"Discovery" Nasa hofft auf Ende des Shuttle-Ärgers

Die bisher erfolgreiche verlaufene Mission der "Discovery" stimmt die Nasa optimistisch: Der Ärger mit den Space Shuttles könnte nach mehr als drei Jahre beendet sein. Die Astronauten haben indes damit begonnen, die Ladung der "Discovery" an Bord der ISS zu bringen.


Houston - Die US-Raumfahrtbehörde hat sich nach einer ersten Auswertung der Fotos von der Discovery zufrieden über den Zustand des Space Shuttles gezeigt. Die "Discovery" sehe nach ihrer zweitägigen Reise zur Internationalen Raumstation ISS "sehr sauber" aus, sagte John Shannon, stellvertretender Nasa-Direktor für das Raumprogramm. Das zeige eine erste Durchsicht der mehr als 350 Fotos, die von der Unterseite der Raumfähre gemacht worden waren, bevor sie an die ISS andockte.

Auch alle Bordsysteme funktionierten gut, sagte Shannon. "Wir sind sehr zufrieden. Bis jetzt ist es ein sehr sicherer Flug." Bei einer gezielten Inspektion sollten noch einmal zwei herausstehende Füllstreifen zwischen Hitzekacheln und das Hitzeschild an der Nase der Raumfähre untersucht werden.

Bis zur vollständigen Auswertung der Fotos werde es aber noch bis zum Wochenende dauern, fügte Shannon hinzu. Vor dem Rückflug der Discovery will die US-Raumfahrtbehörde eine Beschädigung des lebenswichtigen Hitzeschildes ausschließen. Bereits am Mittwoch hatte die Besatzung der Discovery in einem mehrstündigen Manöver die Isolierkacheln an der Spitze und den Tragflächen des Shuttle untersucht.

Die aufwändige Inspektion der Außenhülle gehört zu den verschärften Sicherheitsstandards, mit denen die Nasa auf frühere Pannen reagierte. Vor drei Jahren war beim Start der Raumfähre "Columbia" ein Stück Isolierschaum vom Außentank abgebrochen und hatte ein Loch in den Hitzeschutzschild geschlagen. Die "Columbia" verglühte beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre, alle sieben Astronauten kamen ums Leben. Auch bei der "Discovery"-Mission im Sommer 2005 waren Schaumteile abgebrochen, jedoch ohne Folgen für die Sicherheit der Raumfähre.

Der bisherige Erfolg der "Discovery"-Mission stimmt die Nasa optimistisch, dass der mehr als drei Jahre andauernde Ärger mit den alternden Space Shuttles weitgehend vorüber ist. Wäre die jetzige Mission so chaotisch verlaufen wie die des vergangenen Jahres, hätte das wohl das Ende des Shuttle-Programms bedeutet - von den möglichen Folgen eines erneuten Absturzes ganz zu schweigen.

Eine Fortführung der bemannten Nasa-Raumflüge dürfte vor allem in Europa für Erleichterung sorgen: Ein Ende der Shuttle-Flüge hätte die Fertigstellung der Internationalen Raumstation gefährdet. Unter anderem wäre das 880 Millionen Euro teure europäische ISS-Modul "Columbus" womöglich zum Museumsstück geworden, ohne je benutzt worden zu sein. Bis 2010 muss die ISS dennoch fertig sein, denn spätestens dann sollen die Shuttles in Rente geschickt werden.

Bis dahin gibt es für die Astronauten viel zu tun. Die Besatzung der "Discovery", die am Donnerstag an der ISS angedockt hat, beginnen am heutigen Freitag mit dem Entladen der Raumfähre. Rund eine Woche wird vergehen, bis die fast 2300 Kilogramm an Ausrüstungsgegenständen an Bord der ISS sind.

Zuerst hievt ein Roboterarm das Mehrzweck-Logistikmodul "Leonardo" aus einer Ladebucht der Raumfähre und koppelt es an die ISS an. Die Astronauten haben dann Zugang zu dem rund sechs Meter langen Frachtraum, in dem bis zu neun Tonnen Ladung untergebracht werden können.

Der deutsche Astronaut Thomas Reiter, der an Bord der "Discovery" zur ISS gereist ist, wird dort in den kommenden sechs Monaten arbeiten und wohnen. Der 48-Jährige ist der erste Deutsche an Bord der Weltraumstation und der erste Esa-Astronaut, der auch zu einem Außenbordeinsatz aus der ISS aussteigen wird.

mbe/AFP/dpa



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