdet sei. Allerdings waren die Experten davon ausgegangen, dass es sich bei den Teilen, die auf den Flügel geprallt waren, um relativ leichten Schaumstoff von der Isolierung des Shuttle-Außentanks handelte - was einige Fachleute mittlerweile bezweifeln.

Unklar ist, ob die Bitte der Nasa-Ingenieure um Austin mit einer Anfrage der Raumfahrtbehörde zusammenhängt, die etwa zur gleichen Zeit an das US-Verteidigungsministerium gerichtet wurde. Das Ersuchen, mit dem ebenfalls Aufnahmen angefordert wurden, zog ein Nasa-Mitarbeiter später per E-Mail wieder zurück, wie von der Raumfahrtbehörde veröffentlichte Dokumente belegen.



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