"Cryosat" Esa-Satellit abgestürzt

Der Start verlief noch nach Plan, doch wenige Stunden später meldete ein Sprecher der russischen Raumfahrtagentur, man habe den Esa-Satelliten verloren. "Cryosat" sei auseinander gebrochen in der Nähe des Nordpols abgestürzt.

Moskau - Die russische Trägerrakete sei wenige Minuten nach dem Start vom Kurs abgekommen und zusammen mit dem Satelliten ins Eismeer gestürzt, erklärte die Europäische Weltraumbehörde Esa am Samstagabend in Darmstadt. Ursache sei offenbar ein Fehler im Flugkontrollsystem der Rakete vom Typ "Rockot" gewesen. Das für die Herstellung der Trägerrakete verantwortliche deutsch-russische Konsortium Eurockot habe sich bei der Esa und ihren Partnern entschuldigt.

Zum Absturz sei es offenbar gekommen, nachdem sich das Haupttriebwerk der zweiten Raketenstufe nicht wie vorgesehen abgeschaltet habe, sagte Esa-Sprecher Bernhard von Weyhe. Auch die Oberstufe der Rakete sei nicht planmäßig von der zweiten Stufe abgetrennt worden.

Zuvor hatte bereits die russische Raumfahrtagentur den Klima-Satelliten verloren gegeben und eine Störung an der Trägerrakete eingeräumt. Die zweite Stufe der "Rockot", einer umgerüsteten Interkontinentalrakete, habe gegen Ende ihrer Brennzeit versagt, sagte der Sprecher der Raketentruppen, Wjatscheslaw Dawydenko. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos habe bis zur Klärung des Fehlschlags weitere Starts des Raketentyps gestoppt, erklärte Dawydenko nach Angaben der Agentur Interfax.

Um 17.02 (MEZ) hatte zunächst alles nach einem Bilderbuchstart ausgesehen. Die Trägerrakete mit dem Satelliten startete pünktlich vom Kosmodrom Plessezk, 800 Kilometer nördlich von Moskau. Dann misslangen jedoch alle Versuche, Funkkontakt mit dem Satelliten herzustellen. Nach den ursprünglichen Planungen sollte er rund anderthalb Stunden nach dem Start im All ausgesetzt werden.

"Cryosat" sollte in den nächsten drei Jahren aus 720 Kilometern Höhe per Radar die Dicke der Eisdecke in der Arktis und der Antarktis vermessen. Dadurch sollen Veränderungen der Eismassen genauer und kontinuierlicher als bisher erfasst werden. Die Esa wollte durch die Mission erforschen, ob und in welchem Ausmaß die globale Klimaerwärmung zum Abschmelzen der Pole führt. Das gesamte "Cryosat"-Programm inklusive des 650 Kilogramm schweren Satelliten, der Rakete, der Betriebskosten und der Datenauswertung hatte ein Volumen von 136 Millionen Euro.

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