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26. September 2005, 18:21 Uhr

Crash-Test im All

Esa will Asteroiden ablenken

Falls die Erde eines Tages von einem Asteroideneinschlag bedroht ist, will Europas Raumfahrtagentur gewappnet sein. Sie hat nun zwei Ziele für den ersten Testcrash im All bestimmt, der die Asteroidenbahn minimal verändern soll.

Esa-Plan: "Hidalgo" trifft Asteroiden, im Hintergrund die Sonde "Sancho" (Zeichnung)
ESA/Deimos Space

Esa-Plan: "Hidalgo" trifft Asteroiden, im Hintergrund die Sonde "Sancho" (Zeichnung)

Was Bruce Willis im Film "Armageddon" geschafft hat, möchte die europäische Raumfahrtagentur Esa irgendwann auch können: die Erde vor einem folgenschweren Crash bewahren, der beim Einschlag eines gigantischen Himmelskörpers, etwa eines Asteroiden, sämtliches Leben auslöschen könnte.

Im Film war es eine Atombombe, die den heransausenden Felsbrocken in zwei Hälften teilte, die links und rechts an der Erde vorbei flogen - die Menschheit war gerettet. Die Esa will stattdessen mit einem Crash versuchen, die Flugbahn zu verändern und hat nun zwei mögliche Zielasteroiden ausgewählt: "2002 AT4" und "1989 ML" lauten ihre unspektakulären Namen.

"Don Quijote" heißt das Esa-Projekt zur Ablenkung erdnaher Objekte. Anfang dieses Jahres hatten Esa-Experten mögliche Ziele für Europas künftige Missionen zur Vorbeugung von Asteroideneinschlägen umrissen - nun sind die Würfel gefallen. Welcher der beiden Asteroiden letztlich beschossen wird, soll 2007 entschieden werden.

Das gegenwärtige Szenario sieht zwei Raumsonden auf getrennten interplanetaren Bahnen vor. Eine Sonde ("Hidalgo") wird auf den Asteroiden aufprallen, die andere ("Sancho") wird bereits vorher beim Zielasteroiden ankommen, ihn einige Monate lang umkreisen und ihn dabei vor und nach dem Aufprall unter die Lupe nehmen, um Änderungen an seiner Umlaufbahn festzustellen.

Die Esa sieht das Projekt als ersten Schritt zur späteren Abwehr von Asteroideneinschlägen - eine der wenigen Naturkatastrophen, die mit Hilfe menschlicher Technologie verhindert werden könnte.

Dass der geplante Crash zum Risiko für die Erde werden könnte, schließen die Forscher weitgehend aus. Selbst ein gewaltiger Einschlag eines schweren Raumfahrzeugs auf einem kleinen Asteroiden würde diesen nur unwesentlich von seiner Bahn abbringen. Die Bahnveränderung sei voraussichtlich so geringfügig, dass sie nur mithilfe der zweiten Sonde überhaupt erfasst werden könne, hieß es.

Die Esa hat die europäischen Raumfahrtunternehmen nun aufgerufen, ihre Entwürfe für "Don Quijote" einzureichen, von denen die aussichtsreichsten Ende des Jahres ausgewählt werden. Anfang 2007 wird die Esa den endgültigen, zur Durchführung freigegebenen Entwurf auswählen und "Hidalgo" kann sich auf seinen Ritt zum Asteroiden machen.

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