"Deep Impact" Kometen-Kanone ins All gestartet

Die Nasa hat eine ihrer spektakulärsten Missionen gestartet. Die "Deep Impact"-Sonde, die am Mittwochabend um 19.48 Uhr MEZ planmäßig von Cape Canaveral ins All geschossen wurde, soll am 4. Juli den Kometen "Tempel 1" erreichen. Ein Kupfergeschoss soll ein gewaltiges Loch in den Schweifstern reißen und seinen Kern freilegen.

Die Sonde flog am Mittwochabend deutscher Zeit an Bord einer Delta-II-Rakete von Cape Canaveral in den Weltraum. In nur sechs Monaten soll sie ihr Ziel, den Kometen "Tempel 1", erreichen. Zuvor musste der Start von "Deep Impact" mehrfach aus technischen Gründen verschoben werden.

Was dann folgt, wäre eine Premiere für die Raumforschung, denn noch nie hat ein von Menschen gemachtes Objekt einen Kometen berührt. Zudem soll es am 3. Juli nicht bei einer sanften Berührung bleiben. "Deep Impact" setzt ein kühlschrankgroßes Kupfergeschoss aus, das sich - wenn alles planmäßig verläuft - tags darauf mit 37.000 Kilometern pro Stunde in den Kometen bohrt und einen Krater in der Größe eines Stadions schlägt. Der "Impactor" hat eine Masse von 372 Kilogramm.

Der Aufprall soll so heftig sein, dass er von Neuseeland bis Arizona mit dem bloßen Auge zu sehen sein soll - passend zum amerikanischen Unabhängigkeitstag, der ebenfalls auf den 4. Juli fällt. Die Gefahr, dass der Komet dabei aus der Bahn geschleudert wird, sehen die Forscher nicht. Schließlich sei sein Kern sechs Kilometer breit - laut Nasa-Wissenschaftler Don Yeomans "das astronomische Äquivalent einer Boeing 767, die mit einem Moskito kollidiert".

Chandra und Hubble beäugen nackten Kern

Die Nasa will den freigelegten Kern von "Tempel 1" mit Hilfe der Weltraumteleskope Hubble und Chandra untersuchen. Instrumente an Bord von "Deep Impact" sollen außerdem die aus dem 28 Meter tiefen und 100 Meter breiten Loch geschleuderte Materie analysieren. Die Wissenschaftler erhoffen sich von der Mission wichtige Aufschlüsse über die Entstehung des Sonnensystems vor rund 4,5 Milliarden Jahren.

Kometenkerne sind nach Schätzungen der Forscher fast so alt wie das Sonnensystem selbst. Sie bestehen aus viereinhalb Milliarden Jahre altem Gas, Eis und Staub. Die genaue Zusammensetzung und Struktur der Kerne ist aber noch unbekannt, denn bisher konnten Astronomen nur von der Beobachtung der Oberflächen auf das Innere von Kometen schließen.

Eine Voraussetzung für den Erfolg ist, dass der Kupferblock die Sonnenseite des Kometen trifft. Andernfalls können weder die beiden Teleskope in der Erdumlaufbahn noch ein neuartiges, extrem scharfsichtiges Teleskop an Bord der Sonde die erhofften sensationellen Bilder liefern. Der Sonde selbst bleiben für das Fotografieren nur etwa 20 Minuten Zeit: Sie muss rasch das Weite suchen, um dem erwarteten Wirbel von Gestein, Staub und Eis nach der Kollision auszuweichen.

Europäer bringen Landegerät zum Kometen

Die Nasa könnte der europäischen Weltraumagentur Esa in Sachen Kometenlandung die Show stehlen. Auch die Esa will mit der bereits gestarteten "Rosetta"-Mission einen Kometen besuchen. Allerdings erreicht die europäische Sonde den vier Kilometer großen Eiskometen "Churyumov-Gerasimenko" erst 2014, um den Lander "Philae" abzusetzen.

Dafür ist das Esa-Programm ambitionierter: "Philae" soll die Landung überstehen und den Kometenboden mittels eines mechanischen Greifers analysieren. Außerdem soll das Mutterschiff 17 Monate lang in der Umlaufbahn des Kometen in Richtung Sonne reisen, wo sich ein Schweif bildet, den "Rosetta" untersuchen wird.

Die nächste Herausforderung wartet allerdings schon Ende dieser Woche auf die Europäer: Am Freitag schickt die Nasa-Sonde "Cassini" das Esa-Landegerät "Huygens" auf die Oberfläche des geheimnisvollen Saturnmonds Titan.

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